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Kultur song-contest
05/10/2012

Song Contest: Popowackeln und Weltpolitik

Die Initiative "Sing for Democracy" will sich während des Song Contests für Menschenrechte stark machen.

von Anna Gasteiger

Das Popowackeln, zu dem die österreichischen Teilnehmer Trackshittaz beim Song Contest aufrufen, wird von eher schrillen Nebentönen begleitet.

Im Fahrwasser der Diskussion um die Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine wird die Kritik am Austragungsort des heurigen Song Contests (Finale am 26. Mai) immer lauter.

Kann ausgerechnet der luftig leichte Song Contest in Aserbaidschan etwas bewegen? Muss er das überhaupt?

Die autoritär regierte Kaukasusrepublik jedenfalls gibt sich viel Mühe, Hochglanzstimmung vor dem Musikbewerb zu verbreiten. Doch auch Menschenrechtsorganisationen nützen die Gelegenheit, auf die Einschränkungen bei Versammlungs- und Pressefreiheit aufmerksam zu machen. Und finden dafür so viel Aufmerksamkeit wie nie zuvor.

Kritik

Rasul Cafarov steht für die Initiative "Sing For Democracy". Er zeichnet ein kritisches Bild. "Die Menschenrechtsprobleme wachsen täglich", sagt er im KURIER-Interview. Viele Aserbaidschaner sehen den Song Contest zwar positiv, kritisieren jedoch die hohen Kosten – und die Begleiterscheinungen. "Das berührt ja nicht nur die Kultur, sondern Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, die Notwendigkeit für demokratische Reformen", sagt Cafarov.

70 politische Gefangene gibt es laut Human Rights Watch. Nach Protesten würden Hausarrest und Ausreiseverbote verhängt, ergänzt Cafarov. Zwei Mordfälle – kritische Journalisten wurden 2005 und 2011 umgebracht – "sind immer noch nicht aufgeklärt. Sechs Journalisten sitzen im Gefängnis. TV-Kanäle und Radiostationen werden von der Regierung kontrolliert." "Reporter ohne Grenzen" beklagte jüngst die "schockierenden" Haftbedingungen für den Fernsehjournalisten Saur Gulijew. "Gulijew wird psychisch und physisch unter Druck gesetzt", so die Organisation. Die Regierung weist dies zurück.

Ein aktuelles Problem sind die Folgen des Herausputzens von Baku, der Hauptstadt, nicht zuletzt für den Song Contest: "Häuser werden abgerissen, ohne rechtliche Grundlage, Benachrichtigung oder zufrieden­stellender Abgeltung. Die Einwohner werden aus den Stadtzentren abgesiedelt, die Polizei ist involviert", schildert Cafarov. Auch hier widerspricht die Regierung: Die Abgesiedelten erhielten eine Abschlagszahlung.

Cafarov hofft, mit "Sing For Democracy" etwas bewegen zu können. Geplant sind eine internationale Konferenz, ein Konzert für Menschenrechte und Demokratie und ein "Spaziergang" durch die Innenstadt – "mit T-Shirts, auf denen Slogans über Menschenrechte stehen werden". So hofft man, dass rund um den Song Contest "14 Gefangene freikommen".

Aufmerksamkeit

Auch die Gäste aus dem Westen sollen sich engagieren, appelliert Cafarov: "Besucht nicht nur das Stadtzentrum von Baku." Er wünscht sich Aufmerksamkeit für die "Lebensumstände der gewöhnlichen Menschen". Und wie geht es nach dem 26. Mai weiter, wenn die Aufmerksamkeit verflogen ist? "Das ist schwer zu sagen. Viele denken, dass die Vertreter der Öffentlichkeit und die Journalisten starken Druck erleben werden. Ich aber glaube, dass wir neue Kampagnen starten sollen. Im November soll es in Baku eine Tagung zum Internet geben. Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen!"

42 Teilnehmer: Schweden geht als Favorit an den Start

Das erste Halbfinale des heurigen Eurovision Song Contest findet am 22. Mai statt, das Finale geht am 26. Mai über die Bühne. Die heiße Phase beginnt in Baku aber schon nächste Woche: am Samstag (13. 5.) ist Proben-Start.

Auch Österreichs Kandidaten Trackshittaz ("Woki mit deim Popo") reisen schon zehn Tage vor ihrem Auftritt im ersten Halbfinale nach Baku. Neben Proben gibt es dort jede Menge Hände zu schütteln, Promotionauftritte zu absolvieren und Stimmung bei den anderen Delegationen zu machen. Lukas Plöchl und Manuel Hoffelner haben es dringend nötig – glaubt man Wettbüros, stehen ihre Chancen sogar schlecht, ins Finale einzuziehen.

Als Favorit gilt – wie so oft – der schwedische Beitrag (Sängerin Loreen mit dem für Song-Contest-Verhältnisse relativ modernen "Euphoria"). Ihre größten Herausforderer sind die Kandidatinnen aus Russland – sechs Omas in Trachtenkostümen – und Italiens Nina Zilli, eine Art Amy-Winehouse-Verschnitt. Knapp dahinter: Serbien, Großbritannien und Dänemark.

Insgesamt nehmen am heurigen Song Contest 42 Länder teil. 18 treten in der ersten Halbfinalshow auf, weitere 18 in der zweiten am 24. Mai. Fix für das Finale gesetzt sind die "Big Five", die fünf größten Beitragszahler der veranstaltenden European Broadcasting Union (EBU) – Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien – sowie der Vorjahressieger. Die Punkte werden zu 50 Prozent von einer Jury und zu 50 Prozent vom Publikum mittels Televote vergeben.

Für den ORF kommentiert offiziell Andi Knoll die Veranstaltung. Zusätzlich geben Stermann/ Grissemann auf FM4 ihr Comeback als Song-Contest-Kommentatoren. Bei "Willkommen Baku" am 25. Mai auf ORFeins (22.30 Uhr) zeigen die beiden Kabarettisten die Highlights der beiden

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