Kultur 05.12.2011

"Sommergespräche": Kritik an Thurnher

Die Bilanz für den ORF-Polittalk fällt schlecht aus. So schlecht, dass der ORF-Redakteursrat nun Ingrid Thurnher öffentlich verteidigt.

Die heurigen ORF-"Sommergespräche" sind vorbei. Die Bilanz: schwache Quoten, Kritik an Moderatorin Ingrid Thurnhers Gesprächsführung. Die sich vor allem an dem letzten Gespräch mit Bundeskanzler Werner Faymann entzündete: Thurnher habe zu wenig nachgefragt, sei schlecht vorbereitet gewesen.
Die Gratiszeitung Heute titelte: "Faymann blamiert ORF -Moderatorin". Und bezeichnete die Sendung als "journalistische Bankrotterklärung des ORF ". Was den ORF-Redakteursrat dazu veranlasste, für Thurnher in die Bresche zu springen und in einer Aussendung gegen "diese Form von persönlicher Diffamierung auf das Schärfste" zu protestieren. Thurnher selbst äußerte sich zu der Angelegenheit nicht.
Fernseh-Chefredakteur Fritz Dittlbacher, für die "Sommergespräche" verantwortlich, sieht für Kritik an Thurnhers Interviewführung keinen Grund. "Die Ingrid hat das gut gemacht", sagt er im Gespräch mit dem KURIER. Es sei durchaus vorstellbar, dass sie den renommierten Polittalk auch nächstes Jahr wieder moderiere. "Die Ingrid ist eine ganz wichtige Trademark für den ORF und macht das ausgezeichnet."

Armin Wolf übernimmt die Sendung: Nur ein Gerücht?

Thurnhers Gesprächsführung steht in der Kritik. Trotzdem könnte sie die "Sommergespräche" auch nächstes Jahr wieder übernehmen.
© Bild: APA/MILENKO BADZIC

Gerüchte, wonach Armin Wolf nächstes Jahr zum Zug kommen könnte, sind laut Dittlbacher genau das - nämlich Gerüchte. Es gebe noch keine Pläne für nächsten Sommer. "Und die wird es noch lange nicht geben. Den Kopf mach' ich mir im nächsten Frühjahr. Da gibt es dann auch eine Fernsehdirektorin oder einen Fernsehdirektor, der sich was überlegen wird. Da gibt's jetzt sicher keine Entscheidung."
Für die schwachen Einschaltquoten sieht Dittlbacher mehrere Gründe. Das gute Wetter, bei dem die Leute weniger fernsehen. Und eine allgemeine Politikverdrossenheit. Auch die Programmierung habe im Vorjahr mehr Zuseher garantiert. "Letztes Jahr haben wir die ,Sommergespräche' jeweils am Montag nach ,Liebesg'schichten und Heiratssachen' gezeigt, also nach einem Millionenprogramm. Diesmal wollten wir es mit zwei Terminen pro Woche kompakter machen."
Dass die " Sommergespräche" überhaupt weitergehen, hält Dittlbacher für "sinnvoll". Trotz aller Probleme. "Nur weil es heuer nicht so den Zuseherzuspruch gab, heißt es nicht, dass es nicht trotzdem eine gute Tradition ist."

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011