So hat man Beethoven noch nicht gehört

Martin Haselböck…
Foto: MEINRAD HOFER  

Kritik: Martin Haselböck, Herbert Föttinger und die Wiener Akademie mit "RE-SOUND Beethoven".

Eines kann man Martin Haselböck gewiss nicht absprechen: Dieser Künstler hat sehr viel Mut und er riskiert auch sehr viel. Denn es ist keineswegs selbstverständlich, ein Projekt wie "RE-SOUND Beethoven" so in die Tat umzusetzen, wie es der Dirigent und Originalklang-Verfechter eindrucksvoll macht.

Alle Symphonien Ludwig van Beethovens an den Originalschauplätzen ihrer Uraufführung (ergänzt um weitere Beethoven-Werke), interpretiert in historisch möglichst authentischer Aufführungspraxis – das ist Haselböcks Ziel in den kommenden zwei Jahren. Dafür hat sich der Dirigent und Gründer der Wiener Akademie ausgezeichnete Mitstreiter ausgesucht; das Ergebnis konnte sich zum Auftakt des Unternehmens "Beethoven" hören lassen.

Neuer Ansatz

Im Theater in der Josefstadt wurde die Ouvertüre "Die Weihe des Hauses" uraufgeführt, gleiches gilt auch für die achte Symphonie Beethovens. Werke, mit denen Haselböck in die Josefstadt zurückkehrte, die er mit der Wiener Akademie quasi neu zur Diskussion stellte. Und dabei die teils ziemlich gnadenlose Akustik des Hauses bewusst in Kauf nahm.

Denn in der Josefstadt – Orchester wie Dirigent waren auf der Bühne platziert – klingt Beethoven sehr trocken, fragil, fast zerbrechlich. Große Klangerlebnisse im Breitwand-Format sind de facto ausgeschlossen, umso spannender Haselböcks sehr reduzierte Umsetzung beider Werke. Jedes einzelne Instrument wird da zum Hauptdarsteller, eine Flucht in die Emphase ist unmöglich. Und die braucht es auch nicht, denn plötzlich klingt Beethoven so, wie er vielleicht vor 200 Jahren geklungen haben mag.

Dass die Josefstadt eher ein Haus für Sprechstimmen ist, bewies Direktor Herbert Föttinger bei der Musik zu Goethes Trauerspiel "Egmont" in der Grillparzer-Fassung. Gemeinsam mit der Sopranistin Bernarda Bobro gestaltete der Schauspieler einen intensiven "Egmont"; Martin Haselböck und die Wiener Akademie steuerten hier ein wahrhaftiges Klangerlebnis bei. Dazwischen gab es auch noch Beethovens Triumphmarsch zu Christoph Kuffners Trauerspiel "Tarpeja" – eher eine Bagatelle.

Am 7. Dezember geht Haselböcks Beethoven-Erkundungsreise im Palais Niederösterreich weiter – man darf sich wieder auf neue Klang-Abenteuer freuen. Allein dafür ein großes Kompliment.

KURIER-Wertung:

(kurier) Erstellt am
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