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Kultur
02/11/2019

Slash mit den Conspirators in Wien: Virtuos und einfühlsam

Der Gitarrist von Gun N' Roses zog mit der Zweitband im Gasometer alle Register seines Könnens.

von Brigitte Schokarth

Es war schon eine herbe Enttäuschung, was Guns N’ Roses ablieferten, als sie 2017 im Ernst-Happel-Stadion in Wien auftraten. Die ehemals so bitter zerstrittenen Front-Leute der legendären Hard-Rock-Band, Gitarrist Slash und Sänger Axl Rose, spielten für die Hälfte des damaligen Konzertes lustlos aneinander vorbei. Sie hatten behauptet, dass es ihnen bei der Reunion nicht um’s Geld ging. Die Freude am Miteinander war es aber - zumindest, wenn man nach diesem Wien-Auftritt geht - ganz bestimmt auch nicht.

Szenenwechsel: Wien, Gasometer, Sonntagabend. Diesmal steht Slash mit Sänger Myles Kennedy und der Band The Conspirators auf der Bühne. Mit ihnen zeigt der Ausnahme-Gitarrist alles, was man sich damals im Ernst-Happel-Stadion herbei gesehnt hat: Perfekte Interaktion mit den anderen Bandmitgliedern, beherztes, genussvolles Spiel und ambitionierte Soli auf höchstem Könner-Niveau. 

Von Anfang an setzen Slash und seine Truppe auf Tempo. Myles Kennedy, der auch mit Alter Bridge auftritt und mit dieser Band 2017 das Nova Rock aufgemischt hatte, beweist sich auch hier als einer der versiertesten und vielseitigsten Sänger dieses Genres. Er klingt in den tiefen Lagen genauso kräftig und strahlend wie in den hohen Tönen, wechselt etwa in dem Song „Serve You Right“ mühelos von einem zum anderen. 

Zwischendurch übernimmt auch Bassist Todd Kerns für zwei Songs das Mikro. Der Star der Show ist allerdings Slash selbst - auch wenn er kein Wort spricht. Er spielt nur Gitarre, aber so virtuos, dass einem der Mund offen stehen bleibt. Bei „Wicked Stone“ liefert er ein furioses Solo, das auch in beinahe zehn Minuten Länge nicht langweilig wird. Denn bei all den entfesselt schnell gespielten Tönen vergisst Slash nie aufs Feeling, setzt die rasenden Skalen genau so ein, dass sie die Stimmung des Songs vorantreiben. Das gilt natürlich auch für die wenigen ruhigen Momente wie „The Great Pretender“: Hier treibt er seinem Publikum mit ganz wenigen, zu tiefst berührenden Tönen die Gänsehaut über den Rücken.

Das Programm konzentriert sich auf die Songs des jüngsten Conspirators-Album „Living The Dream“ und die beiden anderen Platten, die Slash mit dieser Band aufgenommen hat. Darunter sind Metal-Perlen wie „The Call Of The Wild“ oder „Sugar Cane“. Sie hätten Hits wie die von Guns N’ Roses werden können, wären sie in einer Ära erschienen, in der diese Musik noch im Radio stattfand.

Sind sie aber nicht. Und weil Slash kaum Songs von den Guns in das Set eingebaut hat, fehlen trotz all der spielerischen Qualität für eine überschäumende Stimmung und unwiderstehliche Höhepunkt am Ende doch ein wenig die zwingenden Hymnen. Ein paar mehr jener Songs, die Slash mit Axl Rose aufgenommen und mit seinem einfühlsamen Spiel zu Klassikern der Musikgeschichte gemacht hat, hätten diesem Konzert jedenfalls nicht geschadet.

 

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