Kultur
19.11.2018

Serienstart von "Das Boot"

Wolfgang Petersens Kino-Klassiker wird als Serie neu erzählt. Regie führte der Österreicher Andreas Prochaska.

40 junge Männer steigen im Herbst des Jahres 1942 in ein U-Boot mit der Nummer 612 und verlassen den Hafen von La Rochelle. An Land fließen Tränen, werden Taschentücher geschwungen, denn die Rückkehr der deutschen Soldaten ist ungewiss. Besser gesagt: unwahrscheinlich.

Ob es dennoch gelingt, erfährt man ab Freitag (23. November) – dann erfolgt der Startschuss zu „Das Boot – Die Serie“. Umgesetzt wurde die Sky-Eigenproduktion vom österreichischen Regisseur Andreas Prochaska, dem ein beklemmendes und spannendes Antikriegsdrama in acht Teilen gelungen ist. Prochaska, der eigentliche, aber unsichtbare Steuermann an Bord der U-612, schafft es, die beengte Atmosphäre an Bord eines U-Boots zu vermitteln. Im KURIER-Interview spricht er über die Dreharbeiten, den Originalfilm und starke Frauenfiguren.

KURIER: Bei Serien in dieser Größe sind meistens mehrere Regisseure mit an Bord. Bei „Das Boot“ führen Sie alleine Regie. War Ihnen das wichtig? Andreas Prochaska: Das Projekt war von Anfang an so konzipiert, dass die acht Folgen von einem einzigen Regisseur umgesetzt werden. Das war auch die Anforderung seitens der Produktionsfirma. Mir war es am Anfang wichtig, dass ich die ganze Geschichte alleine umsetzen kann. Es war für mich und alle Beteiligten der Wunsch, eine einzige künstlerische Version dieser Geschichte zu entwickeln. Und es war eine enorme Herausforderung, der ich mich aber gerne gestellt habe.

Sie werden bei einer möglichen zweiten Staffel der Serie nicht mehr zur Verfügung stehen?
Mit dem Zweiten Weltkrieg habe ich erstmal abgeschlossen: Ein Einsatz im U-Boot reicht.

Dabei haben Sie in einem Interview gesagt, dass Sie sich damit einen Bubentraum erfüllen.
Bubentraum ist ein blödes Wort. Ich wollte immer schon einen Film machen, der in der Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelt ist. Wie dann das Angebot für „Das Boot“ da war und ich das Drehbuch dazu kannte, gab es für mich auch keine Zweifel mehr. Ich wollte das unbedingt machen.

Für acht Folgen standen 26 Millionen Euro zur Verfügung. Das ist sehr viel Geld für eine deutsche Serienproduktion.
Die 26 Millionen Budget für diese Produktion klingen auf den ersten Blick nach sehr viel Geld. Aber wenn man das herunterbricht und sich ansieht, was damit alles finanziert werden musste, relativiert sich das recht schnell. Es ist eine historische Geschichte, die eine gute und detailgetreue Ausstattung erfordert. Es gibt viele Schauplätze; Drehorte in Frankreich, Tschechien, Deutschland und Malta. Dann waren da noch die hohen technischen Herausforderungen und der enorm große Cast.

Klingt nach einer echten Herausforderung . . .
Ja, das war es auch. Meine bisherigen Produktionen wie „Maximilian“ waren zwar auch sehr aufwendig, aber erzählerisch war „Das Boot“ doch noch mal um zwei, drei Nummern größer. Von November 2016 bis November 2018 war ich fast durchgehend mit der Serie beschäftigt. Deshalb hoffe ich auch, dass das Endergebnis gut aufgenommen wird, da ich doch einiges an Lebenszeit in die Produktion investiert habe.

Mit so viel Budget sind wohl Erwartungshaltungen verbunden. Wie groß war der Druck?
Die Angst vorm Scheitern hat man immer. In diesem Fall war die Fallhöhe auch enorm. Das Abenteuer war ein sehr großes. Denn es kommt bei der Serie noch der Respekt vor dem Originalfilm, an dem man sicherlich gemessen wird, dazu. Kann man diesem Meisterwerk, das gerade für Deutschland eine ganz besondere Bedeutung hat, überhaupt gerecht werden? Diese Frage stellt sich, klar, aber man muss an einen Punkt kommen, wo man diesen ganzen Druck zur Seite schiebt, weil sonst lähmt einen das nur.

Wie haben Sie sich auf die Produktion vorbereitet?
Ich habe mir natürlich den Originalfilm einige Male angesehen. Und ich habe auch das Buch dazu gelesen. Ich habe mich darüber hinaus mit viel U-Boot-Krieg-Literatur eingedeckt und alle U-Boot-Filme, die ich bekommen konnte, angesehen.

Welche Gemeinsamkeiten gibt es zum Originalfilm von 1981?
Es ist kein Remake. Die einzigen Gemeinsamkeiten, die die Serie mit dem Originalfilm hat, sind folgende: Beides spielt im Jahr 1942 und ein wesentlicher Teil der Erzählung findet auf einem U-Boot statt.

Auf welche Bereiche haben Sie beim Dreh viel Wert gelegt?
Ich habe versucht, emotional sehr genau zu arbeiten, einen epischen Blick auf das Ganze zu haben. Es geht mir um eine gute schauspielerische Leistung, gepaart mit einem hohen visuellen Anspruch. Die Idee war, die Kamera Teil der Erzählung sein zu lassen. Sie ist quasi Crewmitglied auf dem U-Boot. Am Boot wurde alles mit einer Handkamera gemacht, wir wollten ein Gefühl des Dabeiseins erzeugen.

Ähnelt das U-Boot in der Serie einem Original-U-Boot?
Wir haben uns bewusst dafür entschieden, das Boot eins zu eins nachzubauen und es nicht größer zu machen. Das zwingt dir die Ästhetik auf. Das Innenleben des Boots wurde im Studio nachgebaut und war beweglich, um bei Überwasserfahrt den Seegang zu simulieren. Einzelne Segmente konnte man für die Wasserbombenattacken schütteln.

Wie schwer ist es, auf so engem Raum zu arbeiten?
Auf so engem Raum mit so vielen Schauspielern zu drehen, war psychologisch eine große Herausforderung. Da entsteht auch eine eigene Dynamik zwischen den Schauspielern, die du als Regisseur ausbalancieren musst. Es gilt aber auch, das große Ganze im Auge zu haben und trotzdem  jedem Gehör und die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. So etwas klappt immer mal besser, mal schlechter.

Anders als im Original spielt sich in der Serie einiges an Land ab. Wie wichtig war für Sie dieser zweite Handlungsstrang?
Sehr wichtig. Denn dadurch hat sich auch die Möglichkeit ergeben, starke Frauenfiguren zu erzählen, die nicht nur winkend am Kai stehen, während die Männer in den Krieg ziehen. Durch die von Vicky Krieps gespielte Figur der Simone Strasser erlebt der Zuschauer auch den Alltag im besetzten Frankreich im Spannungsfeld ihrer anfangs naiven Sichtweise auf das Naziregime, die im Lauf der Geschichte in ein komplett anderes Licht gerückt wird. Ich finde auch, dass die Klaustrophobie im Boot verstärkt wird durch den Handlungsstrang an Land. Die Weite des Ozeans war für mich ein wichtiges visuelles Element, das Meer verbindet die beiden Handlungsstränge und ist ein starker Kontrast zur Enge des U-Boots.

INFO "Das Boot – Die Serie":  Ab 23.11. immer freitags in Doppelfolgen um 20.15 auf Sky 1. Alle acht Teile der  Serie stehen ab 23.11.  auf Sky Ticket, Sky Go zum Abruf bereit. Die ARD zeigt am Freitag,  23.11.,  ab 22 Uhr den Filmklassiker „Das Boot“ (1981) im Director’s Cut.  Am Montag (26.11.) ist auf Spiegel Geschichte (u. a. via Sky empfangbar) noch  die dreiteilige Doku „Entscheidung im Atlantik – Der U-Boot Krieg 1939–1945“ zu sehen.

Die Handlung: Inspiriert von Wolfgang Petersens Kinoklassiker aus dem Jahr 1981 erzählt die Sky-Serie „Das Boot“ das Schicksal junger Männer, die 1942  aus dem französischen Hafen von La Rochelle auslaufen, um in den grausamen U-Boot-Krieg zu ziehen. Der erste Teil der achtteiligen Serie beginnt auf dem Höhepunkt der Atlantikschlacht: Während die  junge Besatzung auf erste Feindfahrt geht, wird an Land die Widerstandsbewegung immer stärker.  

Die Entstehung: Über 70 Schauspieler, 105 Drehtage, vier Drehorte (München, La Rochelle, Prag und Malta) und ein Budget von 26,5 Millionen Euro: Die Serie „Das Boot“ ist eine der aktuell aufwendigsten deutschsprachigen Serien bisher. Für Sky  ist es  nach „Babylon Berlin“ die zweite deutsche Eigenproduktion – und  schon jetzt ein voller Erfolg: Denn der  Abo-Sender hat seine neue Serie bereits in mehr als 100 Länder  verkauft.