Gomorrha - Die Serie - S5

Verbindet eine Art Hassliebe: Gennaro  Savastano (Salvatore Esposito) und  Ciro Di Marzio (Marco D’Amore, li.)

© sky/betafilm / sky/betafilm

Kultur
12/31/2021

Serienfinale bei "Gomorrha": Der Letzte macht das Licht aus

Die fesselnde Serie über den Machtkampf in Neapels Unterwelt geht ins Finale (Sky).

von Marco Weise

Die auf dem Aufdeckerbuch des Italieners Roberto Saviano basierende Serie „Gomorrha“ hat sich über die ersten vier Staffeln hinweg zu einer der erfolgreichsten italienischen Produktionen entwickelt: Sie war in über 190 Ländern zu sehen und wurde von der New York Times  kürzlich auf Platz fünf der 30 besten internationalen Serien des letzten Jahrzehnts eingestuft. Dieses Erfolgskapitel geht jetzt auf Sky ins Finale.

Der KURIER hat mit den beiden Hauptdarstellern Salvatore Esposito und Marco D’Amore gesprochen. 

Gedreht wurden die zehn neuen und auch letzten Folgen wieder überwiegend in Neapel. Neben zahlreichen neuen Charakteren sind auch wieder zwei Altbekannte dabei: Gennaro „Genna“ Savastano (Salvatore Esposito) und Ciro Di Marzio (Marco D’Amore). 

Die beiden Schauspieler, die im echten Leben sehr gute Freunde sind, haben beide einen Bezug zur Millionenstadt am Fuße des Vesuv. „Ich bin in der Nähe von Neapel aufgewachsen, dachte, dass ich die Stadt, das Leben in meiner Heimat ganz gut kenne, aber das Buch von Roberto Saviano hat mir, wie auch vielen anderen in Italien, die Augen geöffnet“, sagt Salvatore Esposito (35) im Gespräch mit dem KURIER.
Sein Gegenüber, Marco D’Amore, ist sogar in die gleiche Schule gegangen  wie der Schriftsteller Roberto Saviano. „Das war in Caserta“, erinnert sich der 40-Jährige, „einer kleinen Stadt nördlich von Neapel, in der ich  aufgewachsen bin. Roberto war zwei Jahre älter als ich. Als er dann 2006 sein Buch  veröffentlichte, war ich überrascht – und  begeistert. Sein Buch hat viele Menschen wachgerüttelt und gezeigt, was um uns herum und in der ganzen Welt passiert. Es wäre wünschenswert, wenn Roberto  in Ruhe und in Frieden, ohne Angst leben könnte“, sagt D’Amore, der  in Staffel 5  seine Auferstehung feiert. Diese kommt, zugegeben, etwas überraschend, denn  in Staffel 3   – Achtung, Spoiler! – geht er  (getroffen von einer Kugel)   im Meer unter.  „Es war  lange nicht klar, ob er zurückkommt. Es gab zahlreiche Diskussionen innerhalb des Teams. Aber wir wollten seine Geschichte einfach weitererzählen“, sagt D’Amore, der auch bei fünf Folgen der letzten Staffel Regie führte.

 

Gomorrha - Die Serie

(Keine) Zukunft

Vor dem Showdown in Kampanien sollte man sich aber noch den ebenfalls auf Sky abrufbaren Film „L’Immortale – Der Unsterbliche“ ansehen. Dieser bildet nämlich eine erzählerische Brücke zum Serienfinale.  Darin sieht man, wie aus Ciro „der Unsterbliche“ wurde – ein  Killer mit  Herz, Gerechtigkeitssinn und  einer traurigen Geschichte.

Die Serie „Gomorrha“ vermengt viele unterschiedliche Lebensgeschichten zu einer großen, erzählt von unterschiedlichen Protagonisten und Rollen innerhalb der Mafia; von Jugendlichen, die in kaputten Familien aufwachsen sind und eines gemeinsam haben: keine rosige Zukunft. Man sieht seit Folge eins   Teenager kommen und gehen, aufsteigen und fallen –  stets nach dem selben Prinzip: Zuerst agieren sie als Wachen, dann als Drogenverkäufer und  wenn sie sich etabliert haben, müssen sie töten, um nicht getötet zu werden. Dazu ziehen sie mit erhöhtem Testosteronspiegel auf ihren Motorrädern durchs Viertel und verteilen Kopfschüsse. Das alles passiert mit dem Segen des Herrn: Drogen werden in Marienstatuen verschifft, und bevor getötet wird, wird noch schnell das Kreuz am Halsketterl geküsst. Amen! Als Belohnung gibt es Anerkennung, Kokain, Frauen und Geld. Das geht aber nur so lange gut, so lange man den Schutz des (oft launigen) Paten genießt.

Gomorrha - Die Serie

Seuche

Für die beiden Hauptdarsteller, Salvatore Esposito und Marco D’Amore, habe sich seit der Ausstrahlung der  ersten Staffel  vieles verändert. „Es war danach eigentlich nichts mehr wie davor. Denn ich konnte plötzlich nicht mehr einfach so durch meine Stadt, durch Neapel spazieren,  eine Pizza essen gehen.  Die Leute wollen  nun ständig Fotos machen – und einen angreifen“, sagt Esposito.
Marco D’Amore ist im Rahmen der Arbeiten zur Serie auch  eines klar geworden: „Jugendliche in diesen von der Mafia durchseuchten Gebieten haben keine Wahl, sind  gefangen. Sie werden in eine Welt, in ein Umfeld reingeboren, aus dem sie nur sehr schwer fliehen können.“ 

Alle fünft Staffeln von "Gomorrha" stehen auf Sky zum Abruf bereit.

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