Kultur
29.04.2017

Seiler und Speer trotzten Kälte und Nervosität

Das Duo unterhielt im Wiener Prater mit einem abwechslungsreichen Programm.

Seid’s guat drauf?“ Fast 7000 Zuschauer auf der Kaiserwiese im Wiener Prater plärren ein erlöstes „Ja“. Viele sind seit dem Nachmittag bei dem ersten Open-Air der Saison - und froh, dass jetzt endlich beginnt, wofür sie schon Stunden den winterlichen Temperaturen trotzen. „Passt. Dann samma’s a!“, sagt Seiler bevor er loslegt.

Doch das stimmt anfangs nur für die Stimmung auf der Bühne. Seiler gesteht bald, dass er vor dem heutigen Auftritt nervös war. Denn vor wenigen Wochen haben die beiden ihr zweites Album „und weida?“ veröffentlicht, bei den neuen Songs, sagt er, sei er noch nicht so textsicher. Es stellt sich aber schnell heraus, dass er die neuen Texte besser drauf hat, als die Band, die „MeliBar Combo“, die neuen Songs. Bei „Cabrio“ und „Madl moch die Augen auf“ stolpern die Musiker durch einige Unsicherheiten. Ganz im Gegensatz zu Hits wie „I wü ned“ und „Servas baba“ aus dem Debüt, bei denen die Combo und ihre Chefs mittlerweile perfekt eingespielt sind. Vielleicht ist es aber auch nur die anfängliche Nervosität, weil man heute das erste Mal nach einer langen Tourpause wieder einmal gemeinsam auf der Bühne steht. Denn mit Fortdauer des Konzertes klappen auch die neuen Songs gut.

Wie immer führt Seiler durch die Show, erzählt viel zwischen den Songs, manchmal vielleicht eine Spur zu viel. Wegen der Kälte sind Rhythmen zum Springen und Hüpfen heute einfach besser, als die durchwegs witzigen und spontan-ehrlichen Kommentare, die immer wieder die Spannung unterbrechen, die Seiler und Speer mit ihren Songs aufbauen können.

Nachdenklich

Das Programm ist eine gute Mischung aus alten und neuen Songs, wobei die von „und weida?“ genau das erfüllen, was sich Seiler von ihnen erhofft: Sie zeigen, dass die beiden, die mit dem Vertonen kabarettistischer Videos begannen, mit der MeliBar Combo und den ausgedehnten Tourneen im vorigen Jahr zu einem ernstzunehmenden Musik-Projekt gereift sind. Songs wie „I kenn di von wo“ über einen Alkoholiker, der sich selbst nicht mehr erkennt, oder „Mon Amour“ über Drogenabhängigkeit liefern nachdenkliche und berührende Gegenstücke zum ironischen Klamauk des Überhits „Ham kummst“.

Mit jedem Song wird die MeliBar Combo besser, spielt Soli, wechselt zwischen Rock, Reggae und einmal sogar funkigen Rhythmen. Bei „A letztes Schluckerl“ hat der sonst zurückhaltend agierende Bernhard Speer ein Solo, während Seiler sich „eine Rauchpause“ gönnt, bevor es mit „Sperrstund is“ ins Finale geht.

Und natürlich gibt es in der Zugabe auch noch ein triumphales „Ham kummst“. Auch wenn Seiler und Speer mit dem zweiten Album zeigen wollen, dass sie mehr als das können, dass sie sich - wie sie erzählen - im Vorfeld ernsthaft gefragt haben, ob die Kaiserwiese-Besucher diesen Song jetzt noch hören wollen, glaubt ihnen keiner.

KURIER-Wertung: