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Interview
08/15/2021

Sebastian Bezzel: "Komödie ist eine todernste Geschichte"

Der deutsche Schauspieler spricht über den neuen Film „Kaiserschmarrndrama“, den Erfolg der Eberhofer-Krimis und bewirbt sich im KURIER-Interview für eine Rolle in einem österreichischen Film

von Gabriele Flossmann

Dorfpolizist Franz Eberhofer hat mittlerweile eine eingeschworene Fangemeinde. Die Krimis von Rita Falk über Mord und Totschlag in der niederbayerischen Provinz sind auch im Kino zu Bestsellern geworden. Im neuen „Kaiserschmarrndrama“ wird eine Joggerin ermordet. Eberhofer will aufklären, hat dabei aber mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Eine energische Ermittlerin aus der Stadt mischt sich ein. Sein bester Freund, der von Simon Schwarz gespielte Rudi, sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl. Und seine Freundin Susi will endlich, dass er den Bau ihres gemeinsamen Hauses vorantreibt. Alles Dinge, die Franz überfordern.

Ab September ist Sebastian Bezzel in einer weiteren Kinokomödie zu sehen: In „Beckenrand Sheriff“, an der Seite von Gisela Schneeberger. In den neuen Filmen brilliert Bezzel zweimal mehr als Vertreter bayerischer Anarchie. Dramatisch wird es dort wie da, wenn es in den kleinen Dorfgemeinden um Gentrifizierung, Immobilienhaie und politische Machenschaften geht. Im KURIER-Interview outet sich Sebastian Bezzel als Fan von österreichischen Filmkomödien.

KURIER: „Kaiserschmarrndrama“ spielt in einem dörflichen Ambiente in Bayern und kommt total entschleunigt – um nicht zu sagen: langsam – daher. Also das totale Gegenkonzept von internationalen Blockbustern. Ist gerade das vielleicht das Erfolgskonzept der Eberhofer-Krimis?

Sebastian Bezzel: Es geht um Provinz und die hat einen anderen Rhythmus. Es geht also nicht um Bayern, sondern um das Leben in einem Kaff. Das Leben dort ist noch nicht so gleichgeschaltet. Die europäischen Innenstädte sehen alle gleich aus. Die gleichen Läden, es gibt die gleichen Getränke, die gleichen Ketten und man rennt jedem Trend hinterher und ist sehr connected mit der Welt. Und das sind die Leute auf dem Land noch nicht und deswegen haben sie auch ein anderes Tempo – so wie auch unser Film.

Mit der Globalisierung geht ja auch ein Trend einher, den Heimat-Begriff immer mehr einzuengen. Immer mehr Menschen sehen sich nicht als Europäer, sondern fühlen sich immer kleiner werdenden Gruppen zugehörig. In den Eberhofer-Krimis zeigt sich, dass gerade in kleinen Gemeinden die Rücksichtnahme auf die anderen großgeschrieben werden muss. Wollen Sie mit Ihren Filmen auch das zeigen?

Es sind ja immer wieder bei den Eberhofer-Filmen ganz ernste Themen drin. Es sind Komödien über Freundschaft und über den Mikrokosmos eines Kaffs. Für mich sind das die neuen Heimatfilme. Aber was gehört zur Heimat heutzutage? Dazu gehört ein hässliches Neubaugebiet, weil Geld rein muss. Dann gehört irgendein Gewerbegebiet dazu. Und dann gehören Flüchtlinge dazu, die dann an den Rand geschoben oder überhaupt abgeschoben werden. Dazu gibt es Rassisten – und denen muss man sich auch stellen. Und dann gibt es noch die Gentrifizierung – Leute, die meinen, auf dem Land kann man ganz billig leben und da bau ich mir jetzt was hin. Das sind alles Themen, die heute beim Heimatbegriff dabei sind. Und die versuchen wir auch zu erzählen. Auf komödiantische Art.

Sie sind ein Komiker, der mit ernsten Mitteln arbeitet und nie vordergründig komisch sein will. In der Art von Karl Valentin. War er ein Vorbild?

Komödie ist eine todernste Geschichte. Als Schauspielstudent habe ich eine Biografie von Billy Wilder gelesen, in der es auch um „Manche mögen’s heiß“ ging. Wilder erzählt darin, dass er im Nachkriegs-Deutschland auf einer Bühne „Charlys Tante“ gesehen hat. Er fand den Typen in Frauenklamotten zunächst total witzig, dann aber auch albern, weil es keinen wirklichen Grund dafür gab. Das hat ihn zum Nachdenken angeregt, wie er Männer in Frauenklamotten begründen könnte. Und daraus entstand dann die Idee von den Musikern, die sich als Frauen verkleiden, weil die Mafia sie umbringen will. Dieser todernste Grund dafür, der die beiden auf Stöckelschuhen über ein heißes Pflaster jagt, macht das Ganze ja erst so umwerfend komisch. Eine meiner Lieblingskomödien ist „Der Partyschreck“ und die ist deshalb so lustig, weil der Typ, den Peter Sellers spielt, eine ganz arme Sau ist. Er ist der einzige anständige Charakter in diesem Film und das will er verteidigen. Und gerade deshalb ist er brüllend komisch.

Hätten Sie Lust, auch einmal in einer britischen oder amerikanischen Filmkomödie zu spielen?

Was heißt hätte – ich habe Lust, aber es hat sich bisher nicht ergeben. Vielleicht kommt das ja einmal. Mein Ziel ist aber nicht die große Hollywoodkarriere. Das war’s auch nie. Falls sie mir doch passieren sollte, dann nehme ich das alles zurück (lacht). Aber ich glaube nicht, dass ich da in Superheldenfilmen mitspielen möchte. Vielleicht einmal – und einmal diese Gage kassieren, das wäre nicht schlecht. Aber einer dieser englischen, irischen oder auch skandinavischen Filme würde mich schon reizen. Da gibt’s tolle Sachen. Sie werden mich jetzt auslachen – ich sag’s aber trotzdem: Ich würde gerne einmal bei einem rein österreichischen Film mitspielen. Weil da auch noch ein ganz anderer Ton drin ist. Eigentlich ist es ja eine öffentliche Bewerbung, die ich da mache ...

Die werde ich gerne weiterleiten …

So etwas wie „Braunschlag“, oder „Indien“ – einer meiner Lieblingsfilme, der ist auch schon dreißig Jahre her … Bei so etwas wäre ich auch gerne einmal dabei.

Wenn es um Komiker geht, dann gibt es ja oft das Missverständnis, dass diese entweder dick oder doof zu sein hätten. Alle anderen sollten beim ernsten und/oder Liebhaberfach bleiben. Wie sind Sie zur Komödie gekommen?

Ich finde es dann immer spannend, wenn sich Komik und Tragik überschneiden. Wenn man das Traurige in der Komödie findet, oder das Lustige in der Tragödie.

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