Sciarrinos "Macbeth": Weniger ist mehr

Der Komponist Salvatore Sciarrino (Mitte) bespricht mit Musikern des Klangforum Wien die Partitur seines Musikdramas "Macbeth"
Foto: Salzburger Festspiele / Silvia Lelli

"Macbeth" ist nicht nur ein Werk von Shakespeare oder Verdi, sondern auch eines von Sciarrino. In Salzburg gab's dafür viel Applaus.

Es zeigt, wie klug die Salzburger Festspiele heuer von Intendant Markus Hinterhäuser programmiert wurden.

Am Tag nach Verdis "Macbeth", als noch intensiv darüber diskutiert wurde, ob die Regie von Peter Stein nun ideal oder doch zu starr sei, ob Riccardo Muti die nötige "Italianità" getroffen habe und ob Anna Netrebko dereinst eine bessere Lady Macbeth sein werde als ihre St. Petersburger Kollegin Tatiana Serjan, gab es in der Kollegienkirche das zeitgenössische Kontrastprogramm zu hören: "Macbeth" von Salvatore Sciarrino, 2002 in der Regie von Achim Freyer in Schwetzingen uraufgeführt.

In Salzburg war dieses Werk leider nicht szenisch zu erleben, dafür die Konzentration der Besucher auf die Musik der knapp zweistündigen Oper umso größer.
"Macbeth" von Sciarrino ist gegenüber Verdi textlich noch stärker verdichtet (das Libretto stammt von Sciarrino selbst). Es beginnt gleich mit einer Szene von König Duncan, der bei Verdi eine stumme Rolle ist.

Weniger ist mehr

Auch musikalisch setzt Sciarrino auf größtmögliche Reduktion und Zartheit. Die Instrumente werden zum Teil solistisch eingesetzt und treten in Dialog miteinander. Es flirrt, jammert, weint im Orchester. Und auch die Gesangsstimmen haben fast mehr lautmalerische Funktion als erzählende. Das ergibt ein intensives Klanggebilde, bei dem es um Macht und Mord im Allgemeinen und nicht um Historisches oder Persönliches geht. Die komplexe Partitur wird vom Klangforum Wien unter dem präzisen Dirigat von Evan Christ phänomenal umgesetzt - so gut, dass Sciarrino am Ende die Künstler glücklich umarmte. Bei den Sängern ragen Otto Katzameier als eindrucksvoller Macbeth und Anna
Radziejewska (Lady) heraus.

"Macbeth" war Teil 2 der Reihe "Der fünfte Kontinent", der den Abschluss der auf fünf Jahre ausgerichteten Schiene für Neue Musik bildet. Damit hat Hinterhäuser in Salzburg wieder innovative Maßstäbe gesetzt, wie es ihm schon beim "Zeitfluss"-Festival gelungen war. Neue, schwierige Musik so ins große Festival zu integrieren, ist wohl der einzige und beste Weg, sie aus der kleinen Nische zu befreien und einem größeren Publikum bekannt zu machen.

KURIER-Wertung: **** von *****

Tanz: Sasha Waltz besucht den "Fünften Kontinent"

Der nächste der insgesamt acht Abende am "Fünften Koninent" ist Sasha Waltz gewidmet: Am Sonntag (20 Uhr), zeigt die renommierte deutsche Choreografin die Produktion "Continu" (mit Musik von Edgard Varèse, Claude Vivier und Iannis Xenakis) in der Felsenreitschule. Das kürzlich in Barcelona aufgeführte Werk werde eine eigene "Salzburger Fassung" bekommen, kündigt Waltz an.

Bei der Mozartwoche 2012 ist Waltz dann erneut in Salzburg zu erleben. Das Projekt "gefaltet" werde eine Art choreografiertes Konzert mit Kammermusik von Mozart. Details für die Uraufführung werden sich erst ergeben: "Ich will nicht Sklave der Musik sein", sagt sie, die Musiker werden keine fertigen Noten vorgelegt bekommen.
Waltz könnte sogar selbst mittanzen. Zuletzt stand sie 1995 in einem eigenen Stück auf der Bühne.

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