Kultur
23.08.2017

Schwierige Beziehung: ORFeins und die jungen Seher

ORFeins ist bei den 12- bis 49-Jährigen noch immer die erste Wahl. Für diese Zielgruppe muss der ORF mehr tun.

Wahljahre führen im ORF zu Besonderheiten. Generaldirektor Alexander Wrabetz ruft erstmals im Sommer Mitglieder der Geschäftsführung und weitere Führungskräfte zur Klausur. Was, wie manche meinen, auch schon in früheren Jahren kein Fehler gewesen wäre. Angesichts der engen wirtschaftlichen Situation und der weiter steigenden Konkurrenz durch nun auch Pay-TV und Streaming-Angebote gibt es bei den Gesprächen bis Donnerstag auf dem Kahlenberg Themen von erheblicher Relevanz für den Öffentlich-Rechtlichen.

Ganz oben auf der Liste steht die Zukunft von ORFeins. Den Sender nutzen Stiftungsräte gern als Munition gegen ORF-Programmmacher, wie zuletzt SPÖ-Vertreter Heinz Lederer. "Sehr besorgt" zeigen sich ORF-Aufsichtsräte über die Quoten des Senders und auch, weil dort ja nur Sport und US-Fiktion laufe. Wie positiv sei da ORF2, wo besonders das Regionale toll funktioniere und deshalb keinesfalls gespart werden dürfe.

Man kann mit Blick auf die Zahlen auch ganz anders argumentieren. Der ORF hat noch, was ARD und ZDF nicht mehr haben: junge Zuseher. Nicht nur das – ORFeins liegt bei den für die Werbeeinnahmen des ORF und dessen künftiger Relevanz so wichtigen 12- bis 49-jährigen mit Abstand vor den deklariert auf Junge abzielenden Privatsendern.

Und das, obwohl oft Inhalte, die nach der Zielgruppen-Logik in ORF2 zu spielen wäre, in ORFeins zu sehen sind. Darunter erfolgreiche Formate wie die "SOKO"-Serien, einzelne "Landkrimis" und auch "Dancing Stars".

Geldmangel

Das zeigt ein wirkliches Problem von ORFeins: Es gibt aus Geldmangel kaum Programminnovationen just für jene Zielgruppe, die nach der Logik der Werbung dem ORF Geld bringt. Und die, die es gibt – wie 2013 die "Wahlfahrt" –, zielen dann auf den Info-Bereich, der per se Ältere anspricht. Da auch beliebte Sportrechte (Champions League) bröseln und US-Serien derzeit nicht so wie früher ziehen, drohen tatsächlich gravierende Marktanteilsverluste bei der kleinen, heiklen Zielgruppe.

Was möglich wäre, zeigt in diesem Sommer beispielsweise RTL mit "Ninja Warrior Germany". Trotz des martialischen Namens ist das eine spannende, kurzweilige Sport-Show, amüsant moderiert von Frank Buschmann, Jan Köppen und Laura Wontorra. Sie erreichte am Wochenende in Österreich einen Marktanteil von 14,1 Prozent bei den 12- bis 49-Jährigen. In der Gruppe bis 29 Jahre waren es gar 20 Prozent.

Was den ORF noch mehr alarmieren muss – nach KURIER-Informationen will man bei Puls4 und Co. im Herbst mit dieser Show beim heimischen Publikum punkten. Und man kann damit rechnen, dass das nicht alles an Bemühungen dort bleiben wird.

Aufmischen

Denn seit der Übernahme der ATV-Sender durch die ProSieben-Gruppe werden die Karten auf dem österreichischen Fernseh-Markt neu gemischt. Durch eine aufeinander abgestimmte Programmierung können Puls4 und ATV stärker werden. Dazu kommen Programm-Angebote, die genau auf die werberelevante Zielgruppe zielen: Soeben hat man für Puls4 die Rechte an der zuletzt immer mit österreichischen Klubs besetzten Europa League verlängern können. Überdies hat man Puls4 mit Sendungen wie "Bist Du deppert?!" oder "Vurschrift is Vurschrift" zum österreichischen Comedy-Sender gemacht. Und ATV wird ebenfalls im Herbst der Sender sein, der "Austria’s next Topmodel" präsentiert.

Als ORF-Verantwortlicher hat man also tatsächlich wichtige Themen, die dieser Tage intensiv zu besprechen sind. Und damit ist nicht das Überleben nach den Nationalratswahlen gemeint.