"In Deutschland musst du so sein wie Berti Vogts, dann kommst du gut durch", sagt Erwin Kostedde, der erste Deutsche mit dunkler Haut in der Fußball-Nationalmannschaft. Kostedde im Jahr 1975 beim Länderspiel gegen Griechenland zwischen Berti Vogts (re.) und Erich Beer (li.)

© imago/Sven Simon/ imago/Sven Simon

Kultur
04/15/2021

"Schwarze Adler": Kein Fußball den Faschisten

Die Dokumentation zeigt, welchen Rassismus deutsche Nationalspieler erfahren (haben). Abrufbar auf Amazon Prime.

von Marco Weise

„Der Film beinhaltet womöglich traumatisierende Inhalte. Es geht um rassistische Beleidigungen, Übergriffe und rassistisch motivierte Gewalt. Bitte stellen Sie sicher, dass Sie und Ihr Umfeld sich darauf einstellen, wenn Sie sich den Film ansehen“.

Mit diesem Warnhinweis beginnt die Doku „Schwarze Adler“, die auf Amazon Prime Video bereits abrufbar ist (gezeigt wird sie auch am 18. 6. im ZDF). Sie erzählt die Geschichte von schwarzen deutschen Fußball-Nationalspielern wie Jimmy Hartwig oder Gerald Asamoah. Diese ehemaligen Fußballer erzählen nicht nur davon, was es bedeutet, im Stadion rassistisch angefeindet zu werden, sondern berichten auch, wie Medien, die Gesellschaft mit dem Thema Rassismus lange Zeit umgegangen sind.

Um das ganze Ausmaß erfassen zu können, macht Regisseur Torsten Körner am Beginn einen Blick zurück: Er zeigt Bilder des Nationalsozialismus und von Nachkriegsdeutschland. Ein Kind dieser Zeit ist Erwin Kostedde, Sohn eines GI und einer deutschen Mutter, der erste Schwarze in der deutschen Nationalmannschaft. Er beschreibt, wie er deutschen Soldaten begegnet ist, die aus der Kriegsgefangenschaft kamen. Einer von ihnen strich ihm über seine Locken und fragte ihn, was er als „Ami“ denn hier wolle. Es ist der Moment, in dem er erkennt, dass er anders ist, und ab dem er sich fragt, wohin er wohl gehört. „Wie das ist, mit so einer Hautfarbe durch Deutschland zu laufen, das können Sie sich gar nicht vorstellen“, sagt Kostedde. Stundenlang stand er als Kind mit Kernseife am Waschbecken, stundenlang wusch er sich, um weißer zu werden.

Der Hass ist aber keineswegs verschwunden: Es gibt immer noch rassistische und homophobe Anfeindungen gegenüber Spielern. Derzeit zwar „nur“ via Facebook und Co., aber irgendwann auch wieder in den Stadien. Das gilt es zu bekämpfen: Kein Fußball den Faschisten!

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