Schriftsteller Frederic Morton gestorben

…
Foto: KURIER/Stephan Boroviczeny Literat Frederic Morton, 1924 als Fritz Mandelbaum in Wien geboren und ’39 vor den Nazis geflüchtet, starb 90-jährig in seiner Geburtsstadt

Der Schriftsteller mit den Wiener Wurzeln starb im Alter von 90 Jahren in seiner Geburtsstadt.

Er verstarb in der Stadt, in der er geboren worden war, einer Stadt, aus der er mit fünfzehn Jahren vor den Nationalsozialisten flüchten musste: Frederic Morton, der Bestseller wie "Die Rothschilds, ein Porträt der Dynastie" und "Ewigkeitsgasse" geschrieben hat, ist 90-jährig in Wien gestorben.

… Foto: KURIER/Stephan Boroviczeny 1924 wurde er als Fritz Mandelbaum in Wien-Hernals geboren. 1939 musste er seine Heimat mit seiner Familie verlassen, über London ging es in die USA. In seinem Buch "Ewigkeitsgasse" beschrieb Morton den Tag des sogenannten "Anschlusses": "Über Nacht wurde Wien braun. Schon am nächsten Tag gab es im Radio Ansagen wie, dass Hitler in Linz erscheinen wird und um ihn Willkommen zu heißen, soll man alle Lichter aufdrehen.  ... Die Nazi-Maschine war schon voll im Gange, den Anschluss zu vervollkommnen. Damals herrschte ein Riesen-Jubel. "

Die Emigration war für die Familie ein "unerhörter Umbruch". Auch in New York war man antisemitischen Ressentiments ausgesetzt, daher beschloss die Familie, den Namen Mandelbaum abzulegen.

Die in Wien noch wohlhabende Industriellen-Familie führte in den USA zuerst ein karges Leben, wie Frederic Morton in einem APA-Interview erzählte; er arbeitet zuerst als Bäcker. Als Literaturstudent an der Columbia University und als Schüler der New School for Social Research kam er mit der deutschsprachigen Exilliteratur in Kontakt. Ab 1947 dann schrieb er für Zeitungen und Magazine, darunter die New York Times, Esquire und den Playboy.

Durchbruch

… Foto: KURIER/Stephan Boroviczeny 1962 dann der Durchbruch als Literat: "Die Rothschilds", Mortons erster großer Bucherfolg, wurde in 23 Sprachen übersetzt – und diente als Vorbild für ein Broadway-Musical, das bei den Tony Awards ausgezeichnet wurde.

Auch aus seinem Roman "Ein letzter Walzer" entstand mit "Rudolf – Affaire Mayerling" ein Musical, das ein Jahr lang am Wiener Raimund Theater lief.

Österreich zeichnete ihn mehrfach aus: 1986 erhielt Morton das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien, fünfzehn Jahre später folgte die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt in Gold. 2002 wurde "Ewigkeitsgasse" als Gratisbuch im Rahmen der Aktion "Eine Stadt - ein Buch" in einer Anzahl von 100.000 Stück verteilt. 2003 wurde Frederic Morton das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen. In seinen Reden dankte Morton zumeist auch seiner "zweiten Heimat Amerika". Zu der blieb er auf gewisse Weise auf Distanz: "Mit der Kultur von Amerika habe ich mich nie anfreunden können", sagte er 2009 in einem KURIER-Interview, denn es gehe dort immer darum, Erster zu sein. Das "Traumland Amerika" sei daher "wirklich tragisch, auch für seine Bürger." Am Donnerstag hätte Morton einen Interviewtermin mit dem KURIER gehabt.

(KURIER) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?