Einkaufen im Sex-Shop: Jürgen Vogel und Lavinia Wilson in Sönke Wortmanns „Schoßgebete“

© Constantin

"Schoßgebete": Mit dem Ehemann ins Puff
09/14/2014

"Schoßgebete": Mit dem Ehemann ins Puff

Sönke Wortmann verfilmte Charlotte Roches "Schoßgebete" skandalfrei.

von Alexandra Seibel

Fadenwürmer haben auch ihr Gutes: Wenn man an ihnen leidet, kann man nicht ins Bordell gehen. Für Elizabeth Kiehl, eine junge Ehefrau, eine erlösende Nachricht. Nun muss sie ihren Mann nicht ins Puff begleiten.

Und damit befinden wir uns schon bei einem der "Höhepunkte" von Sönke Wortmanns unrunder Bestseller-Verfilmung von Charlotte Roches " Schoßgebete" (2011).

Den "Skandal", den die erste Verfilmung von Roches’ Tabubruch-Roman "Feuchtgebiete" auslöste, wird er wohl kaum wiederholen können. Denn "Feuchtgebiete" zählte zu den meistdiskutierten Filmen des Jahres 2013. Dafür sorgte schon die Vorlage, in der sich ein Mädchen mit seinen intimen Körperflüssigkeiten befasst. Wider allen Erwartungen erhielt David Wnendts ambitionierte Verfilmung international beachtlich gute Kritiken.

Fadenwürmer

Mit "Schoßgebete" (2011) schrieb die heute 36-jährige Autorin ihren nächsten Bestseller. Und natürlich hofft man auch hier wieder auf profitable Kinoauswertung: Erfolgsproduzent Oliver Berben ("Die Päpstin") schrieb sein erstes Drehbuch, Regisseur Sönke Wortmann ("Das Wunder von Bern") verfilmte. "Schoßgebete" (ab Freitag im Kino) fehlt allerdings die Kraft zur Polarisierung: Klar gibt es auch hier "Ekelszenen" – den Anblick der Fadenwürmern, die Hauptdarstellerin Lavinia Wilson in ihrem Hintern findet, darf man nicht scheuen. Aber auch die Sexszenen zu dritt sind zwar explizit, aber in erster Linie chic und gelackt.

Überhaupt findet Wortmann keine Balance zwischen kühner Sexkomödie und heftigem Familiendrama: Die Geschichte der Elizabeth Kiehl (Wilson) – die bei der Therapeutin auf der Couch liegt, um den Unfalltod ihrer Geschwister zu verarbeiten; und die ihren Ehemann (Jürgen Vogel) ins Bordell begleitet, damit ihm mit ihr im Bett nicht fad wird – profiliert sich in keine Richtung. Mit flapsigen Off-Kommentare textet die neurotische Heldin fast jedes Ereignis zu. Dabei spießt sich ihr lockerer "Sex and the City"-Tonfall oft in der Kombination mit den tragischen Ereignissen, etwa krassen Unfallbildern. Selbst ihre sexuelle "Fortschrittlichkeit" dem Ehemann zuliebe wirkt letztlich weniger befreiend als vielmehr seltsam spießig.

INFO: "Schoßgebete". D 2014. 93 Min. Von Sönke Wortmann. Mit Lavinia Wilson, Jürgen Vogel, J. Köhler.

KURIER-Wertung:

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