Kultur
03.12.2018

Schönheit in Bildern von Bildern: Die Künstlerin Louise Lawler

Die Sammlung Verbund zeigt das so kluge wie ästhetisch packende Werk der US-Amerikanerin.

Die Künstlerin will keine Bilder, auf denen ihr Gesicht zu sehen ist, zirkulieren sehen. Dennoch gibt es ein Selbstporträt in ihrer Ausstellung. Es zeigt einen Papagei.

Das Moment des Nachplapperns sei sicher ein Faktor bei der Wahl dieses Ersatz-Ichs gewesen, sagt Louise Lawler – schließlich besteht das Werk der US-Amerikanerin fast ausschließlich aus Bildern bereits existierender Bilder, es ist Kunst über Kunst.

Doch Louise Lawler plappert nicht, sie wählt ihre Perspektiven, Bildausschnitte und Arrangements mit allerhöchster Akribie: Stets geht es um die Frage, wie der Kontext die Kunst bestimmt. Wenn ein Werk als Touristenattraktion in einem Museum oder als Wertanlage im Depot eines Auktionshauses hängt, verändert das seine Essenz.

In Wien hängen Lawlers Bilder nun im begrenzt öffentlich zugänglichen Stiegenaufgang der Verbund-Zentrale, der den euphemistischen Namen „vertikale Galerie“ trägt (Am Hof 6a, jeden Mittwoch 18 Uhr oder auf Anfrage, bis 20. 4. .2019, Eintritt frei).

Bilder, dick und dünn

Die Schau geht allerdings über das bloße Herzeigen jener Werke Lawlers, die die Kunstsammlung des Stromanbieters seit 2004 erwarb, hinaus: Manche Arbeiten sind flächendeckend an die Wände angepasst, einige digital in die Länge gezerrt. Manche Bilder sind abgepauste Kopien existierender Fotos, die als Klebefolie auf die Wand angebracht wurden; andere Fotos sind auf dicke Sperrholzplatten kaschiert und hängen so an der Wand, dass man von der Seite das blanke Holz sehen kann.
Bilder sind also viel mehr als das, was sie zeigen, sie haben ein Leben, einen Körper, eine Biografie: Das ist das wiederkehrende Thema Lawlers, die der so genannten „Pictures Generation“ angehört. Im Gefolge einer gleichnamigen Ausstellung 1979 subsumierte dieser Begriff Künstler wie Cindy Sherman, Richard Prince, James Welling und eben Lawler, die sich mit dem Wesen von Bildern und der medialen Bilderflut befassten. Nicht ganz grundlos warf man der Gruppe manchmal vor, eher Kunsttheorie-Illustrationen als Kunstwerke anzufertigen, und zweifelsohne ließe sich auch über die Realitätsebenen und Symbole in Lawlers Werken endlos referieren.

 

Aber die Werke – und das ist nicht zuletzt eine zentrale Erkenntnis der Wiener Schau – sind einfach großartige Bilder, die auf Basis ihrer Komposition, ihres Arrangements, der Wahl der Bildausschnitte und der exakten Ausführung auch ganz einfach „funktionieren“.

Die ästhetische Durchschlagskraft entkräftet auch sofort die Vermutung, Lawlers Ansatz könnte in einer Zeit, in der jede zweite Person Fotos vom Museumsbesuch oder der Bilderwand zuhause ins Netz stellt, obsolet sein. „Es gibt zu viele Bilder, aber ich glaube nicht, dass ich zu viele Bilder mache“, sagt die Künstlerin selbst dazu. Der Vergleich macht sicher.