Kultur
17.09.2018

"Schnell ermittelt": Ursula Strauss wieder auf Verbrecherjagd

Die sechste Staffel startet diesen Montag (20.15). Mit teils skurrilen Fällen, wie die Schauspielerin verrät.

Der eigene Sohn – ein Mörder. Mit dieser schrecklichen Erkenntnis muss Angelika Schnell (Ursula Strauss) leben, seit sie es auf einer Handyaufnahme gesehen hat: „Ihr Jan“ (Simon Morzé) hat einen Menschen erschossen. Das Beweisstück – das Handy – hat Angelika in der Donau verschwinden lassen. Das quälende Gewissen aber bleibt. Soweit die Ausgangslage für die neue sechste Staffel „Schnell ermittelt“, die ab heute montags um 20.15 Uhr in ORFeins zu sehen ist.

Wie also weitermachen? Angelika und ihr Ex-Mann Stefan (Andreas Lust) versuchen es zunächst mit so etwas wie einem normalen Leben. Doch die sonst so resolute Ermittlerin droht an den Schuldgefühlen zu zerbrechen. „Sie versucht natürlich, die Maske aufrechtzuerhalten und ihr Gesicht zu wahren“, erzählt Ursula Strauss im KURIER-Gespräch über den moralischen Konflikt von Angelika Schnell. „Das ist für sie eine extrem schwierige Zeit, weil sie so viel Schuld tragen muss: dafür, als Mutter und auch als Polizistin versagt zu haben, ein Beweismittel vernichtet zu haben und ihren Kollegen Franitschek mit hineingezogen zu haben.“

Dass ihr „Serien-Sohn“ tatsächlich der Mörder ist, hat Strauss übrigens erst bei der Leseprobe für die alles verändernde letzte Folge aus Staffel fünf erfahren. Wie auch ihre Kollegen, darunter Wolf Bachofner und Katharina Straßer. Einzig der „Mörder“ selbst (mehr dazu weiter unten) war von Anfang an eingeweiht. Aber zurück zur Leseprobe: Da wurde Strauss ein Zettel gereicht – „ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass es Jan war. Meine Kollegen ahnten das aber noch nicht und haben heiter weitergelesen, während ich schon Übelkeitsanfälle gehabt habe.“ Ein in Bezug auf die Emotionen geschickter Schachzug vom Team, wie Strauss findet, „weil wir uns vieles für die tatsächliche Dreharbeit merken konnten.“

Glücksgriff

In den vergangenen Wochen und Monaten war Strauss eher mit Arbeiten abseits der Kamera beschäftigt. So stand sie etwa bei den Nibelungen-Festspielen in Worms auf der Theaterbühne, nämlich als Burgherrin Brunhild in „Siegfrieds Erben“ – das Projekt sei „ein absoluter Glücksgriff“ gewesen, so Strauss. „Ich habe am Theater angefangen, also war es nichts komplett Neues für mich. Aber es war eine sehr lange Zeit dazwischen.“ Für ihre Schauspielleistung in Worms wurde sie denn auch mit dem Mario-Adorf-Preis ausgezeichnet.

Ende September erscheint außerdem ein Buch, für das die gebürtige Niederösterreicherin ihr Familienalbum geöffnet hat: „Ich bin, wie mir scheint, ein glückliches Kind“ lautet der Titel.

Während die sechste Staffel von „Schnell ermittelt“ gerade anläuft, wird bereits an weiteren Folgen gearbeitet. Heute Abend gilt es aber erst einmal zu klären, wer den Industriellen Manfred Wohlkönig getötet und mit Öl verschmiert hat. Skurrile Fälle wie dieser helfen den Ermittlern ein wenig, zumindest „zu einer oberflächlichen Leichtigkeit zurückzufinden“, meint Strauss.

Nachgefragt: Wie spielt man einen Mörder?

Erst 13 Jahre alt war Simon Morzé, als er in der Serie „Schnell ermittelt“ die Rolle des Jan übernahm. Zu Beginn eine unauffällige Nebenfigur – mittlerweile ist der Sohn von Ermittlerin Angelika Schnell eine der prägenden Personen. „Als man mir gesagt hat, dass ich mehr involviert sein würde, dachte ich zuerst, ich würde auch Polizist werden“, erzählt der 22-Jährige. „Dass es in die andere Richtung geht, habe ich nicht erwartet. Das hat mich aber nicht abgeschreckt – ich finde das spannend.“

Anders als seine Kollegen wusste Morzé als einziger Darsteller schon zu Beginn der Dreharbeiten von Staffel fünf, wohin die Reise geht. Wie er den Gesichtsausdruck für die Mordszene geübt hat? „Ich habe mich schon damit beschäftigt, aber das kann man nur bis zu einem gewissen Punkt. Wie es ist, jemanden umzubringen, weiß ich nicht und das werde ich hoffentlich auch nie. Ich habe trotzdem versucht, es irgendwie zu verstehen – und dann einfach ein böses Gesicht gemacht. Verkühlt zu sein, hat dabei auch sehr geholfen“, sagt er schmunzelnd.

Dass er den Beruf seiner Eltern ergriffen hat – seine Mutter ist Burgschauspielerin Petra Morzé, sein im Juni verstorbener Vater, Stefan Matousch, war am Linzer Landestheater – war nicht geplant, sondern „hat sich so ergeben“. Morzé hat indes bereits einige Kino-Rollen gespielt und ist ab Oktober in „Der Trafikant“ zu sehen.