© Interspot Film/Christoph Thanhoffer

Kultur
05/06/2021

"Dieser Moment ist absurd und abstrakt"

Die ROMY-nominierte Schauspielerin dreht derzeit eine berührende Liebesgeschichte, hat sich dafür äußerlich verändert und spricht über Liebe, Krankheit und die Buhlschaft

von Georg Leyrer

Video-Konferenzen sind, nach einem Jahr Pandemie, längst derart Routine geworden, dass man dem Gegenüber meist nur noch ein halbes Auge schenkt. Bis zum Video-Interview mit Verena Altenberger.

Die ROMY-nominierte Schauspielerin dreht gerade den Kinofilm „Unter der Haut der Stadt“ (Regie: Chris Raiber, Produktion: Interspot), eine überaus berührende Geschichte über ein Paar, das in außergewöhnlichen Umständen zueinanderfindet – und danach gemeinsam gegen das Schicksal ankämpft.

Und Altenberger, im Sommer bei den Salzburger Festspielen die Buhlschaft beim „Jedermann“, hat für diese Rolle ihr Aussehen verändert, was sich beim Beginn des Videointerviews zeigt.

KURIER: Sie schauen anders aus als zuletzt!

Verena Altenberger: Ja. (lacht)

Sie tragen jetzt Glatze. Wie geht es Ihnen damit?

Ich habe es mir viel schwieriger vorgestellt, auch, damit auf die Straße zu gehen. Ich war immer nur so draußen, ohne Perücke oder Haube. Selbst das Abschneiden war relativ unemotional. Weil ich das alles für die Rolle gemacht habe. Das hat mich sozusagen emotional geschützt. . Es kann sein, dass ich in ein paar Wochen, wenn der Film abgedreht ist, anders darüber rede.
 

Gerade bei jungen Menschen ist das – wie dann ja auch im Film – ein optisches Signal für schwere Krankheiten. Wird Ihnen anders begegnet von jenen, die nichts vom Film wissen?

So viele Leute kann man im Moment eh nicht treffen. (lacht) Es wird schon geschaut. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass unangenehm gestarrt wird. Ein Installateur, der zu mir kam, fragte schon: Geht es Ihnen gut? Aber das war die einzige Reaktion in diese Richtung. Meine Familie war ein bisschen erstaunt! Ich hatte vergessen, es ihnen zu erzählen. Und dann hatten wir einen Gruppencall. Meine Oma war ein bisschen schockiert.

War Ihnen gleich klar, dass Sie sich auf diese Rolle einlassen wollten?

Ja. Ich habe das Drehbuch vor zwei Jahren gelesen – das Projekt stand schon lange im Raum, wie das so ist bei öffentlich finanzierten Filmen in Österreich. Dann kam noch eine eineinhalbjährige Verschiebung wegen Corona. Aber es war für mich gar keine Frage, zuzusagen.

Wie ist es denn, derzeit zu drehen?

Es wird jeder jeden Tag getestet, der auch nur in die Nähe dieses Sets kommt. Es gibt FFP2-Masken und Abstand. Seit einem Jahr sind die Filmsets die sichersten Orte. Ich mache mir immer am allerwenigsten Sorgen, wenn ich arbeite. Ich habe seit letzten Mai eine Serie und jetzt den dritten Film gedreht – und es gab bisher nur einen einzigen Fall. Die Sicherheitskonzepte der Kultur scheinen zu funktionieren.

Krankheit ist Thema bei Caro, die Sie in „Unter der Haut der Stadt“ spielen.

Ja, sie kommt erstmal als sehr extrovertiert, sehr laut, vermeintlich offen daher. Darunter liegt eine sehr, sehr große Angst. Weil sie eine tödliche Krankheit hat. Die wird im Film nicht Krebs genannt, sie spricht selbst in sehr lustigen Dialogen mit ihrem Arzt immer nur von „meiner Diagnose“, und alle verdrehen die Augen. Sie weiß, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass sie sterben wird.

Was macht das mit ihr?

Ich glaube, dass die Bedrohung durch eine tödliche Krankheit zu sehr großer Einsamkeit führt. Auch wenn man nahe Familie und ein gutes Netzwerk an Freundinnen hat – der letzte Kern Angst, den muss man mit sich selbst ausmachen.

Kann man sich selbst ausmalen, wie man mit so einer Situation umgehen würde?

Nein. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Caro probiert beides aus – die Krankheit zu verstecken und zu ihr zu stehen. Es ist nicht das eine stärker oder weniger stark als das andere. Meine Mama ist an Krebs gestorben, ich konnte miterleben, wie es ist, so eine Diagnose zu bekommen. Das haut einen einfach um. Dieser Moment ist absurd und abstrakt.

Das tut mir sehr leid.

Es ist ein großes Glück, wie die Caro Menschen zu finden, die einen darin begleiten, egal wie man sich entscheidet. Ihre Einsamkeit wird ein Stück weit geheilt – durch die Liebe, die sie findet. Ich finde es schön, wenn die Hauptmessage des Filmes ist: Sich verlieben ist immer gut. Das ist simpel, aber es ist so. Es ist nicht einfach, offen zu sein. Aber es ist der richtigste Weg. Wenn man ohne Schutzschild auf andere Menschen zugeht, kann man eigentlich weniger verletzt werden, als wenn man aufwendig Gefühle und Ängste versteckt.

Wird es was mit der Buhlschaft im Sommer?

Mein Optimismus ist so groß, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass es nichts wird. Aber ein, zwei Mal hat sich schon ein bisschen die Sorge eingeschlichen. Ich hoffe, dass Österreich in zwei Monaten die Situation so im Griff hat, dass Kultur generell stattfinden kann – nicht nur die großen Player. Und im letzten Jahr lief es vorbildlich, also, ich bleibe positiv.

Haben Sie die Buhlschaft für sich inzwischen weiterentwickelt?

Ja, ich denke die ganze Zeit drüber nach. Aber alle Gedanken, die ich mir mache, sind hypothetisch, vielleicht passen die nicht ins Regiekonzept oder nicht mit meinen Partnerinnen auf der Bühne zusammen. Das muss man im Probenprozess entstehen lassen.

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