SALZBURGER FESTSPIELE: ABSCHLUSS-PK / RABL-STADLER

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Interview
04/17/2020

Salzburgs Festspiel-Chefin zu Kultur-Plänen: "Wie soll denn das überhaupt gehen"

Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, hält die neuen Regelungen für nicht umsetzbar. Doch sie hofft weiter.

von Thomas Trenkler

Helga Rabl-Stadler, die Präsidentin der Salzburger Festspiele, möchte zu den Überlegungen, das Festival nicht im Juli, sondern erst Mitte August zu eröffnen, nicht Stellung nehmen. Sie dementiert die Idee aber auch nicht, über die der KURIER berichtet hat. Derzeit befindet sie sich zwischen Hoffen und Bangen. Aus den Ankündigungen von Minister Werner Kogler und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek, am Freitagvormittag kundgetan, wird sie allerdings nicht recht schlau. 

KURIER: Sind Vorstellungen überhaupt sinnvoll, wenn nur auf jedem vierten Sitz eine Person sitzen darf?

Helga Rabl-Stadler: Wie soll denn das überhaupt gehen mit 20 Quadratmetern pro Besucher? Beim Eingang und Ausgang ist immer ein Gedränge! Es gibt also viele Details, in denen der Teufel steckt. Als Praktikerin sehe ich viele Teufel.

Und welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Es gibt andererseits ermutigende Zahlen, was die Pandemie betrifft. Ich hoffe daher, dass sich die Zahlen weiterhin so verbessern, dass auch die Sicherheitsvorkehrungen gelockert werden können.

Gerade das Festspielpublikum besteht zu einen Großteil aus Personen der Risikogruppe. Falls sich tatsächlich jemand in einer Vorstellung anstecken sollte: Wollen Sie wirklich die Verantwortung übernehmen?

Sollte die Zahl der Neuansteckungen, wie es sich derzeit abzeichnet, radikal abnehmen, dann kann man die Verantwortung übernehmen. Ansonsten nicht. Die Gesundheit hat Vorrang. Natürlich: Im Chor kannst du nicht mit einer Maske singen.

Oder, wie Ulrike Lunacek sagte: Liebesszenen mit Mundschutz wird es nicht geben können.

Ja, sie wären kein Festspielerlebnis.

Das heißt: Sie könnten viele Opern gar nicht aufführen.

Ich weiß schon: Alle Journalisten wollen jetzt eine Entscheidung. Aber ich will weiter hoffen. Und es ist kein Schaden, wenn wir sagen: Noch gibt es die Hoffnung! Die Künstler wünschen sich die Festspiele; kein einziger sagt, er hätte Angst aufzutreten. Und das Publikum wünscht sich die Festspiele. Aber wenn es gesundheitspolitisch nicht vertretbar ist, werden wir selbstverständlich die Absage durch die Regierung mittragen. Werner Kogler und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek haben für Mitte Mai neue Regelungen angekündigt. Darauf warten wir. Wie bereits kommuniziert: Wir treffen die Entscheidung Ende Mai.

Sie haben bereits etliche Millionen Euro durch den Kartenverkauf eingenommen – und andererseits viel Geld für die Bühnen- und Kostümbilder ausgegeben. Kann die wirtschaftliche Situation, also der Cashflow, ein Grund sein, warum Sie die Absage hinauszögern?

Nein. Wir hatten für die Pfingstfestspiele, die ja abgesagt werden mussten, Karten im Wert von 1,2 Millionen eingenommen. Wir boten den Käufern an, dass sie das Geld zurückbekommen – oder es fürs nächste Jahr stehen lassen. Nur die Hälfte wollte das Geld zurück. Es gibt also eine riesige Treue zu den Festspielen. Und da ja viele Kosten aufgelaufen sind, haben wir um eine Spende gebeten. Jeder Zehnte hat einen Teil des Kartenpreises oder gar den gesamten Preis gespendet. Das finde ich sehr schön. Also, auch wenn wir für den Sommer bereits 26.000 Kartenbestellungen haben: Wir würden auch diese Situation meistern.