Salzburger Festspiele: Bergmann hatte "belastendes" Gespräch mit Hinterhäuser

Erster Auftritt Karin Bergmanns als interimistische Leiterin der Salzburger Festspiele. Hinterhäuser habe sich "einvernehmlich" von den Festspielen getrennt.
Karin Bergmann

Die Salzburger Festspiele und Markus Hinterhäuser haben sich "einvernehmlich getrennt". Es gäbe einen von beiden Seiten unterschriebenen Auflösungsvertrag, sagte Karin Bergmann am Mittwoch bei ihrem ersten Auftritt als interimistische Leiterin der Festspiele.

Bergmann nimmt Bezug auf die ungewöhnliche Situation: "Dass ich jetzt hier sitze ist natürlich eigentlich eine Ungeheuerlichkeit in der Funktion, in der ich hier sitze", sagte sie. "Es war anders geplant." Hinterhäuser selbst wollte Bergmann als Schauspielchefin installieren; daran eskalierte der Konflikt mit dem Kuratorium, der später zum Ende von Hinterhäusers Amtszeit als Festspielchef führte.

Gleichzeitig kündigte Geschäftsführer Lukas Crepaz an, dass die Sanierung des Großen Festspielhauses auf 2028 verschoben werde. Diese sollte bereits im Herbst 2027 beginnen. Der große Umbauplan sei aber vom Kuratorium insgesamt abgesegnet.

"Gewissenskonflikt"

Geplant sei daher gewesen, "dass ich hier neben jemandem sitze. Jetzt sitze ich hier im Zentrum. Das nötigt mir einen unglaublichen Respekt ab." Es sei für sie "eine schwierige Situation gewesen". Sie habe nach den "schmerzhaften Wochen, die die Salzburger Festspiele hinter sich haben", zugesagt, "weil ich darüber informiert wurde, dass es den Auflösungsvertrag" gibt. 

Bergmann betonte, dass sie in einen "Gewissenskonflikt" geraten sei, da Fragen rund um Hinterhäusers Abgang "nicht beantwortet" sind. "Denn das Kuratorium und der ausgeschiedene Intendant äußern sich nicht klar. Das macht die Sache beschwerlich".

Ja, sie habe mit Hinterhäuser gesprochen, nachdem ihre Berufung fixiert war. "Das war ein sehr, sehr schwieriges Gespräch, was mich persönlich belastet". Sie habe die Einladung ausgesprochen, dass Hinterhäuser seine beiden geplanten Konzerte diesen Sommer spielt. "Ich habe ihn um Großzügigkeit gebeten." 

"Nicht gegen Markus Hinterhäuser, sondern wegen ihm"

Sie betonte, dass sie "nicht gegen Markus Hinterhäuser hier sitze, sondern wegen ihm". Ohne diese Vorgeschichte rund um die Schauspielbestellung "wäre das Kuratorium nicht auf mich gekommen. Es ist ein Punkt, der sicherlich eine große Irritaion bei vielen hervorruft. Ich habe es erwartet", sagt sie unter Bezugnahme auf einen offenen Brief prominenter Kulturschaffender, der am Dienstag erneut veröffentlicht wurde. Sie habe bereits mit Peter Handke, Elfriede Jelinek und anderen Unterzeichnenden telefoniert. Sie habe diesen "mehr als waghalsigen Schritt" getätigt und will "diesen Sommer in Markus Hinterhäusers Sinne ermöglichen".

"Gegen Denunziation"

Bergmann versprach, dass sie "mit Menschen auf Augenhöhe kommunizieren" wolle. Dazu, Feedback zu geben, "gehört auch Kritik, aber man muss das offen miteinander austragen. Es geht ganz stark um Dialog."

Sie kritisierte aber auch die Umstände von Hinterhäusers Abgang. Sie finde es "enorm belastend, dass sich Menschen nach langer Zeit melden", um sich über Arbeitsbedingungen zu beklagen - "und das passiert anonym. Das finde ich ein Problem. Es gehört auch zur Fairness, wenn man miteinander arbeitet, dass man sich früh austauscht. Menschen, die das Gefühl haben, es geschieht ihnen Unrecht, müssen sich an die internen Stellen wenden können. Und es muss zeitnah ankommen, damit es bei der Leitung ankommt. Diese Art von Denunziaation im Nachhinein, wo auch keiner mehr die Chance hat, es aufzuklären, finde ich ein großes Problem für die Arbeitskultur".

Das Programm 

Am Dienstag war bekannt geworden, dass Bergmann die Ausgaben 2026 und 2027 leiten soll, bis die endgültige Nachfolge von Markus Hinterhäuser übernimmt. Diese soll, ebenso wie die Präsidentschaft der Festspiele, demnächst ausgeschrieben werden. 

Bergmann betonte, dass das Programm 2026 vollständig und für der Musiktheaterbereich "großteils fixiert" ist. "Offen ist Schauspiel, das wäre eigentlich mein Part gewesen", sagte Bergmann.

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