Salzburger Festspiele: Ausgerechnet Karin Bergmann muss es wieder retten
Man war sich nicht so ganz sicher, welches Stück rund um die Intendanz bei den Salzburger Festspielen gespielt wird, ein Königsdrama, eine Politperformance oder doch nur millionenschwerer Sommertheaterdonner.
Nun ist eines klar: Es nimmt das Ganze auch ein wenig von einer Nestroyposse an – eigentlich ein wenig gespieltes Format in der Hochkulturwelt des Salzburger Sommers.
Markus Hinterhäuser, man erinnert sich, geriet beim Festspielkuratorium endgültig ins Abseits, weil er die ehemalige Burgtheaterchefin Karin Bergmann an der vom Kuratorium eingeforderten Ausschreibung vorbei zur Schauspielchefin machen wollte. Ein Skandal, hieß es damals aus dem Kuratorium, das könne man sich „nicht bieten lassen“, trompetete Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ).
Am Dienstag klang das schon ein bisschen anders. Denn da bestellte das Kuratorium ausgerechnet Karin Bergmann ohne Ausschreibung zur interimistischen Festspielchefin und damit zu Hinterhäusers Nachfolgerin.
Jetzt ist schon klar – und war es auch gleich, der KURIER berichtete –, dass die kuratorische Aufregung um die Besetzung der Schauspielleitung eine gekünstelte war. Man suchte recht offensichtlich einen formellen Vorwand, um Hinterhäuser diverse Karten zeigen zu können – Landeshauptfrau und Kuratoriumschefin Karoline Edtstadler (ÖVP) bemühte das Gleichnis von der „gelben“, es folgte die „rote“.
Die wirklichen Gründe, aus denen man sich von Hinterhäuser trennen wollte, zu benennen überließ man lieber einem Spiegel-Artikel, der mehr oder weniger zeitgleich mit der öffentlichen Trennung von Hinterhäuser erschien: Er soll außerordentliche Mängel in der Mitarbeiterführung und im Umgang bewiesen haben.
Empörungskulisse
Dass das Kuratorium nach dem großen Drama nun aber ungerührt in jener Empörungskulisse weiterspielt, die es selbst rund um etwaige Bergmann-Bestellungen aufgestellt hat, ist dennoch bemerkenswert. Schon bald nach dem Hochkochen des Streits bemühte man sich, Bergmann nicht als Beifang des Konflikts zu desavouieren. Man lobte ihre Kompetenz – die ja zumindest im Retten von strauchelnden Kulturinstitutionen unbestritten ist.
Bergmann, Jahrgang 1953, übernahm das Burgtheater nach der großen Finanzkrise unter Matthias Hartmann und fuhr danach einen keineswegs unsympathischen Konsolidierungskurs. Diese Erfahrung wird ihr in Salzburg nützen. Denn dass weder Hinterhäuser noch die Festspiele noch die Kultur- und Landespolitik aus dem allen unbeschadet herausgeht, das hat sich längst abgezeichnet.
Dass sie aber nach Hinterhäusers Absichten Schauspielchefin werden sollte, hat schon Gründe: Sie hat weit mehr im Theater- denn im in Salzburg so wichtigen Opernbereich gearbeitet.
2026 und 2027 soll sie nun Chefin sein, bis die endgültige Nachfolge Hinterhäusers gefunden ist. Doch dabei geht es mehr als um das Durchverwalten von bestehendem Programm: Es gilt, ein teures, großes Umbauprojekt auf Schiene zu bringen und dort zu halten. Und je nach Dauer des Besetzungsprozesses müssen alsbald auch Weichen für die Festspiel-Programme nach 2027 gestellt werden, an die Ersatzspielstätten während des Umbaus angepasst.
Wieviel dieser Planung nun Bergmann verbleiben wird, kommt sehr auf die endgültige Nachfolge ab 2028 an, für die sich allerlei honorige Kulturmanager und -innen bereits in Stellung bringen. Es wird aber ob der Zeitenläufte – etwa, wenn der oder die Künftige noch anderswo unter Vertrag ist – alles doch sportlich knapp.
„Blick auf die Kunst“
„Nun trage ich auch für mich selbst überraschend Verantwortung für die interimistische künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele“, so Bergmann laut einer Aussendung des Kuratoriums – die die Vorgeschichte geflissentlich ausblendet. Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ), von dem der Impuls für Bergmann gekommen sein soll, lobte diese „als eine auch in politischen Auseinandersetzungen um die Freiheit der Kunst eine versierte und zutiefst glaubhafte Person“.
Edtstadler freute sich, dass die „Top-Managerin“ mit „Empathie, Menschenkenntnis und viel Erfahrung sensibel, aber bestimmt die Weichen für die Zukunft stellen“ werde. Bis jetzt schaut diese Zukunft ähnlich aus wie das Burgtheater der Nullerjahre: Bergmanns Ex-Chef Nikolaus Bachler leitet die Oster-, sie nun die Sommerfestpiele.
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