Leitet Welser-Möst künftig die Salzburger Festspiele? Was er dazu sagt
Wenn der Vertrag von Salzburg-Intendant Markus Hinterhäuser wirklich im September ausläuft – wer kann dann so kurzfristig die Festspiele übernehmen? Immer wieder genannt wird der Name Franz Welser-Möst, bis 2027 Chefdirigent des Cleveland Orchestra. Aber was sagt er selbst dazu? Dem KURIER stand er ausführlich Rede und Antwort.
„Ich werde immer wieder gefragt, was ich nach Cleveland mache. Meine Antwort ist ganz klar: Meine Freiheit genießen.“ Heißt das also, dass ein solcher Job bei den Salzburger Festspielen für ihn nicht in Frage kommt? „Ich will kein Schreibtischtäter sein. So etwas tue ich mir nicht an. Ich werde kommendes Jahr 67, auch wenn ich vielleicht jünger aussehe – aber nach 41 Jahren durchgehend in Chefverantwortung will ich das nicht mehr.“
Trotzdem wird sein Name bei Personalspekulationen regelmäßig genannt. „Das war schon mehrfach so, dass mein Name dafür missbraucht wurde“, sagt er zum KURIER. „Bei den Osterfestspielen. Oder bei der Wiener Staatsoper, wo damals Direktor Ioan Holender wollte, dass ich sein Nachfolger werde. Aber ich wollte nicht.“
Wie fix ist seine Entscheidung, falls die Verantwortlichen doch auf ihn zukämen? „Ich muss nicht einen Notar bemühen wie einst Helmut Zilk. Ich hoffe, man glaubt mir das auch so. Ich stehe zu meinem Wort.“
Zum Streit zwischen dem Festspielkuratorium und Hinterhäuser sagt Welser-Möst: „Ich war erschrocken, als ich von der Wohlverhaltensklausel gehört habe. Das muss ja einen Grund gehabt haben. So eine Klausel ist ein großes Aber.“
Er selbst sei jedenfalls ein Mensch, der „ein Leben abseits des Jobs“ habe. Und: „Die wenigstens wissen, was sie nicht können. Ich weiß das genau. Und ich weiß auch, was für eine Belastung ein solcher Job ist.“
Was bräuchten die Salzburger Festspiele aus Sicht von Welser-Möst nach Markus Hinterhäuser? „Einen Krisenmanager. Jemanden, der wirklich managen kann. Krisen sind ja immer auch eine Chance.“ Wer das konkret sein soll, sagt Welser-Möst nicht. „Intendant ist eine aussterbende Spezies, da gibt es nicht so viele. Und die meisten, auch Dirigenten und Regisseure, haben langfristige Verträge.“
Grundsätzlich sei aber jeder ersetzbar: „Es hat die Salzburger Festspiele vor Karajan gegeben und danach. Wobei das Anforderungsprofil heute ein ganz anderes ist. Das hat sich radikal verändert.“
Als Riesenproblem sieht er die ökonomische Krise. „Wir haben in Cleveland schon vor Jahren agiert und sind heute gut aufgestellt. Aber wenn Ingolstadt, immerhin unter den größten Städten Bayerns, sein Theater schließt, wenn Berlin sein Kulturbudget um 15 Prozent kürzt, wenn in Wien Schubert-, Haydn und Strauss-Wohnungen gesperrt werden, sind das Warnzeichen.“ Daran sehe man auch, wie rasch man alles ruiniere könne. „Nicht alles ist gottgegeben.“
Kommentare