Kultur
07.03.2013

Der Festspiel-Bazar

Schwacher Kompromiss im Budgetstreit mit Intendant Pereira bei den Salzburger Festspielen.

Es erinnerte an den Super-G der Damen bei der Ski-Weltmeisterschaft in Schladming: Verschiebungen, ewig langes Warten. Vielleicht war es auch ein Vorgeschmack auf das demnächst stattfindende Konklave zur Wahl des neuen Papstes.

Das Kuratorium der Salzburger Festspiele, also der Aufsichtsrat des weltweit größten Kulturfestivals, tagte am Mittwoch im Büro von Landeshauptfrau Gaby Burgstaller und debattierte bedeutend länger als vorgesehen, nämlich weit mehr als fünf Stunden. Danach wurde der (schwache) Kompromiss im Budgetstreit mit Intendant Alexander Pereira verkündet. Es kam nicht zum endgültigen Bruch, Pereira bleibt also (zumindest vorerst) in Salzburg.

Konkret ging es bei dieser Sitzung um drei Budgets – das hat es in dieser Ballung noch nie gegeben.

2012

Der Budgetabschluss für den Festspielsommer 2012 wurde genehmigt. Pereira und Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler konnten ein ausgeglichenes Budget vorlegen. Allerdings nur unter Auflösung der Rücklagen von zwei Millionen Euro. In den vergangenen Jahren hatte die Festspiele stets Rücklagen gebildet.

2013

Das Budget für 2013, das in zwei vorhergehenden Sitzungen mit 60 Millionen Euro festgeschrieben wurde, wurde zumindest von Seiten des Kuratoriums nicht erhöht. Pereiras Programmplanung für diesen Sommer kostet aber aktuellen Berechnungen zufolge 64,3 Millionen Euro. Darüber war es zuletzt zum heftigen Konflikt, u. a. mit Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden gekommen. Der hatte von Pereira Kürzungen verlangt – ohne auszuführen, wie das denn bei einem fertigen Programm funktionieren könne.

Jetzt wurde an Pereira nur der Auftrag erteilt, am Ende wieder ausgeglichen bilanzieren zu müssen. Er ist – ebenso wie Präsidentin Rabl-Stadler – überzeugt, dass das gelingen werde. Dank neuer Steuerkonstruktionen und der Auflösung eines Festspielhäuser-Erhaltungsfonds fehlen zur Zeit nicht mehr als vier, sondern 2,4 Millionen. 1,3 Millionen sollen durch höhere Sponsoreneinnahmen hereingebracht werden, 1,1 Millionen durch mehr Kartenerlöse.

2014

Was das dritte diskutierte Budget, jenes für 2014, betrifft, wurde eine Erhöhung ausgeschlossen. „Die Festspiele sind am Ende der Fahnenstange angelangt“, sagte die aktuelle Kuratoriums-Vorsitzende Andrea Ecker vom Kulturministerium. „Es darf keine weitere Ausdehnung mehr geben. Und nicht noch mehr Produktionen.“ Pereira wurde sogar nahegelegt, zwei Opernproduktionen zu streichen, was dieser freilich nicht tun will.

All diese Ergebnisse der Sitzung, die in Wahrheit nur eine Vertagung der Problematik bedeuten, erinnerten an das Feilschen auf dem Bazar, waren gestern aber wohl der einzige denkbare Kompromiss. Andernfalls hätte Pereira wohl mit rascher Abwanderung gedroht.

Und ab 2016?

Er ist im Gespräch für die Intendanz der Mailänder Scala – dieser Job soll in einigen Monaten neu besetzt werden. Pereira: „Meine Entscheidung ist abhängig von der Situation an dem Tag, an dem sich die Frage konkret stellt.“ Selbstverständlich beschäftigt er sich aber mit der Überlegung: „War mache ich nach 2016?“ Da endet sein Vertrag in Salzburg. Über eine mögliche Verlängerung wird wohl erst 2014 entschieden werden.

Pereira gab gestern auch zu, dass sein Job in Salzburg „der schwierigste ist, den ich je gemacht habe“. Jedes Jahr müssten Lohnerhöhungen von mehr als einer Million Euro finanziert werden – ohne dass es dafür mehr Geld von den Subventionsgebern gebe. Er weigere sich aber, bei der Kunst zu kürzen. Den Fehlbetrag müsse er durch Sponsoren einbringen – „aber die wollen ja in die Kunst und nicht in Fixkosten investieren“. Es sei ihm mit Rabl-Stadler bereits gelungen, die Sponsorenbeträge von 8,5 auf 17 Millionen Euro pro Jahr zu erhöhen.

Mit dem Ergebnis der Sitzung sei Pereira „nicht zufrieden“. Er sagt: „Wir schauen langfristig in ein riesiges Loch.“ Und er forderte die Subventionsgeber einmal mehr zu Erhöhungen auf.

Helga Rabl-Stadler nannte die Diskussion im Kuratorium „ernst, tiefgehend, aber kultiviert“. Der Kartenvorverkauf für 2013 würde sich bisher sehr gut entwickeln. Sie selbst fliege am Donnerstag nach Chicago, um weitere Sponsoren zu ködern.

Pereira ist jedenfalls davon überzeugt, dass man als Festspielchef heute in Salzburg nur bestehen könne, wenn man sich auf das Finden von Sponsoren ebenso verstehe wie auf die Programmierung. „Ein reiner Kunstintendant hat keine Chance.“ Grundsätzlich sei man in dieser Funktion „sehr einsam“.

Während er dem Kuratorium Rede und Antwort stand, hatte seine Lebensgefährtin Daniela übrigens in Mailand eine Prüfung zu absolvieren: Sie studiert Fashion-Design – und bestand.

Das Programm: Eine Starparade großer Namen

Die Jahresregenten Giuseppe Verdi und Richard Wagner (jeweils 200. Geburtstag) stehen im Zentrum der Festspiele, die von 19. Juli bis 1. September dauern. Von Verdi gibt es eine Neuproduktion des „Don Carlo“ in der Regie von Peter Stein und mit Antonio Pappano am Pult der Wiener Philharmoniker. Es singen Jonas Kaufmann, Thomas Hampson, Anja Harteros, Matti Salminen u. a.

Ebenfalls neu kommt Verdis „Falstaff“ in der Regie von Damiano Michieletto und mit Zubin Mehta am Pult der Wiener. Die Titelpartie singt Ambrogio Maestri, weiter sind u. a. dabei: Elisabeth Kulman, Stephanie Houtzeel und Javier Camarena. Von Wagner werden „Die Meistersinger von Nürnberg“ in der Inszenierung von Stefan Herheim und mit Dirigent Daniele Gatti gezeigt. Die Besetzungsliste nennt u. a.: Michael Volle, Roberto Saccà, Georg Zeppenfeld und Markus Werba. Konzertant gibt es Verdis „Giovanna d’Arco“ mit Anna Netrebko und Plácido Domingo, „Nabucco“ mit Riccardo Muti am Pult sowie Wagners „Rienzi“.

Wieder zu sehen: Bellinis „Norma“ mit Cecilia Bartoli (von den Pfingstfestspielen) und Mozarts „Lucio Silla“ mit Rolando Villazón (von der Mozartwoche). Regisseur Sven-Eric Bechtolf startet seinen Mozart/Da Ponte-Zyklus mit „Così fan tutte“ und Dirigent Christoph Eschenbach statt Franz Welser-Möst.

Neu sind Walter Braunfels’ „Jeanne d’ Arc“ und Harrison Birtwistles „Gawain“. Dazu gibt es im Schauspiel einen neuen „Jedermann“ mit Cornelius Obonya.