Kultur
23.10.2018

Roosevelt wurde von seinem Entdecker „auf die Bühne getreten“

Der Kölner spricht im KURIER-Interview über seinen Boss Joe Goddard von Hot Chip und seine Liebe für alte Synthesizer.

Er spielte und sang in New York, São Paulo, Mexico City und Jakarta. 80 Millionen Mal haben Fans seine an 80er-Jahre-Pop angelehnten Dance-Songs im Internet gestreamt. Trotzdem tut sich Roosevelt schwer damit, zu sagen, er sei ein Sänger. „Meinem Gefühl nach habe ich das noch nie professionell gemacht, weil das alles sehr intuitiv läuft“, sagt er im Interview mit dem KURIER.

Auch für das eben erschienene zweite Album „Young Romance“ hat sich die Einstellung des als Marius Lauber geborenen 28-Jährigen nur wenig geändert. Ein bisschen etwas, sagt der Kölner, konnte er während der Welttour von der Schüchternheit aber schon ablegen.

Deshalb sind die neuen Songs sonniger, noch positiver als die des Debüts. Deshalb traut er sich dabei mehr, seine Stimme in den Vordergrund zu rücken und Texte erzählerisch anzulegen, anstatt wie beim Debüt nur ein paar atmosphärische Wortwiederholungen über die Sounds zu legen. Aber: „Ich probiere mich dabei noch aus. Bei mir ist die Produktion schon noch wichtiger, als bei Singer/Songwritern.“

Ein Beispiel dafür ist der Song „Pangea“. Dabei singt Roosevelt nicht über diesen letzten Superkontinent der Erdgeschichte, sondern über Eskapismus und einen fiktiven Ort, zu dem man flüchten kann. „Ich habe eine Doku über Pangea gesehen und den Klang des Wortes geliebt. Irgendwie passte es als Titel des Song, weil der Kontinent auch so fern erscheint. Sonst hat Pangea aber keinen Bezug zum Text – da ging es mir nur um das Phonetische.“

Dankbar

Das Pseudonym Roosevelt legte sich der ehemalige Klavierstudent, der als Teenager auch Gitarre und Drums lernte und in Rockbands begann, wegen der anfänglichen Schüchternheit zu: „In den Bands war ich nie der Frontmann“, erklärt er. „Als ich dann die Club-Szene entdeckte und daheim erste eigene Tracks produzierte, fühlte ich mich deshalb sicherer, wenn ich das gezielt für die Kunstfigur Roosevelt tat.“

Wegen dieser Unsicherheit musst Joe Goddard von Hot Chip Roosevelt „auf die Bühne treten“, nachdem der Brite einen Song des Deutschen im Internet entdeckt und ihn daraufhin für sein Label Greco-Roman verpflichtet hatte. Heute ist Roosevelt Goddard dafür sehr dankbar. „Das war so hilfreich. Er hat anfangs so viele Auftritte für mich organisiert und möglich gemacht, weil er mehr an mich geglaubt hat als ich selbst.“

So durfte Roosevelt auch für „Young Romance“ in Goddards Studio in London arbeiten. „Joe hat dort eine Sammlung von 20 bis 30 alten Synthesizern. Ich durfte mich mehrmals ein paar Tage lang ungehindert damit austoben. Das ist toll, weil ich erstens beim Produzieren auch gerne einmal Tasten und Knöpfe und nicht nur die Computermaus bediene. Aber auch, weil ich diese Sounds liebe. Man hört den alten Synthesizern die lange Geschichte an, was den Tracks eine gewisse Nostalgie gibt.“

INFO

Roosevelt tritt am 27.Oktober im Wiener Flex auf. Karten gibt es unter www.oeticket.com