Mick Jagger of the Rolling Stones performs at the British Summer Time Festival in Hyde Park in London July 6, 2013. REUTERS/Luke MacGregor (BRITAIN - Tags: ENTERTAINMENT)

© Reuters/LUKE MACGREGOR

Hyde Park
07/07/2013

Rolling Stones: Ohne Sentimentalität in Hochform

Auch ohne Überraschungs-Gäste oder nostalgische Gesten konnten die Rolling Stones mit einer Rückkehr zum Wesentlichen begeistern.

von Brigitte Schokarth

Hey hey hey, uh-hu. Hey Hey Hey uh-hu.” 65.000 Leute im Londoner Hyde Park kennen ihren Part, geben alles, singen mit, wedeln mit den Armen, hüpfen, tanzen. Es ist schon nach 22.00 Uhr und nach einem glühenden Tag immer noch heiß. Aber das ist ein Konzert der Rolling Stones! Das ist „Brown Sugar“, es ist kurz vor der Zugabe und niemand weiß, wie oft man das noch erleben kann. Und die legendärste aller Rockbands ist wieder richtig gut in Form gekommen, auf dieser „50 & Counting“-Tour.

Die heißt so wegen des 50-jährigen Band-Jubiläums, das eigentlich schon 2012 stattfand. Aber auch, weil Sänger Mick Jagger sich und seine Band noch nicht am Ende sieht, lieber die Jahre weiterzählen will, vielleicht noch auf den 55er kommen.

So wie er hier und heute agiert, sollte das kein Problem sein. Denn der Kerl ist ein Affront gegen das Altern. 70 wird er in ein paar Wochen - und hat immer noch eine Figur wie ein 17-Jähriger. Dazu unerschöpflich viel Energie. Zwei Stunden tigert er wie besessen von einem Seitensteg zum anderen, stakst in seinem typischen Gockel-Gang über die Rampen zur kleinen Satellitenbühne, animiert, grinst, singt.

Was er wenig macht, ist sprechen. Fast auf den Tag genau 44 Jahre nach dem denkwürdigen ersten Hyde-Park-Konzert sind Jagger, die Gitarristen Keith Richards und Ronnie Wood und Drummer Charlie Watts auf den Rasen zwischen Marble Arch und Hyde Park Corner zurückgekehrt. Aber es gibt kaum Sentimentalitäten oder überraschende Gäste und nostalgische Gesten. Nur einmal zieht sich Jagger ein langes weißes Hemd über, das er so mit einem Gürtel bindet, dass es aussieht wie das weiße Kleid, das er am 5. Juli 1969 trug. Und als nach dem Blues-Gitarristen Gary Clark Jr., der schon am Nachmittag mit einem eigenen Set zu sehen war, Ex-Gitarrist Mick Taylor für ein paar Songs dazu kommt, lässt sich Jagger dazu hinreißen, doch kurz an die Vergangenheit zu denken: „Damals im Hyde Park . . das war Micks aller erste Show mit uns!“ Aber kein Wort davon, dass die Stones damals dem kurz davor verstorbenen Gründungsmitglied Brian Jones gedachten.

Fotos aus dem Hyde Park

BRITAIN MUSIC

Mick Jagger of the Rolling Stones performs at the

Ronnie Wood, Mick Jagger and Keith Richards of the

Mick Jagger and Keith Richards of the Rolling Ston

Keith Richards of the Rolling Stones performs at t

Ronnie Wood, Charlie Watts, Mick Jagger and Keith

Drummer Charlie Watts, Mick Jagger and Keith Richa

Keith Richards and Mick Jagger of the Rolling Ston

Keith Richards of the Rolling Stones performs at t

BRITAIN MUSIC

Mick Jagger of the Rolling Stones performs at the

Mick Jagger

BRITAIN MUSIC

Mick Jagger of the Rolling Stones performs at the

Revellers Sally and Helen West and Mel Curtis enjo

Revellers take cover from the sun in the hot weath

Revellers Emily and Jo, dance to live music in Hyd

A revellerwaves her arms on a fairground ride in t

Es gibt auch keine weiteren Gast-Musiker, nicht einmal Ex-Bassist Bill Wyman ist dabei. Aber das stört nicht. Denn im 51. Karriere-Jahr klingen die Stones so wie sie hier und jetzt auf der Bühne stehen saugut. Weit besser als auf der Tour von 2006 – konzentrierter, animierter und bluesiger. Wie eine eng zusammengeschweißte Roots-Rock-Band, die Musik machen will, nicht wie eine konfuse Kombo, die dem Legenden-Status nichts als aufblasbare Monster oder Riesen-Titten und das Abspulen von Hits entgegenzusetzen hat.

Nicht, dass die Stones anno 2013 im Hyde Park keine spektakuläre Optik hätten: Die Bühne ist eine einzige überwältigende Video-Wand, die sich vom linken Seitensteg bis zum rechten, vom Bühnenboden bis unters Bühnedach zieht und das Zentrum als Nische in der Wand erscheinen lässt. Zumeist zeigt sie Live-Bilder von Jagger, Richards und Co. Weil die so knallig bunt angezogen sind, braucht es auch keine weitere Lichtshow. Und schon gar keine Luft-Puppen oder Stunts. Jagger steigt auf kein Bühnendach und singt von keiner Empore, hat die Beine allzeit am Boden.

All das lenkt den Fokus wieder mehr auf die Musik, auf all diese Songs, die wir so lange schon lieben. Denn Hits gibt es auch im Hyde Park jede Menge. Nur gelegentlich ist weniger Bekanntes zwischen „Paint It Black“, „Start Me Up“, „Tumbling Dice“ und „Honky Tonk Woman“ gestreut. Etwa „Doom And Gloom“, die Single vom Vorjahr, einer von zwei neuen Songs auf der Greatest-Hits-Kopplung „GRRR!“. Oder der leise Blues-Song „You Got The Silver“, gesungen von Keith Richards, gespielt mit zwei akustischen Gitarren. Aber der ist auch ohne strampfende Gitarren und mitgrölende Massen ein echtes Highlight.

Als dann der Londoner Jugend Chor zur Zugabe Aufstellung bezieht und „You Can’t Always Get What You Want“ anstimmt, zeigt es die LED-Wand überdeutlich: Ein junges Mädchen - vielleicht ist das ihr erstes Stones Konzert - hat Tränen in den Augen. Auch noch beim Finale, als sie genau wie alle anderen noch einmal die letzten Kräfte mobilisiert und los brüllt: „I can't get no . . . no satisfaction, hey hey hey hey, that’s what I say . . .“
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