Kultur
30.03.2017

Robotik im Museum: Zweite Vienna Biennale

Programm für die zweite Ausgabe präsentiert - "Wir müssen weg vom Bild der herumlaufenden Blechdosen“

Die Verschmelzung von Mensch und Maschine und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Arbeit sind Thema der zweiten Vienna Biennale, die vom 21. Juni bis zum 1. Oktober an unterschiedlichen Orten in Wien stattfindet. Am Donnerstag wurden im MAK - Museum für angewandte Kunst die einzelnen Ausstellungen der Biennale mit dem Titel „Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft“ vorgestellt.

„Wir müssen weg vom Bild der herumlaufenden Blechdosen“, umriss MAK-Direktor und Biennale-Leiter Christoph Thun-Hohenstein den Zugang der zehn Ausstellungen und Projekte, die das MAK, die Universität für angewandte Kunst, die Kunsthalle Wien und das Architekturzentrum Wien (Az W) realisieren. Ziel ist es, Wege auszuleuchten, das Beste für den Menschen aus der Turbo-Digitalisierung herauszuholen und vor allem: nicht die Kontrolle zu verlieren. Visionäre und utopische, aber auch realisierbare kreative Szenarien sollen ein „komplexes, verheißungsvolles Bild der digitalen (Arbeits-)Welt der Zukunft“ zeichnen.

„Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine“ nennt sich die Schau im MAK, die in Kooperation mit dem Vitra Design Museum und dem Design Museum Gent realisiert wird. Im Zentrum stehen in den mehr als 200 Exponaten aus Kunst, Design und Architektur sowie aus Technologie, Wissenschaft und Populärkultur intelligente Maschinen. Die Ausstellung wirft einen Blick auf die teils lautlos und unsichtbar gewordene Robotik und widmet sich auch den ethischen und politischen Fragen, die sich aus dem technologischen Fortschritt ergeben. 14 Fragen, die leitmotivisch durch die Ausstellung führen, sollen dazu einladen, „die eigene Haltung gegenüber neuen Technologien zu überdenken und vermitteln, dass zwischen Chancen und Risiken ein schmaler Grat liegt“, heißt es in der Ankündigung. Menschliche Emotionen und ethische Überlegungen zur Digitalen Moderne rückt die parallel im MAK laufende Schau „Artificial Tears. Singularität & Menschsein - Eine Spekulation“ ins Licht.

Wie werden wir arbeiten?

„How will we work?“ - die Zukunft unserer Arbeitswelt seziert man im Angewandte Innovation Laboratory am Franz-Josefs-Kai 3. Die Ausstellung will einen „Diskurs im Umbruch“ einfangen und abbilden. „Wir gehen raus aus unserer Echo-Kammer und berühren Dinge, die in zehn, 20 Jahren wichtig werden“, umriss Angewandte-Rektor Gerald Bast das Szenario. In einem ersten Sektor widmet man sich „Schlagzeilen und Horrorszenarien, aber auch dem Optimismus“. Ein zweiter Sektor versucht dann mithilfe von künstlerischen Positionen, diese Szenarien zur brechen, wie Bast erläuterte. In einem dritten Schritt wird die klassische Form der Ausstellung verlassen, um Besucher in einem „Future Thinking Lab“ einzuladen, mitzuarbeiten und mitzudenken. Bast: „Wir wollen nicht ein Katastrophenszenario hinterlassen. Wir wollen Gefahrenpotenziale darstellen und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.“

Die Kunsthalle Wien umkreist am Karlsplatz in „Work it, feel it!“ die Themen Arbeit und Körper in Gegenwart und Zukunft. Zehn künstlerische Positionen setzten sich dabei mit der „Unterwerfung des Körpers“ sowie mit „Strategien des Entrinnens und Widerstands“ in der digitalisierten Arbeitswelt auseinander. Geplant ist auch ein dichtes Begleitprogramm mit u.a. Filmen, Performances und Künstlergesprächen.

Das Az W wiederum lässt das Museum hinter sich und nistet sich mit „Care + Repair“ im Stadtentwicklungsgebiet Nordbahnhof ein: In der Nordbahn-Halle beim Wasserturm (Ecke Leystraße/Taborstraße) entsteht ein öffentlicher Arbeitsraum unter dem Motto „Wie können wir die Zukunft reparieren?“. Die Kuratorinnen Angelika Fitz (Az W-Leiterin) und Elke Krasny haben sechs europäische Architektur-Teams eingeladen, gemeinsam mit lokalen Initiativen und Experten Vorschläge für „Care + Repair“-Prototypen zu entwickeln. Ziel ist das Zusammenfinden unterschiedlichsten urbanen Wissens, die Schaffung von nachbarschaftlichen Netzwerken sowie - wie bereits im Titel anklingt - die Weiterverwendung vorhandener Materialien oder das Sorgetragen für Natur in der Stadt. „Wir müssen nicht nur Neues imaginieren, sondern auch die Zukunft reparieren“, so Fitz. Die Zwischennutzung findet gemeinsam mit den Partnern des Forschungs- und Entwicklungsprojekts „Mischung: Nordbahnhof“ statt.

Neben den Hauptausstellungen bietet etwa die „StadtFabrik“ der Wirtschaftsagentur Wien und des MAK ein Forschungsfeld für die Kreativwirtschaft. Die Ausstellung „ich weiß nicht“ im MAK Design Labor analysiert das Verhältnis von Menschen zu Objekten. In der MAK Säulenhalle findet sich ein Ausstellungsmanifest des Vienna Biennale Circle, das „Anregungen zu einer Neuorientierung unserer Gesellschaft vor dem Hintergrund des zunehmenden Miteinanders von Mensch und digitaler Maschine“ liefert. Christoph Thun-Hohenstein ist sich sicher: „Wir müssen aufwachen, weg von Business as usual, Culture as usual und Ausstellung as usual und neue Impulse setzen.“