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Kultur
07/05/2020

Ringo Starr im Interview zum 80er: "Peace & Love existiert weiter“

Der Ex-Beatle feiert seinen 80er am 7. Juli mit einem virtuellen Benefizkonzert. Der legendäre Drummer im KURIER-Interview.

von Elisabeth Sereda

Er ist der vierte Beatle und revolutionierte den Status des Drummers vom Hintergrundmusiker zum Star. Er ersetzte Pete Best, knapp bevor die Beatles im Herbst 1962 ihre erste Single, „Love Me Do“, aufnahmen. Und er galt als der, der die Band mit seiner immer freundlichen und witzigen Disposition zusammenhielt. Er heiratete ein Bond-Girl, Barbara Bach, und lebt in Los Angeles. Der in Liverpool unter dem Namen Richard Henry Parkin Starkey Jr. geborene Musiker wird am 7. Juli unglaubliche 80 Jahre alt.

Der KURIER bekam in Hollywood ein Interview.

KURIER: Ist der 80er ein Grund, auf Ihr Leben zurückzublicken?

Ringo Starr: Ja, aber gleichzeitig schaue ich auch nach vorn. Ich liebe es immer noch zu spielen, aufzutreten. Eigentlich wäre ich ja jetzt auf Tournee, bis in den Herbst, mit den All Stars. Ich bin dankbar für meine Familie, meine acht Enkel und den einen Urgroßenkel. Barbara ist in meinem Leben, das ist ein Geschenk. Mein Leben überrascht mich immer noch. Was wäre passiert, wenn ich nicht mit 13 Tuberkulose gehabt hätte und kein Musiklehrer ins Spital gekommen wäre, um uns kranke Kinder zu unterhalten? Und wenn er mir nicht ein Drumset gegeben hätte?

Warum wollten Sie mit 19 nach Amerika auswandern?

Ich habe als Teenager vor allem Country Music gehört. Ich kann mich an Willie Nelson erinnern, als er noch Anzüge trug! Liebte Hank Williams, verehrte Lighnin’ Hopkins, meinen liebsten Blues-Musiker, und wollte deshalb nach Houston gehen, aber ich war zu jung.

Die Beatles waren immer dafür bekannt, dass sie sich weigerten, vor getrenntem Publikum zu spielen, wo Weiße und Schwarze in verschiedenen Sektionen sitzen mussten. Wie denken Sie über die Black-Lives-Matter-Bewegung?

Ja, es ist wieder verrückt, weil sich nicht genug verändert hat. Wir weigerten uns zuerst mal, in Mississippi aufzutreten. Alle unsere musikalischen Helden waren Schwarze: Ray Charles, Lightnin’ Hopkins, Stevie Wonder … Menschen sind Menschen. Was hier mit George Floyd passiert ist, hat sich weltweit ausgeweitet. In England, in Frankreich, überall wird demonstriert. Es freut mich, dass die meisten zwischen 18 und 25 sind, das ist die nächste Generation, die unsere Welt verändern wird. Ich hoffe darauf.

Können Sie sich an den Tag erinnern, an dem Sie Yoko Ono kennengelernt haben?

Sehr gut, denn sie lag im Bett, als ich ins Studio kam. Und das war komisch. Nicht nur, weil da ein Bett im Studio war, sondern weil keine unserer Frauen sehr viel Zeit im Studio verbrachte. Meine erste Frau, Maureen, war vielleicht 45 Minuten dort, alles zusammengerechnet über viele Jahre. Und auf einmal war da dieses Bett, sehr seltsam. Und John meinte: „Ich will, dass Yoko weiß, was ich mache, ich will, dass wir einander sehr gut kennenlernen.“ Und das war’s dann. Ich habe eine lustige Geschichte: Yoko hat immer gesungen (er imitiert Onos hohe Stimme), und eines Tages meinte ich: „Du solltest ein Album aufnehmen!“ Sie machte das, wie wir wissen. Als ich sie danach wiedersah, sagte ich: „Vielleicht solltest du doch lieber wieder zum Jodeln zurückkehren!“ Yoko hat Humor. Die Medien haben das alles immer so verfälscht hingestellt. Wir hatten nie ein gespanntes Verhältnis, und ich spielte sogar auf dem ersten Album, „Plastic Ono“, das sie und John machten.

Sie sind seit sechs Jahrzehnten weltberühmt. Wie wirkt sich das aus?

Zu Beginn wollten wir einfach nur gute Musik machen. Wie berühmt ich bin, merkte ich, als ich in einem Restaurant saß, die Gabel im Mund hatte, und eine Frau auf mich zukam, mir die Gabel aus dem Mund riss und meinte: „Hier, unterschreib das!“ Als ich mich weigerte, meinte sie: „Du hast gerade deine Karriere ruiniert.“ Das war 1967. Ich lachte, aber ich wusste auch, dass ich lieber nicht mehr in Restaurants gehe. Ich habe lange in Monaco gelebt, weil ich mich dort frei bewegen konnte, solange ich die Touristengegenden meide. Und jetzt kann ich spazieren gehen, weil ohnehin alle Masken tragen und mich keiner erkennt.

Peter Jackson hat eine Doku über die Band gemacht, „The Beatles: Get Back“, die ursprünglich im September herauskommen hätte sollen und aufgrund der Pandemie auf Ende August 2021 verschoben wurde …

Ja, er hat sehr lange daran gearbeitet. Wir fanden 57 Stunden Konzertmitschnitte, die wir noch nie wem gezeigt hatten. Wir baten Peter Jackson, uns zu helfen. Das Konzert am Dach des Apple-Gebäudes war nur zwölf Minuten lang. Mit dem Material, das aus allen Winkeln gefilmt wurde, hat er daraus 46 Minuten gemacht, es ist unglaublich. Aber er hat noch etwas ganz Großartiges geschafft: Uns als Band zu zeigen, wie wir lachen, wie wir Spaß haben. Es ist eine Doku voller Freude. Und es tut mir weh, dass sie nicht heuer herauskommen kann, aber ich höre, der James-Bond-Film erscheint auch nicht mehr in 2020.

Wie werden Sie feiern?

Ein bisschen anders als in den Vorjahren. Wir waren für meine Geburtstagskonzerte in Hamburg, Nizza, Chicago usw. – insgesamt 27 Jahre in 27 Städten. Es hat mit meiner verrückten Idee begonnen, Peace & Love zu promoten. Das erste Konzert war ganz klein, vor dem Hard Rock Cafe, mit 100 Leuten und kleinen Geburtstagstorten. Wir wollten heuer vor dem Gebäude von Capitol Records in Hollywood eine Riesenshow machen, aber das geht ja nicht. Also habe ich Freunde gebeten, uns Material von ihren Auftritten zu schicken, und ich werde das moderieren, und es ist auch die Premiere der Neuversion von meinem Song „Give More Love“ mit Jeff Bridges, Jackson Browne, T Bone Burnette, Elvis Costello, Rodney Crowell, Steve Earle, Peter Frampton, Ray Wylie Hubbard, Kenny Loggins, Michael McDonald, Keb Mo und Willie Nelson. Und ich wünsche mir, dass alle Fans am 7. Juli online gehen. Peace & Love existiert weiter. Und einen Stargast werden Sie sicher kennen.

Paul McCartney?

Das haben Sie erraten!

„Ringo’s Big Birthday Show“ ist ein virtuelles Benefizkonzert u. a. für Black Lives Matter. Man kann sie auf YouTube sehen: am 7. Juli um 17 Uhr Pazifikzeit – in Europa also am 8. Juli um 2 Uhr nachts. Stargäste sind u. a. Joe Walsh, Sheryl Crowe, Sheila E und Ben Harper.