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Kritik
09/10/2021

"Richard II" im Burgtheater: So sind wir wirklich

Jan Bülow, der zuletzt im Kino Udo Lindenberg verkörperte, überzeugt als heillos überforderter König.

von Werner Rosenberger

Das Glück ist ein Vogerl. Die Macht auch. Wie William Shakespeare mit dem Zyklus der acht Königsdramen vorführt, der beim zweiten Richard anfängt und beim achten Heinrich endet.

Seine Herrscherparabel „Richard II.“ wurde schon im April in Bregenz, dann im Livestream als abgefilmtes Theater gezeigt.

Am Donnerstag war fast ein Jahr später als geplant die Premiere im Burgtheater, in dem viele Plätze in Logen und Parkett leer blieben.

Jan Bülow, der zuletzt im Kino Udo Lindenberg verkörperte, überzeugt als heillos überforderter König, der sich in seinem Gottesgnadentum allzu sicher fühlt und dabei seine Krone verspielt: vor seinem Sturz angstvoll zitternd, danach ein jammernder, gebrochener, schmerzerfüllter Gefangener. Ein tragischer Schwächling und glückloser Träumer. Ein Windbeutel im Ränkespiel um die Macht. Auf Druck gibt er sofort klein bei und macht den Thron frei für einen Populisten. Es siegt die Gewalt.

Ideal besetzt

Sein skrupelloser Gegenspieler Bolingbroke, der spätere König Henry IV., ist mit Sarah Viktoria Frick in der Hosenrolle bestens besetzt; ebenso Martin Schwab als Bolingbrokes Vater John von Gaunt und im Tohuwabohu moralisches Gewissen am Hof – eine Rolle, in der er schon 2010 in Claus Peymanns Berliner Inszenierung zu erleben war. Und die aus Jamaika stammende Stacyian Jackson als Königin Isabel wird mit frisch-fröhlicher Entschlossenheit zu einer leider nicht immer verständlichen Lady Macbeth.

Asketisch einfach die Gerüstbühne (Johannes Schütz), die ständig verschoben und neu arrangiert wird.

Alle Konzentration gilt dem von Thomas Brasch übersetzten Text.

Sprache wird Emotion. Regisseur Johan Simons lässt es menscheln in der Familiengeschichte mit Mord und Totschlag. Wobei eine Gewalttat die andere ablöst. Die sprühend verlebendigten Figuren sind dabei Charaktere aus Fleisch und Blut, die einem suggerieren: So sind die Menschen wirklich – opportunistisch, intrigant, vor allem eitel. So ist das Leben.

Am Ende zeigt sich im beklemmenden Schauspiel: Der Gestürzte ist erst im Elend zur Selbstreflexion fähig. Während der Emporkömmling im schicksalhaften Kreislauf der moralischen und politischen Idee resümiert: „Bin selber von mir erschreckt, dass ich nun König bin von Blut befleckt.“

Nach kurzweiligen 135 Minuten höflicher Applaus. Werner Rosenberger

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