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Kultur
09/19/2012

Report: Ein Zugpferd, das lahmt

Seit Monaten sind die Seherzahlen ausbaufähig, die journalistische Exklusivität begrenzt: Dem "Report" droht just vor dem Wahljahr immer stärker der Verlust der innenpolitischen Relevanz.

von Christoph Silber

Nochmals mit einem blauen Auge davon gekommen: 327.000 Zuseher (Marktanteil 12 Prozent) verfolgten die Rückkehr des "Report" aus einer langen Sommerpause am Dienstag gegen die Konkurrenz von "Braunschlag" und Fußball. Damit pendelt das Magazin im kleinen Rahmen des zuletzt Möglichen.

Ein Zugpferd sieht also anders aus. Dabei kommen mit Wehrpflicht-Abstimmung sowie Landtags- und Bundeswahlen starke innenpolitische Themen. Doch wie ein künftiger "Report" publikumswirksam damit umgehen könnte, darüber herrscht Rätselraten. Stefan Ströbitzer, Leiter der ORF-Programmentwicklung: "Es wird keinen künftigen ,Report" geben, da wir einen sehr guten gegenwärtigen haben. Selbstverständlich arbeiten wir aber laufend mit der Redaktion an inhaltlichen Erneuerungen im Rahmen eines professionellen Qualitätsmanagements." Der "Report" solle investigativer werden, monothematischen Sendungen, wie zuletzt bei den Korruptionsfällen in Kärnten, solle es öfter geben. Der Sendungsverantwortliche Robert Wiesner, der als Wackelkandidat galt, soll aber offenbar bleiben.

Dem Magazin den Rücken kehren wird aber Gabi Waldner. Die gestandene Innenpolitikerin soll als Infochefin zu Ö1 wechseln und damit zu ihren Wurzeln zurückkehren.

Lücke

Wer die Lücke schließt, ist offen. Gerüchte dazu sorgen im ORF für Stirnrunzeln. Grund: Potenziellen KandidatInnen fehle zum Teil die journalistische Verankerung in der Innenpolitik sowie die Interview-Routine, wie sie frühere "Report"-Moderatoren hatten (siehe Kasten) .

Das gilt etwa auch für ZiB 20-Präsentatorin Lisa Gadenstätter, die als einzige gelernte Moderatorin beim Casting vergangene Woche antrat. Mehr als ein halbes Dutzend ORF-Mitarbeiter war da dabei. Angeblich nur zwei mit Erfahrung im Innen-Ressort. "Es hat kein ,Report"-Casting stattgefunden, denn der ,Report" ist mit Gabi Waldner als Moderatorin gut aufgestellt", dementiert Stefan Ströbitzer. "Wahr ist aber, dass wir laufend Moderationstests machen. Das ist Teil unserer permanenten Verbesserungsstrategie, in diesem Fall insbesonders für ORF Eins."

Waldners Wechsel zu Ö1 könnte sich übrigens noch ziehen: General- und Hörfunkdirektor sowie Radio-Chefredakteur müssen sich noch auf den neuen Innenpolitik-Chef einigen. Gegen den von Radio-Direktor Karl Amon favorisierten Edgar Weinzettl, Chefredakteur ORF Wien, sperrt sich die Redaktion. Die will Andreas Jölli, der das Ressort nach der Kür Hannes Aigelsreiters zum Radio-Chefredakteur interimistisch leitet. Vom Küniglberg, wo der ORF-General wirkt, geht Harald Jung­reuthmayer ins Rennen.

Doch die Entscheidung wurde nun wieder vertagt. Ein für heute geplantes Assessment-Center wurde abgesagt, weil sich Belegschaftsvertreter und ORF-Chefs nicht auf die Assessoren einigen konnten.

"Report": Vorzeigesendung in der Krise

Anfang Die Namen der Moderatoren des "Report" lesen sich wie ein Who’s who des heimischen TV-Journalismus: Burgl Czeitschner moderierte im März 1984 die erste Ausgabe des Magazins, damals noch "Inlandsreport". Weitere Präsentatoren waren u. a. Peter Rabl, Johannes Fischer, Patricia Pawlicki, Josef Broukal, Ingrid Thurnher und zuletzt Gabi Waldner.

Heute Der "Report" galt immer als Vorzeige-Sendung des ORF -Fernsehens in Sachen Innenpolitik. Doch die Hintergrundberichte sowie Studiogespräche mit Politikern und Experten ziehen immer weniger: 2012 schaffte noch keine Sendung die Marke von 20 Prozent Marktanteil. Gegen die Konkurrenz des Schladminger Nachtslaloms sank man unter 10 Prozent.

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