Rembrandt, nachdenklich: Das „Selbstporträt mit zwei Kreisen“ (wegen der Formen im Hintergrund so genannt) ist auf 1665–’69 datiert

© English Heritage

London
12/08/2014

Rembrandt: Malerisches Genie auf Sinnsuche

Die National Gallery in London zeigt das Werk des späten Rembrandt: Ein besinnlicher Blockbuster.

von Michael Huber

Was in Wien Velázquez im Kunsthistorischen Museum ist, ist in London Rembrandt: Die National Gallery in der britischen Metropole hat ihre Schau zum Spätwerk des holländischen Malerfürsten als großes, rares Ausstellungs-Ereignis inszeniert. Und auch diese exquisite Zusammenschau, die in Kooperation mit dem Amsterdamer Rijksmuseum entstand, ist durchaus eine Reise wert.

Rembrandt – hier liegt noch eine Parallele zum Spanier Velázquez – ist ein Phänomen der Kunstgeschichte, das sich nicht auf eine Epoche, einen Stil oder gewisse Bildmotive festnageln lässt: Der künstlerische Einfallsreichtum und Schaffensgeist dieses Meisters vermag über zeitliche und kulturelle Grenzen hinweg zu begeistern.

Dabei ist Rembrandt nicht nur als Maler eine außergewöhnliche Künstlerperson, sondern insbesondere auch als Grafiker. Und an den oft produzierten Drucken, deren Druckplatten der Künstler immer wieder überarbeite, lässt sich eine Entwicklung ablesen, die den Meister nicht selten als einen radikalen Erneuerer vor Augen führt.

Bilder aus der Londoner Rembrandt-Schau

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Experimente

Die Londoner Ausstellung, die weniger nach chronologischen als nach thematischen Schwerpunkten gegliedert ist, führt dies etwa in einem Abschnitt mit dem Titel „Licht und experimentelle Technik“ vor Augen: Der erste Zustand der Kaltnadelradierung „Anbetung der Hirten“ ist hier der fünften und sechsten Überarbeitung gegenübergestellt; am letzten Blatt versinkt die Szene fast in komplettem Dunkel, nur das zentrale Motiv erscheint wie mit einer Taschenlampe ausgeleuchtet.

Dass Rembrandt nicht nur mit Linien, sondern ebenso virtuos auch mit reiner Farbe hantieren konnte, zeigt gleich nebenan das Gemälde der „Verschwörung der Bataver unter Claudius Civilis“ (1661). Ursprünglich für das Amsterdamer Rathaus gemalt – die Holländer erkannten in der dargestellten Geschichte ihren eigenen Aufstand gegen die Spanier wieder – war es das größte je von Rembrandt geschaffene Bild, fand aber keinen Gefallen und wurde bald wieder abmontiert und beschnitten.

Tatsächlich hat das noch immer mächtige Bild mit seinem wilden Geflecht aus Gelb- und Braun-Schattierungen und sichtbaren Pinselstrichen wenig Heroisches an sich; zugleich scheint es von innen heraus zu strahlen und die Pioniertaten anderer Maler wie Joseph William Turner vorwegzunehmen.

Vergeistigt

Die malerische Innovationskraft des reifen Rembrandt bleibt jedoch nicht der einzige Themen-Fokus der Schau: Der Meister, der in seinem Leben den Verlust von Frau und Kindern sowie arge Finanznöte erleiden musste, erscheint in der Schau auch als ein abgeklärter Denker und Sinnsucher.

Ein Raum ist Bildern gewidmet, in denen der Meister um das Thema innerer Konflikte kreiste: Rembrandt malte Jesus, der im Garten Gethsemane betet („Lass diesen Kelch an mir vorübergehen“) oder Lucretia, die sich aus Ehrgefühl selbst ersticht; daneben hängen Bildnisse von Aposteln und Mönchen, die der Maler scheinbar auf halbem Weg zwischen Versenkung und Erleuchtung festhalten konnte. Und immer wieder erscheint das Bildnis von Rembrandt selbst – melancholisch, nachdenklich, bestimmt. Das allerletzte Bild der Schau (1669) zeigt den greisen Simeon, der im Jesuskind im Tempel den Messias erkennt – und weiß, dass er nun in Frieden sterben kann. Es ist das letzte Gemälde, das Rembrandt schuf; es blieb bei seinem Tod unvollendet.

Der Künstler

Rembrandt Harmensz van Rijn wurde 1606 im niederländischen Leiden geboren. 1631 übersiedelte er nach Amsterdam, wo er sich bald als Porträtmaler einen Namen machte. 1634 heiratete er Saskia Uylenburgh, die Nichte seines Händlers und Arbeitgebers Hendrik Uylenburgh. Ein aufwändiger Lebensstil und hohe Schulden machten dem Meister bald zu schaffen; sein Haus und seine umfassende Kunstsammlung wurden ab 1656 sukzessive versteigert; in seinen letzten Jahren hatte er keine Verfügungsgewalt über sein Vermögen mehr. Rembrandt starb 1669.

Die Ausstellung

Die Schau "Rembrandt - The Late Works" ist bis zum 18. Jänner 2015 in der National Gallery, London, zu sehen. Von 12. Februar bis 17. Mai 2015 kann sie im Rijksmuseum, Amsterdam besucht werden. Bis 15. Februar 2015 widmet auch das Museum der Bildenden Künste in Budapest dem Meister eine Schau: "Rembrandt und das Goldene Zeitalter der Niederlande".

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