Reichenau: Moskau liegt heuer an der Rax

Bonjour Tristesse: Regina Fritsch, Petra Morzé und Stefanie Dvorak (v. li.) brillieren in Reichenau als Anton Tschechows „Drei Schwestern“.
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Mit Tschechows "Drei Schwestern" zeigen die Festspiele Reichenau, wie Theater im Sommer auch fordern darf.

Leichte Kost sieht anders aus. Doch mit Anton Tschechows Familien-Drama "Drei Schwestern" bringen die Festspiele Reichenau ein betörend-unterkühltes Familiendrama auf die Bühne, das trotz einiger Längen unter die Haut geht.

Nach Moskau - da wollen sie hin, die drei vor sich hin welkenden Schwestern Olga, Mascha und Irina. Doch sie bleiben hängen, in der russischen Provinz, in ihren ungelebten Träumen, Welten und Lebensentwürfen.

Vollendet

So hat es Tschechow geschrieben, so zeigt es Regisseurin Maria Happel im Theater Reichenau. Peter Loidolt hat dafür das passende, stilisierende Bühnenbild geschaffen. Und Regisseurin Happel (sie spielt auch die alte Kinderfrau Anfissa) vertraut ganz auf ihr exzellentes, vollendetes Ensemble.

Wen zuerst nennen? Regina Fritsch vielleicht, die ihre Mascha zwischen Scarlett O' Hara und einer düster-vorhersehenden Kassandra anlegt. Oder Stefanie Dvorak, die als Irina aus allen Jungmädchenträumen direkt der Hysterie verfällt. Oder Petra Morzé als Olga, deren Dasein sich im Dahinvegetieren letztlich nicht erfüllt.

Dazu kommt noch Dorothee Hartinger, die als Natalja einen bösen Provinztrampel gibt, die ihren Mann Andrej (gut: André Pohl als verloren-resignierendes Weichei) perfekt unter der Fuchtel hat.

Und die übrigen "Herren der Schöpfung"? Der große Peter Matić macht aus der kleineren Figur des alten Militärarztes eine echte Hauptrolle; Dirk Nocker, Markus Meyer, Gerrit Jansen, Tobias Voigt und Michael A. Pöllmann füllen ihre Partien aus. Letztlich bleibt ein starker, auch fordernder Tschechow.

KURIER-Wertung: ****
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