Kultur 25.01.2012

Regisseur Theo Angelopoulos ist tot

Theodoros Angelopoulos: einer der wichtigsten europäischen Filmemacher der letzten 40 Jahre © Bild: epa

Der preisgekrönte griechische Autorenfilmer ist 76-jährig bei einem Verkehrsunfall während Dreharbeiten gestorben.

Der griechische Filmregisseur Theodoros (Theo) Angelopoulos ist tot. Der 76-Jährige starb am Dienstagabend an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Angelopoulos wurde von einem Motorrad erfasst, als er bei Dreharbeiten nahe der Hafenstadt Piräus eine Straße überquerte. Nach Angaben eines Krankenhaussprechers hatte er schwere Kopfverletzungen erlitten. Theodoros Angelopoulos galt als einer der wichtigsten europäischen Regisseure der letzten 40 Jahre. Er bekam mit dem Film "Alexander der Große" 1980 bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen. 1998 erhielt er die Goldene Palme in Cannes für den Film "Ewigkeit und ein Tag" mit Bruno Ganz.

Reaktionen: Schock und Vorwürfe nach dem Tod Angelopoulos`

Der "Blick Griechenlands"

Angelopoulos galt für viele Griechen als der "Blick Griechenlands". Er konnte in seinen Filmen die jüngere Geschichte Griechenlands mit einer eigenartigen Atmosphäre und von seinem unverkennbaren Blickwinkel aus wiedergeben. "Theo", wie viele seiner Freunde ihn nannten, bezeichnete seine Filme als eine Art Dichtung: "Ich erwarte nicht von Dir, dass Du das verstehst was ich mit meinen Filmen meine. Ich erwarte von Dir, dass Du das verstehst, was Deine Seele aus diesen Filmen versteht. Es ist eben wie Dichtung", sagte er immer wieder. Angelopoulos wurde am 27. April 1935 in Athen geboren. 1941 wurde Griechenland von den Achsen-Mächten besetzt. Es folgte ein fürchterlicher Bürgerkrieg, dessen politisch-gesellschaftliche Folgen sein Leben und das Leben von Millionen Griechen verändern sollte. Angelopoulos wurde fasziniert vom Kino, dem Medium, das damals einen Ausweg aus der Misere gab, wie er sagte. Nach einem nicht abgeschlossenen Rechtswissenschaftsstudium wanderte er nach Frankreich aus. 1964 kehrte er nach Griechenland zurück. Die Anerkennung kam erst in den 1970er Jahren, als er sich in drei Filmen mit der jüngsten und schmerzhaften Geschichte seines Landes auseinandersetzte.

Goldener Löwe und "verspätete" Goldene Palme

"Der Blick des Odysseus": Auf der Suche nach den verschollenen Filmrollen des ersten griechischen Films irrt ein Filmregisseur (Harvey Keitel) wie Odysseus durch ein entfremdetes Europa.
© Bild: trigon-film

Für einen davon, " Alexander der Große", bekam er 1980 bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen. Für "Landschaft im Nebel" erhielt er 1988 den Silbernen Löwen. Bekannt sind auch seine Streifen "Der Bienenzüchter" und "Reise nach Kythera". In den 1990er Jahren ging es auch um Themen wie Migration. Dabei kamen Filme wie "Der schwebende Schritt des Storches" oder "Blick des Odysseus" heraus, in denen er sich mit dem Zerfall des Sozialismus auseinandersetzte. Für diesen "Blick"-Film, der für viele Griechen und Angelopoulos selbst wohl als sein bestes Werk gilt, bekam er 1995 in Cannes den Großen Preis der Jury - nicht aber die Goldene Palme. Er zeigte sich damals von seiner "giftigen Seite" und verkündete beleidigt: "Wenn das alles ist, was Sie für mich haben, habe ich nichts zu sagen." Angelopoulos riss sich aber zusammen und nahm einen neuen Anlauf. 1998 bekam er endlich die Goldene Palme in Cannes für den Film "Ewigkeit und ein Tag" mit Bruno Ganz und Isabelle Renauld. Angelopoulos war kein einfacher Mensch. Man musste sich immer Mühe geben, ihn zu verstehen. Seine Charaktere waren schwierig und undurchsichtig. In der Regel waren es tragische Figuren. Rückkehrer aus dem Exil, Regisseure ohne Inspiration, sterbende Schriftsteller. Angelopoulos machte es dem Zuschauer nicht leicht: "Ich mache Filme für mich - nicht für die anderen", sagte er immer wieder. Angelopoulos starb so wie er gelebt hat: Bei den Dreharbeiten seines Filmes "Das andere Meer".

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Erstellt am 25.01.2012