Rainald Goet

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Literaturpreis
07/08/2015

Rainald Goetz erhält Georg-Büchner-Preis

Der deutsche Schriftsteller sorgte erstmals 1983 beim Bachmannpreis mit einer Rasierklinge für Aufsehen.

Der Schriftsteller Rainald Goetz bekommt den Georg-Büchner-Preis 2015. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Mittwoch in Darmstadt mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland.

Goetz habe sich "mit einzigartiger Intensität zum Chronisten der Gegenwart und ihrer Kultur gemacht", begründete die Akademie ihre Entscheidung. Die Verleihung des Preises ist am 31. Oktober 2015 in Darmstadt vorgesehen.

Vom Arzt zum Literatur-Provokateur

Rainald Goetz (61) verdankt seinen frühen literarischen Ruhm einer Provokation: Beim Ingeborg-Bachmann-Literaturwettbewerb ritzte sich der studierte Mediziner 1983 in Klagenfurt mit einer Rasierklinge die Stirn auf. Kurz danach erschien sein erster Roman "Irre", in dem Goetz das ernüchternde Leben eines Assistenzarztes in der deutschen Psychiatrie beschreibt.

Fortan widmete sich Goetz, der mit Anfang 30 den Arztberuf aufgab, mit großer Intensität der bundesrepublikanischen Wirklichkeit. Und er liebte es weiterhin, den von ihm wenig geschätzten Kultur- und Medienbetrieb zu provozieren. Goetz schrieb über Rave und Techno. Er entwickelte als einer der ersten 1998 im Internet ein Blog zur Medien- und Konsumwelt, das als "Abfall für alle" in Buchform erschien.

Revolutionsgeschichte

Neben seinen Erzählungen und Romanen ist der in München geborene Goetz bereits in den 1980er Jahren mit Theaterstücken bekanntgeworden. Die erste Trilogie "Krieg" beschäftigte sich mit 200 Jahren Revolutionsgeschichte. Eine zweite Trilogie nahm sich Anfang der 90er Jahre des Verhältnisses der Deutschen zu ihrer Geschichte an.

Als Autor trat Goetz wieder 2012 mit seinem Gesellschaftsroman "Johann Holtrop" hervor, der Aufstieg und Fall eines zynischen Medienmanagers zum Thema hat. Für sein Werk wurde der in Berlin lebende Goetz vielfach ausgezeichnet.

Stichwort: Büchner-Preis

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt vergibt den Preis seit 1951. Allerdings gab es 1952 keine Auszeichnung, weil man sich damals nicht auf einen Preisträger einigen konnte. Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner ("Woyzeck"). Die Auszeichnung erhalten Schriftsteller und Dichter, "die in deutscher Sprache schreiben, durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben".

Unter den bisherigen Preisträgern sind die renommiertesten Namen der deutschsprachigen Literatur zu finden: Gottfried Benn (1951), Erich Kästner (1957), Heinrich Böll (1967), Hermann Kesten (1974) , Friedrich Dürrenmatt (1986), Felicitas Hoppe (2012) oder Sibylle Lewitscharoff (2013). Im vergangenen Jahr erhielt Jürgen Becker die Auszeichnung. Mit zuletzt u.a. Elfriede Jelinek (1998), Friederike Mayröcker (2001), Josef Winkler (2008) und Walter Kappacher (2009) wurden auch mehrfach österreichische Schriftsteller damit ausgezeichnet.

Den Büchner-Preis gibt es eigentlich schon länger. Erstmals verliehen wurde er am 11. August 1923 vom "Volksstaat Hessen", damals "an bildende Künstler, an Dichter, an Künstler, an hervorragende ausübende Künstler, Schauspieler und Sänger". Die Auszeichnung wurde 1951 in einen Literaturpreis umgewandelt und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zur Verfügung gestellt.

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