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Radu Judes „Dracula“: Impotenter Schauspieler als blutsaugender Graf

Ein talentloser Regisseur will mithilfe künstlicher Intelligenz einen Vampirfilm drehen: Schräge Satire des rumänischen Regisseurs Radu Jude.
Ein Mann mit Schnurrbart, Vampirzähnen und einer verzierten Kopfbedeckung vor blauem Hintergrund.

Von Gabriele Flossmann

In Radu Judes schräger Komödie werden 14 durch das Thema Vampirismus verbundene Geschichten erzählt. Woraus sich das Problem ergibt, wie man den Film am besten so einfach wie möglich beschreibt: Er ist total verrückt.

Wer Adaptionen von Bram Stokers Kult-Roman erwartet, wird nicht bedient. „Dracula“  ist vielmehr eine Kritik an Fake News. Der rumänische Filmemacher pfeift auf guten Geschmack und hinterfragt Politik, Wirtschaft, Geschichte und seine lokale Kultur. Nach dem Motto: Erwartet euch nicht zu viel vom Ende der Welt. Als primäres Werkzeug für seine Satire setzt Jude auf generative KI. Ein riskantes Unterfangen, das einerseits von KI-Anhängern begeistert aufgenommen und andererseits von eingefleischten Cineasten verworfen werden könnte.

Allerdings nimmt sich Radu Jude dabei selbst ziemlich offensichtlich auf die Schaufel: Der Film handelt von einem Regisseur, dessen mangelndes Talent ihn dazu bringt, eine KI zu beauftragen, eine Version von „Dracula“ zu erschaffen, die ihm Hollywood-Ruhm einbringen soll. Zwar gibt es eine Haupthandlung rund um den blutsaugenden Grafen - der von einem impotenten Schauspieler gespielt wird - wichtiger ist aber die Nebenhandlung: die Anweisungen, die der Regisseur der KI gibt, um das Ganze zu inszenieren.

Man kann darüber lachen, dass der Computer nicht einmal annähernd Standardtechniken des Filmemachens beherrscht und auch kein Gespür für das Genre hat. Zwei Beispiele: Als der Regisseur die KI anweist, einen sexy Lesben-Vampirfilm zu drehen, gibt diese zu, keine Funktionen für Diversität zu besitzen, da sie für den europäischen Markt entwickelt wurde. An einer anderen Stelle versucht er, F. W. Murnaus „Nosferatu“ neu zu verfilmen, doch der Computer interpretiert den Klassiker als Werbespot für Vitamine, Tourismus und Pornografie. Die Botschaft ist klar: Jude hasst KI. Und wer seine Empfindungen teilt, wird sich im Film gut amüsieren.

INFO: RO/AT/LU 2025. 170 Min. Von Radu Jude. Mit Lukas Miko, Neil Young, Adonis Tanța.

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