Kultur
05.11.2017

Queens Of The Stone Age: Wild und einseitig

Die Band um Josh Homme hackte in der Wiener Stadthalle zwei Stunden in die Saiten.

Deutlich mehr Synthesizer, tanzbar, Glam-Rock, der aufs Gaspedal drückt. Das waren die Attribute, die Kritiker „Villains“, dem im Juni erschienenen neuen Queens-Of-The-Stone-Age-Album, zuschrieben. Als die Band um Josh Homme Sonntag in der Wiener Stadthalle auftrat, um dieses siebente Studio-Werk vorzustellen, war davon kaum etwas zu hören. Die Amerikaner verlegten sich von Anfang an auf Dampfhammer-Rock.

Anfangs bei „My God Is The Sun“ und „Feet Don’t Fail Me“ ist die Energie, die Queens Of The Stone Age ausstrahlen, erstmal noch aufbauend: Drums, die feuern wie ein Maschinengewehr, Gitarren, die hacken und mit Turbotempo vorwärts stampfen. Und Homme als Sänger, der zwar wenig Wiedererkennungswert in der Stimme hat, aber trotzdem so klar und rein klingt, wie kaum jemand in der Heavy-Szene.

Das große Manko: Der Sound ist mies. Die drei Gitarren, die die Queens fast immer gleichzeitig im Einsatz haben, dröhnen alles zu. Nuancen sind nur selten zu hören, es gibt nur das Stampfen und Feuern, das mal mehr an Boogie und mal mehr an Blues erinnert.

In der Mitte des Sets hat sich das abgenützt, ist zu einem eintönigen Trott geworden. Wer nicht absoluter Hard-Core-Fan ist, geht jetzt Bier holen, oder hockt sich auf das Verkaufspodest des Zuckerlhändlers, um im Internet zu surfen. Vor einigen Jahren hatte Homme an dieser Stelle für Abwechslung gesorgt, indem er sich ans Klavier setzte und für die recht nachdenklichen Songs des vorigen Albums einen Gang zurückschaltete. Jetzt hat er mit „Villains“ zwar auch ein facettenreiches Album vorzustellen, aber Songs wie „The Way You Used To Do“ und „Domesticated Animals“ verlieren hier den Charakter, den sie in der Produktion von Mark Ronson auf der Platte haben.

Nur wenige Songs unterbrechen diese Einseitigkeit: „I Sat By The Ocean“, oder das lustig dahin hoppelnde „Make It Wit Chu“ und die Ballade „Villains Of Circumstance“ bringen Abwechslung. Kurz. Zu kurz. Denn gleich danach gibt wieder Business as usual, das Feuern und das Stampfen.

Nicht wenige gehen deshalb schon vor der Zugabe. Denn obwohl Homme und seine Band im Studio immer offen dafür waren, viele andere stilistische Einflüsse in ihren Rock einzubauen, bleiben sie in Stadthalle bis zum Ende strikt bei wuchtigen Heavy Rock. Aber um den ganze zwei Stunden lang spannend gestalten zu können, bräuchten Queens Of The Stone Age einiges mehr an markanten Songs.