Puppenspiele­rin Gretl Aicher ist tot

frau mit ihren puppen
Foto: Walter Schweinöster Gretl Aicher im Kreise ihrer Puppen

Die Prinzipalin des Salzburger Marionettentheaters verstarb am Mittwoch im Alter von 84 Jahren. Sie war die Grande Dame des Puppenspiels.

Gretl Aicher, Grande Dame des Puppenspiels in Österreich und Prinzipalin des Salzburger Marionettentheaters ist am Mittwoch im Alter von bald 84 Jahren einem Herzversagen erlegen. Aicher hatte im Alter von 16 Jahren mit dem Puppenspiel begonnen und das 1913 von ihrem Großvater gegründete Theater im Jahr 1977 übernommen und bis gestern auch geleitet. Völlig unerwartet versagte das Herz der Puppenspielerin.

"Wenn bei einer Vorstellung ein Faden riss und der Kopf einer Puppe plötzlich leblos an der Seite hing, dann sagte Gretl immer, wir sollten weitermachen, als wäre nichts passiert", erinnerte sich Michaela Obermayr, die seit 18 Jahren neben Gretl Aicher die Puppen an den Fäden durch Geschichten führt. "Genau das hätte sie jetzt von uns gewollt, und genau das werden wir auch tun."

Bedingungsloser Einsatz

Dennoch, das Loch, das ihr Tod reißt, sei "riesengroß und kaum zu stopfen", sagte Heide Hölzl, Schneiderin, Puppenspielerin und seit 1960 am Haus. "Gretl war die Seele des Hauses. Sie hat nie geheiratet und blieb kinderlos. Das Puppentheater war ihre Welt, ihre Familie. Sie war bis zuletzt in allen zehn Musiktheater-Produktionen - von Mozart bis Sound of Music - aktiv dabei. Erst im November 2011 waren wir zusammen auf Italien-Tournee, und im Jänner 2012, kurz vor unserer Winterpause, hat sie ihre letzte `Zauberflöte` gespielt. Der `Papageno` war ihre Lebensrolle, seit 1952 müssen es viele Tausende Male gewesen sein, dass diese Figur an ihren Fäden hing."

Noch am Dienstagabend hat Aicher die Proben zu Wagners "Ring des Nibelungen" mitgestaltet, den das Marionettentheater am 30. März gemeinsam mit dem Landestheater in einer Kurzfassung zur Premiere bringen wird. Am Mittwoch früh hatte sie Schmerzen im Arm, und Nachbarn riefen die Rettung. Im Rettungsfahrzeug soll sie behauptet haben, gesund zu sein und verlangte, in die Probe gebracht zu werden, berichtete Hölzl der APA. "Dieser bedingungslose Einsatz für das Marionettentheater hat ihr Bewunderung, Respekt und Loyalität eingebracht", schilderte die 69-jährige Hölzl, die selbst bereits seit 51 Jahren die Fäden zieht. "Aicher hinterlässt ein Ensemble mit Zusammenhalt, wir werden weitermachen und das Marionettentheater am Leben erhalten."

(apa / tem) Erstellt am
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