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Kritik
11/15/2021

Premiere von "La Wally": In den Tiroler Bergen regiert die krachlederne Folklore

Alfredo Catalanis Opernrarität „La Wally“ im Theater an der Wien.

von Peter Jarolin

"Wer braucht denn das?“, hieß es hinter vorgehaltener Hand vielerorts nach der Premiere von Alfredo Catalanis „La Wally“ im Theater an der Wien. Und tatsächlich: Dieses Stück wird nicht zu Unrecht selten gespielt und hat keinen Eingang in das Repertoire der Opernhäuser gefunden. Nur der berühmte Dirigent Arturo Toscanini war – er leitete 1892 eine der ersten Aufführungen dieses Verismo-Reißers an der Mailänder Scala – so begeistert, dass er seine Tochter auf den Namen Wally taufen ließ.

Banal

Und auch Intendant Roland Geyer hat im Theater an der Wien bekanntlich ein (feines) Faible für Raritäten und wollte hier eine Ehrenrettung betreiben. Mit mäßigem Erfolg.

Denn die Schwächen dieses Liebe-Blut-Boden-Alpendramas lassen sich schwer kaschieren. Allein die mehrfach verfilmte Vorlage von Wilhelmine von Hillern („Die Geier-Wally“) ist an Banalität kaum zu überbieten. Catalani hat (Libretto: Luigi Illica) auch nur einen wirklichen Hit (die Arie „Ebben? Ne andrò lontana“) komponiert. Ein echtes One-Hit-Wonder, das berühmte Sopranistinnen wie Maria Callas oder Renata Tebaldi in ihren Arien-Programmen sehr gerne aufgenommen haben.

Ansonsten jedoch ist diese in den Tiroler Bergwelten angesiedelte Geschichte eher ein billiger Dreigroschenroman. Da geht es um den alten, sturen und bösen Stromminger (physisch sehr präsent: Opernlegende Alastair Miles), der seine Tochter Wally mit dem sie liebenden, depressiven Gellner (sehr solide: Bariton Jacques Imbrailo) verheiraten will. Wally aber liebt einen gewissen Hagenbach (mit forcierten Höhen, aber mit Ausdruck: Tenor Leonardo Capalbo). Es gibt viele Irrungen (Mordanschläge inklusive), bis Wally und Hagenbach ihre Liebe erkennen. Nur dumm, dass eine Lawine Hagenbach in den Tod reißt, Wally stürzt sich hinterher. Na ja.

Rustikal

Regisseurin Barbora Horáková Joly verzichtet zwar auf einen szenischen Lawinenabgang, stellt sonst auch mithilfe diverser Videos und einem Stahlgerüst (Ausstattung Eva-Maria van Acker, Video: Tabea Rothfuchs) ein kaltes Alpenpanorama auf die Bühne. Das funktioniert ganz gut, zumal Izabela Matula eine starke, burschikose Wally ist, Sofia Vinnik, Ilona Revolskaya, Zoltán Nagy sowie der Arnold Schoenberg Chor tadellos assistieren. Ein rustikales (Kitsch-)Tirol mit Maibaum, Trachten und Kirchengängen ist die Folge.

Passend dazu lässt es Dirigent Andrés Orozco-Estrada am Pult der sehr animierten Wiener Symphoniker oft so richtig krachen. Ein musikalischer Sieg der Lederhose über fein ziselierte Passagen. Das passt dann irgendwie.

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