Kultur
19.04.2018

Premiere an Hitlers Geburtstag: Theatermacher provozieren

In Konstanz feiert "Mein Kampf" Premiere am 20. April - Adolf Hitlers Geburtstag. Kritiker sprechen von "Geschmacklosigkeit".

Bei der Premiere des Stückes „Mein Kampf“ von George Tabori am 20. April im Theater Konstanz können sich die Zuschauer entscheiden: Beim regulären Erwerb einer Eintrittskarte bekommen sie einen Davidstern als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu tragen. Wer freien Eintritt möchte, muss sich hingegen ein Hakenkreuz-Symbol anstecken. Beides wird vom Theater zur Verfügung gestellt. Beim Premierentag handelt es sich außerdem um Adolf Hitlers 129. Geburtstag.

Regie führt der Kabarettist Serdar Somuncu, der für sein provokantes Verhalten bekannt ist. In der Vergangenheit warf er öffentlich mit obszönen Beleidigungen um sich, und nannte sein eigenes Publikum "einen Haufen Nazi-Schweine".

Ob Kunst oder Marketingmaßnahme – die Idee des Theaters sorgt für Kontroversen. In einem offenen Brief meldeten sich etwa die Deutsch-Israelische Gesellschaft in der Bodensee-Region und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz zu Wort. "Die Geschmacklosigkeit hat Programm. Die Premiere findet an Hitlers Geburtstag statt. Wir sind der Meinung, dass dieser bizarre 'Marketing-Gag' (Somuncu) des Stadttheaters Konstanz nicht akzeptabel ist. Es gibt eine dritte Option: Man kann auch keine Theaterkarte kaufen“, heißt es darin.

Durch Tabubruch Gespräch beleben

Der Leiter des Theaters Konstanz, Christoph Nix, sieht das ganz anders: Durch den Tabubruch wolle man das Gespräch über Faschismus neu beleben, sagt er.

Und auch die Staatsanwaltschaft Konstanz muss sich mit der Produktion des Stückes beschäftigen. Da es in Deutschland illegal ist, Nazi-Symbole zum öffentlichen Gebrauch zu produzieren, habe es schon einige Beschwerden gegeben. Man habe sich aber entschlossen, nicht zu ermitteln, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

Eine Sprecherin des Theaters bestätigte indes dem Spiegel, dass es bereits 50 Anfragen auf Freikarten gebe.