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Kultur
04/08/2020

Pianist Buchbinder: "Die Künstler sind in Nullarbeit“

Rudolf Buchbinder. Der Starpianist über Zwangspausen, das Coronavirus und die wirtschaftlichen Folgen.

von Peter Jarolin

Eigentlich wäre sein Kalender für die nächsten Monate wieder übervoll gewesen. Konzerte in Österreich, in halb Europa, aber auch in China, Japan oder Südkorea waren geplant. Seit der Coronavirus-Pandemie ist auch Starpianist Rudolf Buchbinder weitgehend zur Untätigkeit gezwungen. Wobei es das Wort „untätig“ nicht so ganz trifft.

„Wir sind glücklicherweise zu Hause in Wien, sortieren, arbeiten, und ich gehe am Klavier wieder alle Sonaten Ludwig van Beethovens durch. Im Laufe der Jahre schleichen sich immer wieder Kleinigkeiten ein, die man zwar nicht hört, die mich aber stören. Daran feile ich jetzt. Außerdem studiere ich neue Zugaben ein und widme mich etwa Johannes Brahms. Dessen Klavierstücke sind faszinierend“, so Buchbinder im KURIER-Gespräch.

Schwere Zeiten

Doch wie kommentiert der Künstler den absoluten Stillstand des kulturellen und sozialen Lebens? „Es ist eine sehr schwere Zeit für uns alle. Was die Kultur betrifft, so wird das für viele Institutionen problematisch. Da kämpfen weltweit alle ums Überleben. Am schlimmsten sind die Musiker betroffen, die nicht fix in einem großen Orchester sind, sondern projektbezogen engagiert werden. Sie trifft es am härtesten, weil sie gar keine Gagen bekommen.“

Buchbinder weiter: „Aber auch die Künstleragenturen verlieren ihre Provisionen. Die großen und kleinen Veranstalter ebenso. Und was ist mit den vielen Arbeitern vor und hinter der Bühne? Niemand von uns ist angestellt. Wir sind nicht in Kurzarbeit, wir sind alle in Nullarbeit. Für viele ist das ein existenzbedrohender Zustand.“

Und wie sieht es mit dem Musikfestival Grafenegg aus, dessen erfolgreicher künstlerischer Leiter Buchbinder ist? „Vorerst geht einmal bis Ende Juni überhaupt nichts. Die Sommernachtsgala am 18. und 19. Juni kann einmal nicht stattfinden. Was mit den Sommerkonzerten im Juli und dem Festival im August ist, wird sich weisen.“

Hoffnungsschimmer

Eine kleine Hoffnung hat der Intendant aber: „Wir haben in Grafenegg den Vorteil, dass wir keine szenischen Produktionen machen, und daher keine langwierigen Vorproben notwendig sind.“ Aber: „Man wird erst sehen, ob und wenn ja welche Beschränkungen es dann noch gibt. Vor allem ein Thema ist da von Relevanz: Die Reisebeschränkungen. Kann ich zum Beispiel nach Japan einreisen, ohne zwei Wochen in Quarantäne zu müssen? Und umgekehrt. Können unsere internationalen Orchester nach Grafenegg kommen? Das alles steht in den Sternen. Absagen für Grafenegg gab es jedoch bisher noch nicht.“

Herzensprojekte

Buchbinder: „Auch die Franzosen halten vorläufig an Terminen fest. Ich soll etwa Mitte Mai Konzerte in Paris spielen und bekomme nach wie vor Probenpläne zugeschickt. Ich bin grundsätzlich auch ein Optimist. Aber manche denken da vielleicht doch zu optimistisch.“

Einige von Buchbinders Herzensprojekten mussten jedenfalls verschoben werden. „Dass wir den Abschluss des Beethoven-Projekts mit allen fünf Klavierkonzerten, mit fünf verschiedenen Dirigenten und Orchestern nicht planmäßig abwickeln können, stimmt mich traurig. Vier haben wir geschafft. Und ich finde, sie sind sehr schön geworden. Obwohl ich mir nie eigene Aufnahmen anhöre. Aber auch die letzte Live-Einspielung mit Christian Thielemann und den Dresdnern wird kommen.“

Wie auch die Fortsetzung des Projekts „Diabelli 2020“, das Anfang März im Musikverein seine triumphale Uraufführung erlebte. Buchbinder: „Es tut weh, dass dieses Konzert das letzte war, das Intendant Thomas Angyan in seiner Funktion als Chef des Musikvereins hören konnte. Ich hätte ihm nach großartigen 32 Jahren eine vollständige Saison so sehr gewünscht.“

Unsterbliche Musik

Aber: ,Diabelli 2020“ geht weltweit weiter. „Denn Musik ist ja unsterblich, weil es keine authentische Interpretation gibt. Man kann etwa die fünfte Symphonie Beethovens zehn Mal sehr gut hören, sie wird aber jeden Abend anders klingen. Das merke ich bei meiner Beschäftigung mit Beethoven. Wir brauchen einfach dieses Live-Erlebnis, das oft unwiederbringlich ist. Daher hoffe ich, dass sich spätestens im Herbst die Situation wieder normalisiert hat. Das Traurigste momentan ist ja: Wir hätten jetzt alle einmal viel Zeit, dürfen aber unsere Freunde nicht sehen. “

Und: „Tröstlich ist aber, dass mir etwa Valery Gergiev eine sehr liebe Nachricht geschrieben hat. Darin steht: ,Rudi, das ist eine schlimme Zeit. Aber wir haben die Musik und bald haben wir auch wieder unser Publikum und unsere Freunde.’ Darauf hoffe ich.“

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