© APA/AFP/ALEX HALADA

Kritik
12/05/2021

Philharmonischer Luxus auch im Fernsehen: Welser-Möst und Mahler

Reiseerzählungen und ein Ausnahme-Aufnahmekonzert, und warum Seiji Ozawa noch einmal dirigieren konnte.

von Peter Jarolin

Die Wiener Philharmoniker sind zurück. Auf jeder Ebene. Physisch, weil das Weltorchester nach einer überaus triumphalen Asien-Tournee (samt Kurzgastspiel in Ägypten) mit Riccardo Muti wieder in Wien gelandet ist. Musikalisch, weil die Wiener Philharmoniker nicht nur die Fernseh- und Streaming-Premiere von Wolfgang Amadeus Mozarts „Don Giovanni“ an der Wiener Staatsoper bestritten haben, sondern auch im Goldenen Saal des Musikvereins groß aufspielten.

Gemeinsam mit Dirigent Franz Welser-Möst hat man die neunte Symphonie von Gustav Mahler ohne Publikum realisiert, dafür allerdings für die Nachwelt festgehalten. Und wer das Privileg hatte, bei der Aufnahme dabei sein zu dürfen, wird sich den 13. Dezember für ORF III und „Wir spielen für Österreich“ freihalten. Dann nämlich ist dieses Konzert (auch auf www.myfidelio.at) zumindest im Heimkino zu erleben. Eine überirdische Mahler-Erfahrung, die kaum mehr zu überbieten ist. Allein der vierte Satz . . . aber das ist ja keine Konzertkritik.

Fußfesseln

Im Rahmen der Aufnahmen gaben Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer und Geschäftsführer Michael Bladerer Einblicke in das Innenleben des Luxusklangkörpers; Franz Welser-Möst kam über Mahlers Musik zu Wort. Über die Asien-Tournee: „Wir haben insgesamt 14 Konzerte gespielt. Jedes war ausverkauft, und Riccardo Muti hat Unfassbares geleistet.“ Aber: „Wir sind alle geimpft, wurden jeden Tag getestet, durften die Hotels nur für die Konzerte verlassen. Ein kurzer Spaziergang im Freien fühlte sich an wie mit einer Fußfessel“, so Michael Bladerer. Froschauer ergänzt: „Aber wir hatten so viele beglückende und berührende Erlebnisse.“

Eines davon: Der inzwischen 86-jährige japanische Dirigent Seiji Ozawa (einst auch Musikdirektor im Haus am Ring) konnte das Orchester noch ein Mal kurz dirigieren. Daniel Froschauer: „Seiji Ozawa sitzt im Rollstuhl, er kann kaum sprechen, sich nur über die Augen und die Arme ausdrücken. Doch Riccardo Muti hat ihm das Podium überlassen. Das war für uns alle eine große Geste.“

Groß ist auch das, was auf die Wiener Philharmoniker wieder zukommt. Am 1. Jänner 2022 findet bekanntlich das Neujahrskonzert statt. Dirigent ist Daniel Barenboim; Millionen Menschen werden weltweit via ORF und EBU an den Bildschirmen dabei sein.

Planungen

Doch wird es Publikum im Saal geben? Froschauer: „Im Moment gehen wir davon aus, dass wir vor einem vollen Haus spielen dürfen. Aber wir sind flexibel, weil wir auch ein Abziehbild der heutigen Gesellschaft sind. Wir planen daher lang-und kurzfristig.“ Michael Bladerer ergänzt: „Wir haben die Saison 2024/’25 im Auge, aber können auf alle Unabwägbarkeiten immer reagieren.“ Fest steht jedenfalls, dass auch das nächste Philharmonische am 12. Dezember für TV aufgezeichnet wird. Am Pult steht Kirill Petrenko.

Peter Jarolin

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.