Phil Collins: 70 Jahre alt

© Kurier/Franz Gruber

Kultur
01/28/2021

Phil Collins und Justin Timberlake feiern runde Geburtstage

70 und 40 Jahre alt: (Nicht) pensionsreif und (keine) Midlife-Krise.

von Guido Tartarotti

Dieses Wochenende gehen die Achtziger-Jahre in Pension, und die Nuller-Jahre kommen in die Midlife-Crisis. Phil Collins, der die 80er mit streichfähigen Balladen und kathedralengroßen Schlagzeugklängen beschallt hatte, wird am Samstag 70 Jahre alt. Und Justin Timberlake, der ewige Bub, der Konsenspopstar des ersten Jahrzehnts im neuen Jahrtausend, wird am Sonntag allen Ernstes 40. Ersteres ruft eher die Reaktion hervor: Was, der ist nicht älter? Zweiteres dagegen will man kaum glauben.

(Dass die Achtziger-Jahre 30 Jahre älter sind als die Nuller-Jahre, wirkt nur auf den ersten Blick komisch. In der Logik des Popgeschehens ergibt das durchaus Sinn. Gibt es aus heutiger Sicht etwas Älteres als die Achtziger-Jahre?)

Phil Collins und Justin Timberlake haben, zugegeben, nicht viel gemeinsam, abgesehen davon, dass sie von Beruf Sänger, Schauspieler sowie weltberühmt sind. Und dass sie zunächst als Mitglied einer Band bekannt wurden.

Phil Collins trat 1970 der Progressive-Rock-Gruppe Genesis als Schlagzeuger bei und übernahm 1975 auch das Mikrofon.  Justin Timberlake begann als Kinderstar in der  TV-Show „Mickey Mouse Club“ neben Britney Spears und Christina Aguilera, ehe er 1996 Teil der Boygroup *NSYNC wurde. Dass Timberlakes Talent schlicht viel zu groß war, um zu niedlichen Liedlein über die Bühne zu hopsen, war damals schon offenkundig.

Meistgehasst

Phil Collins begann 1981 eine Solo-Karriere, inspiriert durch seine erste Scheidung (das Thema Scheidung blieb für sein Leben bestimmend). Das Album „Face Value“ und der Song „In The Air Tonight“ mit seinem übergroßen Schlagzeugsound wurden stilprägend für das  Jahrzehnt. Danach verlegte er sich auf schmachtende Balladen, die  große Hits wurden, den Sänger aber auch zur Symbolfigur für die musikalische Glätte dieser Zeit machten. Für jeden nervigen Hitparaden-Song wurde ihm die Verantwortung zugeschoben, Phil Collins wurde zum Weltstar, den zu hassen man liebte.

Justin Timberlake debütierte solo 2002 mit dem Album „Justified“. Auch dieses prägte mit seinem geschmeidigen, zwischen Pop und R & B gemütlich Platz nehmenden Sound den Klang der Zeit –  und auch dieses wurde als oberflächlich kritisiert und vor allem von Rockfans leidenschaftlich gehasst. Als Timberlake bei einem SARS-Benefiz-Konzert der Rolling Stones in Toronto 2003 als Gast zu „Miss You“ auf die Bühne kam, wurde er mit Müll beworfen.

2004 sorgte Timberlake für einen der schönsten Skandale der amerikanischen Mediengeschichte: „Nipplegate“. Beim Pausen-Auftritt des Super Bowl entblößte er ein Stückchen Busen seiner Gesangspartnerin Janet Jackson. Die Aufregung im heuchlerisch-prüden Amerika war gigantisch.

Privates Ungemach

Phil Collins wollte 2020 eigentlich mit Genesis auf Reunions-Welttournee gehen, die Corona-Pandemie verhinderte das. Zuletzt machte er wieder Schlagzeilen mit privaten Ungeschicklichkeiten: 2015 zog er wieder mit seiner dritten Ex-Frau Orianne zusammen, von der er seit 2006 getrennt war. Im Sommer wurde bekannt, dass Orianne das gemeinsame Haus in Florida mit ihrem neuen Liebhaber bewohnte.

Collins gilt als großer Pechvogel der Rockgeschichte: Von vielen gehasst, aufgrund hässlicher Scheidungen von der Presse verfolgt, durch seine Alkoholsucht und aufgrund von Rückenoperationen gesundheitlich schwer angeschlagen. Seine jüngste Welttournee trug den sarkastischen Titel „Still Not Dead Yet“ (noch immer nicht tot).

Justin Timberlake dagegen schwimmt privat und beruflich auf der Erfolgswelle. Mit seiner Frau, der Schauspielerin Jessica Biel, zieht er zwei Kinder groß, seine Filme und Platten laufen erfolgreich. Gerade hat er auf Apple TV einen neuen Film herausgebracht: In „Palmer“ spielt er einen Ex-Häftling.

Ob er noch einmal eine neue Platte aufnehmen wird, lässt Phil Collins offen: „Ich war etwas faul in letzter Zeit.“ Das Schlagzeugspielen hat er aufgegeben: „Wenn ich es nicht so gut kann wie früher, dann lasse ich es lieber ganz. Ich möchte kein Schatten meiner selbst sein.“

Bergauf

Justin Timberlake zeigt wenig Angst vor seinem 40. Geburtstag. In der Talkshow von Ellen DeGeneres sagte er in Anspielung auf Corona: „Ich bin mir sicher, dass es besser wird als mein vergangenes Lebensjahr. Es geht nur noch bergauf, Baby.“

Eine Prognose sei gewagt: Phil Collins wird auch mit 80 noch mit Genesis auf eine wirklich allerletzte Reunionstour gehen. Und Justin Timberlake wird zumindest weitermachen, bis Billie Eilish 40 ist. Da wäre er dann 60.

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