Pharrell Williams (li.) und Robin Thicke haben derzeit wohl nicht so viel Spaß.

© REUTERS/RICK WILKING

Super-Hit ein Plagiat?
03/11/2015

Millionenstrafe für Pharrell Williams und Robin Thicke

Der Super-Hit "Blurred Lines" soll dem Gericht zufolge einem Song von Marvin Gaye ähneln.

Die beiden US-Musiker Pharrell Williams und Robin Thicke sind wegen Plagiatsvorwürfen rund um den Song "Blurred Lines" schuldig gesprochen worden. Die achtköpfige Jury eines Gerichts in Los Angeles verurteilte das Duo am Dienstag zur Zahlung von satten 7,4 Millionen Dollar (6,9 Millionen Euro) an die Familie der Soul-Legende Marvin Gaye.

Demnach ähnelt ihr Nummer-1-Hit von 2013 zu sehr dem Gaye-Hit "Got to Give It Up" aus dem Jahr 1977. Williams, der für seinen Song "Happy" berühmt ist, und Thicke hatten das Lied gemeinsam geschrieben und dabei mit dem Rapper T.I. kooperiert. Dieser wurde von den Vorwürfen am Dienstag aber entlastet. Der Prozess hatte zwei Wochen gedauert, beide Seiten hatten Musikexperten geladen, die die beiden Lieder analysierten. Auch Williams und Thicke sagten aus, sie waren bei der Urteilsverkündung aber nicht anwesend.

Gayes Tochter Nona zeigte sich hocherfreut und bezeichnete das Urteil als ein "Wunder". Die Familie habe Gaye verteidigt und den Fall vor Gericht gebracht, weil der Soul-Sänger "es nicht selbst konnte". Gaye war 1984 von seinem Vater erschossen worden.

Williams sehr enttäuscht

Ein Sprecher von Williams sagte dem Magazin Rolling Stone, er respektiere den juristischen Prozess, werde das Urteil aber gründlich studieren und alle möglichen "Optionen prüfen". "Wir sind sehr enttäuscht", sagte er dem Magazin. Williams habe "Blurred Lines" mit "Herz, Geist und Seele" geschaffen und sich bei niemandem bedient.

"Ich habe das 70er-Jahre-Gefühl übermitteln wollen. Wenn du manchmal auf deine Arbeit zurückblickst, dann siehst du das Echo anderer Leute", hatte der Musiker am vergangenen Mittwoch bei einer Gerichtsverhandlung erklärt. Er habe bei der Arbeit an dem Song aber nicht an ein bestimmtes Lied gedacht, sagte Williams.

Über Marvin Gaye sagte der Hit-Produzent: "Er ist einer von denen, zu dem wir so sehr aufschauen". Der Gerichtssaal sei "der letzte Ort, an dem ich jetzt sein will. Das Letzte, was du als Künstler machen möchtest, ist etwas von jemandem zu nehmen, den du liebst".

Vergleichen Sie: "Blurred Lines" - ein Plagiat?

In diesem Video werden die beiden Songs einander gegenüber gestellt. Entscheiden Sie selbst: Wie stark ist die Ähnlichkeit?

Ungewöhnliche Verteidigungsstrategie

Robin Thicke, der wegen der frauenfeindlichen Textzeilen seines Welthits bereits massive Kritik geerntet hatte, ließ während des Gerichtsverfahrens nichts unversucht, um dem Plagiatsvorwurf zu entkommen.

Im Februar gab Thicke im Gerichtssaal sogar eine Probe seines Könnens. Er spielte auf dem Keyboard ein Medley verschiedener Songs von U2, der Beatles, Bob Marley und Michael Jackson und sang dazu. Die Anwälte von Thicke legten vor Gericht dar, dass viele Popsongs die gleiche Abfolge von Akkorden aufwiesen. Zum Beweis gab der 37-Jährige unter anderen die Songs "With Or Without You", "Let It Be", "No Woman No Cry" und "Man In the Mirror" zum besten.

Bei Aufzeichnung unter Alkohol

Im Vorjahr hatte der Hollywood Reporter Auszüge aus Justizdokumenten veröffentlicht, denen zufolge Thicke als wahren Autor von "Blurred Lines" seinen Mit-Interpreten Pharrell Williams nannte. Anlass für Thickes Vernehmung war der Rechtsstreit mit den Erben von Marvin Gaye.

Thicke versicherte dem Bericht zufolge bei einer eidesstattlichen Aussage im April des Vorjahrs vor Gericht, am Abend der Aufzeichnung unter Alkohol und starken Schmerzmitteln gestanden zu haben, weshalb sein Eigenanteil verschwindend gering gewesen sei: "Die Aufnahme hätte auch ohne mich gemacht werden können. Ich hatte einfach das Glück, anwesend zu sein." Der eigentliche Kopf hinter dem Hit sei Pharrell Williams.

"Ich habe sechs Alben komponiert und produziert, aber der größte Hit meiner Karriere wurde von jemand anderem komponiert und produziert", gab Thicke bei seiner Aussage zu Protokoll. Deshalb habe er auch gelogen. "Ich war neidisch und wollte die Anerkennung für mich." Im vergangenen Jahr habe er außerdem permanent unter Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden - außer am Tag seiner Aussage vor Gericht.

Erfolgsmusiker mit Pechsträhne

Triumph und Niederlage liegen bei Robin Thicke ohnehin recht eng beieinander. Die Hiobsbotschaft der Plagiatsstrafe erreichte den US-Musiker pünktlich zu seinem 38. Geburtstag. Der beanstandete Sommerhit "Blurred Lines" aus 2013 bildete den kommerziellen Höhepunkt in der Karriere des R'n'B- und Soul-Künstlers.

Als Schauspielerkind in Los Angeles geboren, kommt Thicke früh mit dem Showbusiness in Berührung. Mit zwölf bringt er sich selbst das Klavierspielen bei, wenig später beginnt er für andere Künstler Songs zu schreiben und zu produzieren, wie es auf seiner Homepage heißt. Als 21-Jähriger hat er schon für Michael Jackson, Pink und Christina Aguilera gearbeitet.

Bereits als Teenager trifft Thicke seine große Liebe, die Schauspielerin Paula Patton ("Hitch - Der Date Doktor"). Die beiden heiraten 2005, fünf Jahre später wird der gemeinsame Sohn geboren.

Seine erste eigene Single "When I Get You Alone" (2003) wird ein Achtungserfolg, das zweite Album "The Evolution Of Robin Thicke" erreicht in den USA Platin-Status. Danach geht es erst einmal bergab, bis dann 2013 das Erfolgsalbum "Blurred Lines" erscheint, die gleichnamige Single schießt in zahlreichen Ländern auf Platz eins der Charts.

Scheidung und Schaffenskrise

Doch Thicke kann an den Erfolg nicht anknüpfen. Seine Beziehung kriselt, und verzweifelte Bemühungen, Paula mit einem gleichnamigen Konzeptalbum zurückzugewinnen, scheitern grandios. Patton reicht die Scheidung ein, und bei Kritikern und Publikum fällt die Platte durch. In der ersten Woche wird sie laut Rolling Stone in Großbritannien 530 Mal und in Australien sogar nur 60 Mal verkauft. laut.de bezeichnet "Paula" als das "unheimliche Tagebuch eines Stalkers". Und weiter heißt es: "Über Robin Thicke lacht die ganze Welt".

Plagiate in der Musikgeschichte

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