Peter Jackson bei den Dreharbeiten zum drei Stunden dauernden Fantasy-Epos "Der Hobbit – Smaugs Einöde". Ab Freitag im Kino.

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Peter Jackson

"Ich bin mehr Hobbit als Elb"

Der neuseeländische Regisseur Peter Jackson im Interview über Hobbits, Heimweh und Tee.

von Susanne Lintl

12/10/2013, 04:47 PM

Er wirkt wie ein Nebendarsteller in einem seiner "Hobbit"-Filme, nur dass er kein Kostüm trägt: Barfuß und mit zerknautschter Schlabberhose kommt Peter Jackson zum Interview im Berliner "Regent"-Hotel. Selbst die wuchtige Teetasse, die er vor sich auf dem Tisch abstellt, wirkt wie ein Requisit aus Mittelerde: „Ich fürchte mich immer, wenn ich aus Neuseeland weg muss“, seufzt der tiefstapelnde Millionär. „Deshalb nehme ich wenigstens meine gewohnten Sachen mit.“

Jackson ist mit seiner „Herr der Ringe“-Trilogie und dem darauffolgenden „Hobbit“-Zyklus (der zweite von drei Teilen, „Smaugs Einöde“, läuft am Freitag in den Kinos an) zu einem der erfolgreichsten Hollywoodregisseure und zu einem neuseeländischen Nationalhelden geworden. Geradezu hysterisch wird ihm von Fans in Hobbit- und Elbenkostümen für seine Arbeit gehuldigt, der Drache Smaug ziert Flugzeuge von Air New Zealand, und der Drehort der millionenschweren Produktionen, Matamata auf der Nordinsel Neuseelands, ist zur Kult- und Pilgerstätte geworden.

Jackson lässt das kalt. Er ist wie Bilbo Beutlin, sein gutmütiger Held aus dem Auenland, der sich – wie ein deutscher Journalist pointiert bemerkte – anzieht wie Emanzen-Mutter Alice Schwarzer in jungen Jahren. „Am liebsten sitze ich barfuß vor meinem Haus, rede mit meiner Frau Fran und trinke Tee“, sagt der 52-Jährige und schaut versonnen auf seine Jumbotasse. Das Herumreisen zum Zwecke der Filmvermarktung ist nicht seine liebste Beschäftigung: „Ich bin mehr Hobbit als Elb.“

Auftritt mit Karotte

Eine Milliarde Dollar wird die „Hobbit“-Trilogie, die auf J.R.R. Tolkiens gleichnamigem Kinderbuch basiert, kosten – eine schwindelerregende Summe. Jackson (und mit ihm das Studio Warner Bros.) sind aber guter Dinge, die Produktionskosten wieder einspielen zu können: „Ja, der zweite Teil einer Trilogie ist immer schwer, weil er ja nicht auf ein großes Ende zusteuert und trotzdem die Spannung halten muss. Aber wir werden es schaffen. Wir überraschen die Zuschauer mit neuen Charakteren und Schauplätzen.“

In einen Charakter schlüpft der Meister selbst und beweist damit Selbstironie: Er spielt einen bärtigen Zwerg in Rüstung, der vor den Feuersalven des Drachen Smaug flieht. „Es gab sonst keine Rollen für mich. Als Elb gehe ich ja nicht durch“. Er liebe Cameo-Auftritte: „Schon in ,Herr der Ringe‘ habe ich einen Betrunkenen vor einer Dorfspelunke gespielt, ich musste Pfeife rauchen. Nach dem vierten Take ist mit kotzübel geworden, weil ich ja Nichtraucher bin. Also habe ich an einer Karotte geknabbert.“

Schon nach „Herr der Ringe“ hatte Jackson beteuert, „die Schnauze voll“ zu haben und nie wieder etwas mit Mittelerde zu tun haben zu wollen: „Ich wollte nur schlafen.“ Nun ist er wieder mittendrin, fängt „nach Weihnachten“ mit der Postproduktion des dritten ,Hobbit‘-Teils an, sichtlich zufrieden. Und dann noch mehr? – „Nein, wir haben keine Tolkien-Rechte mehr. Leider.“

"Hobbit" Martin Freeman im Gespräch

Wie viel Hobbit in ihm steckt? – Martin Freeman denkt kurz nach: „Von jeder Rolle, die du verkörperst, steckt irgendwas in dir drin. Bei mir ist das wohl das Ängstliche, Nervöse, Nicht-Abenteuerlustige. Peter Jackson würde das wohl als das typisch Englische bezeichnen.“

Mit seiner grandiosen Darstellung des Hobbits Bilbo Beutlin ist Freeman zu einer Art Ritter der Tolkien’schen Ehrenlegion aufgestiegen. „Eigentlich habe ich mein schauspielerisches Plansoll schon erfüllt“, scherzt der 42-Jährige, der seit seiner Kindheit an Asthma leidet.

„Ich sage immer: Wenn du drei Dinge in deinem Berufsleben machst, auf die du stolz sein kannst, dann ist das schon das höchste der Gefühle. Ich habe in der Fernsehserie ,The Office‘ gespielt, den Dr. Watson in ,Sherlock Holmes‘ und Bilbo Beutlin. Da kann ich schon zufrieden sein.“

Die Dreharbeiten zum „Hobbit“ in Neuseeland waren aufregend und anstrengend, so Freeman. „Wir haben täglich bis zu vierzehn Stunden gearbeitet und nur in dieser Fantasy-Welt gelebt.“ Zudem hätten ihm die Beutlin’schen Latexfüße zu schaffen gemacht: „Besonders, als wir in Smaugs Drachenhöhle gedreht haben, war es mühsam. Ich bin ständig in den Bergen von Schatzmünzen versunken und hatte keinen Halt. Drei Paar Füße seien an solchen Drehtagen keine Seltenheit gewesen.

Die intensiven Erlebnisse beim Dreh hätten aber auch viel Positives gehabt: „Wir sind alle zu wirklich guten Freunden geworden.“ Am letzten Tag, wo eigentlich groß gefeiert werden sollte, hätten die meisten geweint: „Das war schon außergewöhnlich.“

Die Lust, sich – vorwiegend komödiantisch – in Szene zu setzen, habe er schon als kleiner Bub verspürt: „Als ich vier oder fünf Jahre alt war, nahm mich mein Vater mit in sein Stamm-Pub. Ich bin dann zwischen Jukebox und den Leuten, die da herumsaßen, hin und her gelaufen und habe ihre Münzen genommen und ihre Lieblingssongs in die Jukebox eingegeben. Bald haben alle mit ihren Münzen nach mir gerufen.“

Beinahe hätte Freeman übrigens seine Paraderolle des Bilbo sausen lassen: „Als Peter anrief, hatte ich gerade für die zweite Staffel von ,Sherlock‘ zugesagt.“

Bilder aus dem neuen "Hobbit"

Der Trailer zu "Smaugs Einöde"

Die Geschichte vom kleinen Hobbit

Die Geschichte vom kleinen Hobbit basiert auf dem Roman "Der Hobbit oder hin und zurück" (The Hobbit or There and Back Again) des britischen Schriftstellers John Ronald Reuel (J.R.R.) Tolkien (1892-1973).

In dem 1937 erschienenen Buch erhält der Hobbit Bilbo Beutlin in seiner Heimat Auenland ungebetenen Besuch. Der Zauberer Gandalf taucht mit 13 Zwergen in seiner Höhle auf und bittet um Hilfe bei der Suche nach einem vom Drachen Smaug gestohlenen Schatz. Eine abenteuerliche Reise durch Tolkiens Fantasie-Welt beginnt.

Zwischen Nebelgebirge und Düsterwald verteidigen sie sich gegen zwergenfressende Trolle und Riesenspinnen und entkommen dem listigen Gollum. Ihm nimmt Bilbo einen Ring ab, der später in Tolkiens Trilogie "Der Herr der Ringe" eine entscheidende Rolle spielt.

Die Freunde finden den Schatz, müssen ihn aber in einer Schlacht von Zwergen, Menschen und Elben gegen die Orks verteidigen. Wird sich Bilbo jemals wieder seiner Lieblingsbeschäftigung widmen können und in Ruhe täglich sechs Mahlzeiten essen?

Die Gesamtauflage weltweit wird Schätzungen zufolge auf rund 100 Millionen Exemplare beziffert.

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