© Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Kritik
12/21/2019

"Persinette" an der Staatsoper: So geht Kinderoper

„Persinette“ von Albin Fries (Musik) und Birgit Mathon (Text) im Haus am Ring – Wenn Rapunzel einfach nur viel Freude macht.

von Peter Jarolin

Erst „Die Weiden“ von Johannes Maria Staud, dann „Orlando“ von Olga Neuwirth und nun „Persinette“ von Albin Fries und Birgit Mathon – mit einem wahren Reigen an Uraufführungen verabschiedet(e) sich Staatsoperndirektor Dominique Meyer im letzten Jahr seiner Amtszeit Richtung Mailänder Scala.

Mit unterschiedlichem Erfolg. „Die Weiden“ litten (und leiden) an Durs Grünbaums moralinsaurem Libretto, Neuwirths „Orlando“ hätte etwas zu sagen, scheitert (im zweiten Teil) jedoch etwas an seinem universalen Weltverbesserungsanspruch. Bleibt also „Persinette“, eine deklarierte Kinderoper, die in etwa 60 Minuten nur eines will: Ein Märchen mit Happy-End erzählen und Lust auf die Welt der Oper zu machen.

Eingängig

Und diese Übung ist im Großen Haus – man spielt dankenswerter Weise nicht in der nur bedingt für Musik geeigneten Walfischgasse – mehr als gelungen. Denn Albin Fries und Birgit Mathon haben den bekannten „Rapunzel“-Stoff („Persinette“ klingt musikalisch aber besser) neu und dabei kindgerecht gedeutet, bieten aber auch älteren Besuchern viel. Fries bekennt sich zur Tonalität, zur Spätromantik und setzt auf singbare Klänge, fast in der Tradition eines Engelbert Humperdinck, eines Erich Wolfgang Korngold und (in Ansätzen) sogar eines Richard Wagner. Bei „Wien Modern“ wird Fries sicher nicht gespielt werden, doch das sollte der Komponist leicht verschmerzen. Denn seine Version von „Rapunzel“ funktioniert blendend, auch dank Birgit Mathons sehr klugem Text. Wer will, kann darin viel Anspielungen auf die Psychoanalyse sehen.

Filmisch

Und mit Matthias von Stegmann hat das Duo einen brillanten Regisseur, der diese „Persinette“ höchst filmisch und sehr gewitzt aufbereitet. Marc Jungreithmeier hat dafür eine aus ein paar Holzblöcken bestehende Bühne geschaffen, die sich aber via Videodesign (auch Jungreithmeier) problemlos in Türme, Wüsten, Polarregionen oder schlicht in bunte Lego-Steine verwandeln lässt. Frei nach dem Motto: „Seht nur her, wir spielen jetzt!“ Das funktioniert (Luftballons inklusive) hervorragend, ist herzerwärmend und macht vor allem extrem viel Spaß. Da sind (schön die Kostüme: Constanza Meza-Lopehandia) echte Theaterprofis am Werk.

Liebevoll

Und so kann sich in diesem idealen Umfeld die Geschichte der Persinette, die von der gar nicht so bösen, eigentlich liebenden Hexe Alse in einem Turm gefangen gehalten wird und in einem Prinzen letztlich die Liebe ihre Lebens und die Freiheit findet, voll entfalten. Man sieht die aus sehr armen Verhältnissen stammenden Eltern vor der Geburt Persinettes, macht danach einen Zeitsprung über 16 Jahre, ehe ein weiteres Jahr später Liebe und Versöhnung siegen.

Episch

Ja, die Liebe siegt! Das macht auch Dirigent Guillermo Garcia Calvo am Pult des groß besetzten Bühnenorchesters der Wiener Staatsoper in epischer Breite deutlich. Calvo ist den Protagonisten ein sicherer Partner, liebt aber dicke, pastose Klangteppiche.

Und die Interpreten? Die Sopranistin Bryony Dwyer ist eine quirlige, vokal entzückende Persinette, die in dem gesanglich nur soliden Lukhanyo Moyake einen passenden Prinzen findet. Orhan Yildiz und Regine Hangler als Elternpaar sind sehr passabel, wohingegen Monika Bohinec als Hexe Alse sowie Sorin Coliban als „Rabe“ Abrasax den stärksten Eindruck hinterlassen. Jubel für alle Beteiligten!

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