Paulus Mankers Wagner-Produktion

© Anna Fiala/www.wagner200.com

Wagnerdämmerung
07/09/2013

Reise in Wagners Hirn – ohne Visum

Paulus Manker über "Wagnerdämmerung", Cosima und ein Genie, das ein Schuft sein darf.

von Werner Rosenberger

Ein Eyecatcher von Josef Trattner: Neben der Wiener Börse quillt's weithin sichtbar bunt aus dem ehemaligen k. u. k. Post- und Telegraphenamt, der Kulisse für Paulus Mankers Wagner-Erlebniswelt (Premiere: 16. Juli).

In der Seiteneinfahrt steht die schwarze Kutsche, die bereits bei „Alma“ in der Gustav-Mahler-Begräbnisszene ihren Auftritt hatte. „Die werden wir auch diesmal einsetzen“, sagt Manker. Bei einer „Reise in Wagners Hirn – ohne Visum“.

Wobei zu Bayreuth gleich klargestellt sei: „Wagner wollte ein fetziges Turnschuh-Festival mit freiem Eintritt für junge Leute und nicht Angela Merkel und Thomas Gottschalk“, so Manker.

„In Wahrheit war seine Frau Cosima – ein böser Finger und unsexy bis zum Erbrechen – der Herr in Bayreuth. Und als Wagner gestorben war, hat sie sich auch schnell den Schlüssel des Sarges umgehängt, damit er nur ja nicht wieder rauskommt.“

Ein Klangrausch

Aber „Wagnerdämmerung“ ist – anders als „Alma“ – kein Stück voller biografischer Details und Erlebnisse, sondern mehr ein Raum- und Sprach- und Musikkunstwerk. Der Keller unter dem Börseplatz ist „unser Nibelheim, unser 19. Jahrhundert, das industrielle Zeitalter“, sagt Manker zum KURIER. „Wir spielen in der Unterwelt. Und das Einzige, was einen wirklich interessiert, ist die Musik.“

Wagners erste Frau Minna stellte die Frage: Hat ein Genie das Recht, auch ein Schuft zu sein? „Die Antwort ist natürlich: Ja!“, sagt Manker. „Wagner ist einer der größten Protagonisten der Menschheitsgeschichte. Und ob der geflohen ist, einem die Frau weggenommen hat oder Schulden hinterlassen hat, zählt genau Fünfe.“

Weil auch sprachlich alles im 19. Jahrhundert bleiben soll, sind im Moment neben Briefen und Tagebuch-Aufzeichnungen nur Originaltexte aus Libretti, u. a. „Parsifal“, „Lohengrin“, „Tannhäuser“, vorgesehen.

Und Joshua Sobol? „Er hat über Monate ein ganzes Stück geschrieben, aber das kommt nicht zur Aufführung“, sagt Manker. Und wie verkraftet das der Dramatiker? „Nicht gut“, so der Regisseur. „Aber: That’s life. Dann bin ich draufgekommen, dass man im Sinne des Gesamtkunstwerkes auch Tänzer braucht. Also haben wir jetzt noch sieben Tänzer.“

Und bildende Kunst zu ebner Erd: Wo 40 Künstler von Hermann Nitsch bis Ona B., von Erwin Wurm bis Karl Ferdinand Kratzl, von Katharina Razumovsky bis Deborah Sengl zum Großteil neue Werke zum Thema Wagner zeigen. Hans Hollein hängt ein riesiges Hemd auf: „Kriemhilds Rache“ (1971).

Wagner-Wolke

„Das Stück ist fast ausverkauft. Da sind sicher ,Alma‘-Fans dabei“, sagt Manker. „Aber ich glaube, die meisten Leute sind ganz narrisch auf den Wagner.“

Gegen den werde auch „nichts angerichtet“. Der einzige Unterschied zu dem, wie man Wagner sonst hört: Man steht mitten drin im Sound. Der geht einem durch Mark und Bein. „Lohengrin“. Volle Lautstärke. Leonard Bernstein dirigiert. 50 Lautsprecher beschallen das Labyrinth aus langen Gängen, Kammern und lärmenden Maschinenräumen, Nischen und tiefen Gruben.

Wird Manker selber mitspielen? „Das wissen wir noch nicht.“ Wissen Sie es, Herr Manker? „Nein. Ich weiß es auch nicht. Ich bin sehr teuer. Und ich weiß nicht, ob ich mir mich leisten kann.“

Die 200.000 Euro Produktionskosten hat er – mangels Subvention von Stadt und Bund wie schon bei „Alma“ – selbst finanziert. Darauf vertrauend, „dass die Leute kommen werden“. Sonst könnte es ihm vielleicht wie Wagner ergehen, scherzt er. Der musste bekanntlich wegen seiner hohen Schulden 1864 in Frauenkleidern aus Wien flüchten.

Paulus Mankers „Wagnerdämmerung“ als Gesamtkunstwerk

Simultandrama: Eine Traumreise durch Richard Wagners Kosmos. Neben dem Theater eine Ausstellung. Wie Wagner wirkte. Was er wollte. Seine Welt & Sicht. Und wie ihn Künstler heute sehen. In 40 Positionen interpretierenzeitgenössische bildende Künstler Werk, Wahn und Wunderwelten des Komponisten. Und seine Musik.

Wann & Wo: „Wagnerdämmerung“ (16. 7. bis 10. 8.; 19.30 Uhr) Karten um 125 € : 01 / 96 0 96; und „Wagner sehen“, eine von Peter Bogner kuratierte Ausstellung österreichischer Künstler zur Person und Musik Richard Wagners (ab 17. 7.) im k. u. k. Post- und Telegrafenamt am Börseplatz. www.wagner200.com

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