Kultur
13.11.2017

Patricia Aulitzky will sich nicht festlegen lassen

Die Schauspielerin erzählt vom neuen TV-Krimi "Blind ermittelt", macht sich Gedanken über "Lena Lorenz" und "Trakehnerblut" und spricht über ihr neues Musikprojekt.

Seine Schwester Sophie Haller ( Patricia Aulitzky) ist sich nicht sicher, ob er diesen doppelten Schicksalsschlag seelisch packen wird: Kommissar Alex Haller (Philipp Hochmair) hat durch eine Autobombe seine Lebensgefährtin und das Augenlicht verloren. Der Attentäter wurde aber nicht gefasst. Als Ex-Polizist ermittelt Alex, der bei seiner Schwester Unterschlupf gefunden hat, nun aber wieder …

"Blind ermittelt", zu dem eben der Dreh in Wien gestartet ist, ist eine Produktion der Mona Film für ORF und ARD mit dem Potenzial zu einer neuen TV-Reihe.

"Die Geschichte rund um Alex Haller ist spannend und die Konstellation ungewöhnlich", meint Aulitzky im KURIER-Gespräch.

Die 38-Jährige, die mit "Falco" und " Lena Lorenz" dem breiten Publikum bekannt geworden ist, verlässt mit "Blind ermittelt" erneut die für die TV-Zuseher gewohnten Pfade. "Ich bin damit wieder in einem völlig anderen Genre unterwegs und mein Typ verändert sich als Sophie Haller total – nicht nur äußerlich. Ich mag das sehr, in neue Figuren schlüpfen und diese zu entwickeln."

Das sieht man auch an den jüngsten Engagements: Neben Heimat-Serie stehen da Dramen wie "Die Beste aller Welten", Horrorfilm, Familienunterhaltung, Comedy (eben abgedreht "Ihr seid natürlich eingeladen" mit Andrea Sawatzki und Axel Milberg) und nun Krimi nebeneinander – eine ziemlich bunte Mischung.

"Deshalb wurde ich Schauspielerin. Ich brauche das wie eine Blume Wasser. Es ist mir dabei völlig egal, ob die Rolle sehr groß oder ganz klein ist. Ich will einfach spielen, spielen, spielen."

Außenseiterin

Aktuell ist Aulitzky in " Trakehnerblut" zu sehen. Die erste Serie von ServusTV spielt auf einem Gestüt, um das sich ein intensives Ränkespiel entwickelt. Obwohl sie als Weltenbummlerin nach der Matura mit Pferden gearbeitet hat und reiten kann, darf sie das in der Serie nicht.

"Ich bin halt anders gecastet worden – als exzentrische Künstlerin samt Kindheitstrauma hab’ ich mit Pferden nichts am Hut. Meine Figur ist eine Außenseiterin."

Was auch Vorteile hat. Denn "ich hatte zunächst ein wenig Kitsch-Bedenken", räumt Aulitzky ein. "Wir haben aber viele Gespräche geführt, das und ein toller Cast (Jeanette Hain, Christoph Luser, Stipe Erceg und viele mehr) haben mich überzeugt, dass daraus etwas Gutes entstehen kann."

Mehr Tiefe

Mit "Lena Lorenz" und den Geschichten um eine Hebamme geht es am Fernsehschirm im Frühjahr weiter. Anfang Oktober wurde die jüngste (bereits 14.) Folge für ZDF und ORF abgedreht. "Die Menschen wollen nicht immer nur Krimis mit Mord und Totschlag schauen. Lena Lorenz ist eine Frau im Hier und Jetzt, und als Schauspielerin kann ich zu dieser Figur stehen", betont sie.

Die in Tirol aufgewachsene Aulitzky meint jedoch auch: "Wir haben sehr gute Themen, bei denen leider oft nur an der Oberfläche gekratzt wird. Da würde ich mir mehr Tiefe wünschen."

Wenn es die vielen Dreharbeiten zulassen, arbeitet Aulitzky, die früher in München eine Band hatte, an ihren Musikprojekten. Angestachelt hat sie dazu nach einer Schaffenspause Schauspiel-Kollegin Ursula Strauss, die sie im Vorjahr zu ihrem Festival "Wachau in Echtzeit" eingeladen hatte. "Ich möchte in Richtung einer Kombination aus guter Lyrik und Musik gehen. Ob es eigene Arbeiten sind oder nicht, ist aber noch offen."

Dazu austauschen kann sie sich bei den "Blind ermittelt"-Dreharbeiten mit Philipp Hochmair, dessen "Jeder- mann reloaded" und "Schiller Balladen"-Performance sie "einfach geil" findet.

Dass sie bei diesem Wandern zwischen den künstlerischen Welten und den diversen Genres auch einmal scheitern könnte, "erschreckt mich nicht."

Ganz im Gegenteil. "Ich finde es schön am Älterwerden, dass man sich weniger pfeift und mehr traut. Ich muss nichts, das Wort ,muss’ drängt mich eher ins Gegenteil. Schubladen interessieren mich nicht – ich habe viele kreative Talente und die möchte ich ausleben", sagt Aulitzky mit Nachdruck.