Ostbahn-Comeback mit Gleitsicht und Gewitter

Am Anfang noch mit Sonnenbrille: Pensionsflüchtling Ostbahn.
Foto: APA

Kritik: Kurt Ostbahn und die Chefpartiekombo trotzten am Samstag im Prater dem Unwetter und feierten "20 Jahre Ostbahn XI".

Als das unsagbar coole Billy-Gibbons-Riff von "Sharp Dressed Man" um genau 20.00 Uhr das Konzert eröffnete, drängten sich viele der etwa 10.000 Besucher noch an den Eingängen. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen: Die Zäune rund um das Gelände vor dem Riesenrad waren netterweise nicht abgedeckt worden, daher hatten Gratis-Zuschauer mindestens so gute Sicht wie die, die sich auf der Kaiserwiese in den Gatsch schlichteten.

Die Chefpartiekombo (alle, die jemals mit Kurt Ostbahn gespielt hatten, waren eingeladen worden - alleine sechs Gitarristen) gab dermaßen Gas, als wollte sie dem aufziehenden Gewitter davonjagen. Aussichtslos: Der Himmel - vielleicht im Gedenken an den auch schon seit elf Jahren toten Ostbahn-Texter Günter Brödl - weinte uns einen Fluss. "Weu du bist zum Schneiden schoaf in deine neichen Schoin", das hieß für die Kurti-Fans an diesem Abend: Regenhaut, Pelerine oder gleich nackter Oberkörper, ganz so wie damals auf dem Schulwandertag.

Außen und innen feucht

Die Kurti-Fans: Feiern zwischen Blitz und Donner, außen feucht vom Regen, innen feucht vom Bier eine große Vergangenheit - an die sich viele aber eh nicht erinnern können, weil warum: Das Bier war damals noch billiger.

Während Willi Resetarits oben auf der Bühne gar nicht erst versucht, in die alte, ihm nicht mehr passende Rolle des dekorativ versoffenen Schweinsproleten zu schlüpfen (die Sonnenbrille wird nach zwei Songs gegen das Gleitsichtglas getauscht), grölen viele seiner Fans jede Subtilität mit "Kurti"-Chören zu Matsch.

Das Konzert ist toll: Am Anfang bleiben ein paar Mal die Grooves im Schlamm stecken, aber schon bald wird es sehr fein. Die ständig wechselnden Besetzungen tun dem Sound gut, denn es ändert sich immer wieder die Farbe des Klangs. Und auch die Songauswahl ist gut: Zu den großen Hadern wie "Arbeit" oder "Da Joker" kommen die leider kaum bekannten
Talking-Blues-Stücke von "Espresso Rosi". Am Sonntag folgte Teil zwei, diesmal ohne Regen.

Hintergrund: Eine Legende unterbricht die Pension

Jubiläum
Vor 20 Jahren spielte Kurt Ostbahn sein vielleicht wichtigstes Konzert. Auf dem - no na ned - Ostbahn-XI-Platz erreichte die Kurti-Legende ihre vermutlich größte Ausdehnung. Dass Ostbahn-Darsteller Willi Resetarits gleich zu Beginn des Auftritts mit dem Instrument seines Bassisten kollidierte, k.o. ging und das Konzert danach reichlich benebelt bestritt, steigerte die Wirkung des Ereignisses noch.

Favoritn & Blues
Zum Jahrestag ließ sich Willi Resetarits von den immer noch zahlreichen Kurtologen dieses Landes erweichen, den Kurt Ostbahn aus der Pension zu holen. Nach einer Unterschriften-Aktion auf Facebook wurden zwei Konzerte (Samstag, Sonntag) auf der Kaiserwiese im Prater gebucht, der Ostbahn-XI-Platz war diesmal nicht zu bekommen. Insgesamt etwa 25.000 Zuschauer beweisen, wie sehr die virtuelle Figur Kurt Ostbahn in der österreichischen Poplandschaft immer noch wirkt. Geprobt wurde auch, aber nur drei Tage lang. Das muss für echten Favoritn & Blues auch reichen.

Neuauflage
Auch auf Tonträger ist die Legende wieder aktiv. So erscheint ein 3-CD-Best-of "Ois wosd brauchst" (Universal), ebenso werden die 14 Einzelalben von Kurt Ostbahn & Die Kombo bzw. von Ostbahn Kurti & Die Chefpartie remastert wiederveröffentlicht.
Die im Vorjahr auf 1000 Stück limitierte, rasch vergriffene Gesamtbox, die letztes Jahr anlässlich des zehnten Todestages des Ostbahn-Kurti-Erfinders Günter Brödl erschien, ist nun ebenfalls wieder zu haben.

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(kurier) Erstellt am
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