98. Oscar-Verleihung: Ein Battle nach dem anderen
Was kann man sich von einer Oscarpreisverleihung mitten im Krieg erwarten? Wie lustig kann der prominente Komiker Conan O’Brien durch einen Gala-Abend führen, bei dem das FBI vor einem Drohnenangriff gewarnt hat? Wie viele Seitenhiebe kann er sich auf einen Präsidenten erlauben, der sich persönlich an seinen Kritikern rächt? Wie sehr ist einer Unterhaltungsbranche zum Lachen zumute, in der ein Trump-naher Medienunternehmer wie David Ellison ein Filmstudio geschluckt hat? Und wie kann er eine Einschaltquote, die sich – zumindest im Vergleich zu den matten Vorjahren – halbwegs wieder erholt hat, vor einem neuen Sinkflug bewahren?
All diese Fragen und die Gewinner der 98. Oscarpreisverleihung werden in der Nacht auf Montag beantwortet. Außerdem wird erstmals ein Oscar in der neu eingeführten Kategorie „bestes Casting“ vergeben.
Tatsächlich drängelt sich heuer eine Gruppe ganz besonders exzellenter Filme im Spitzenfeld, wo es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ryan Cooglers Vampir-Thriller „Blood & Sinners“ und Paul Thomas Andersons Politsatire „One Battle After Another“ kommt. Coogler hat mit 16 Nominierungen bereits alle Rekorde gebrochen und damit die besten Chancen, während Anderson 13 Nominierungen verbuchen konnte. Je nachdem, welches Branchenmagazin man aufschlägt, gewinnt wahlweise der eine oder der andere in den Königskategorien „bester Film“ und „beste Regie“.
Der Moderator
Der prominente Komiker und Ex-Late-Night-Host Conan O’Brien (Bild rechts) hat seinen Job letztes Jahr so gut gemacht, dass er heuer wieder engagiert wurde. Er wird als Moderator durch die Preisverleihung führen. Vergangenes Jahr erreichte die Oscar-Verleihung mit ca. 19,7 Mio. Zusehern in den USA einen Fünfjahreshöchststand.
In Memoriam
Große Hollywood-Legenden sind heuer verstorben, darunter Robert Redford, Diane Keaton und Regisseur Rob Reiner. Zu ihrer Ehrung werden Gäste wie Barbra Streisand, Billy Crystal und Meg Ryan erwartet.
Wo man den Oscar sehen kann
Der ORF überträgt live ab 22.55 Uhr, moderiert von Lilian Moschen und Alexander Horwath; Pro7 ab 23.30 Uhr.
Was für einen Gewinn von Paul Thomas Anderson sprechen könnte, ist der Umstand, dass der Hollywood-Veteran bereits 14 Mal für einen Oscar nominiert wurde, ohne ihn jemals zu erhalten. Gut möglich, dass er diesmal an die Reihe kommt.
Was den Oscar für besten Schauspieler betrifft, zeigen alle Finger auf Michael B. Jordan in seiner Doppelrolle in „Blood & Sinners“. Die längste Zeit galt zwar Timothée Chalamet als Tischtennisspieler „Marty Supreme“ als Favorit, doch hat er mit einer abfälligen Bemerkung über Oper und Ballett seiner Kampagne geschadet.
Auch Leonardo DiCaprio als bekiffter Ex-Revolutionär in „One Battle After Another“ ist noch im Rennen, wiewohl seinem Kollegen Sean Penn als rassistischer Cop die größeren Chancen auf einen Oscar im gleichen Film für die beste Nebenrolle vorausgesagt werden.
Unbestrittene Favoritin
Praktisch einig sind die Vorhersagen für die beste weibliche Hauptrolle: Die irische Schauspielerin Jessie Buckley, die mit ihrem berührenden Spiel als Ehefrau von William Shakespeare und trauernde Mutter das Publikum in einem Tränenstrom im Film "Hamnet" mit sich riss, wird den Oscar gewinnen.
In der Kategorie bester internationaler Film hat das Familienporträt "Sentimental Value" des Norwegers Joachim Trier die größten Chancen: Die Vater-Tochter-Geschichte bescherte zudem eine Nominierung für Renate Reinsve als beste Hauptdarstellerin, Stellan Skarsgård als bester Hauptdarsteller und Elle Fanning als beste Nebendarstellerin. Damit wird Joachim Trier wahrscheinlich seinen stärksten Konkurrenten, den Brasilianer Kleber Mendonça Filho und seinen Thriller „The Secret Agent“ mit Wagner Moura, aus dem Rennen werfen.
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