"Olympia": Riefenstahls monumentale Doku über die Berliner Sommerspiele 1936

© ORF/Transit Film

Schwerpunkt
08/02/2016

ORFIII zeigt Riefenstahls "Olympia" erstmals im TV

Aufregung: ORFIII sendet umstrittenen Film über Hitlers Spiele in Berlin 1936. Es gibt Kritik.

von Christoph Silber

Er zählt laut Time Magazine zu den 100 besten Filmen aller Zeiten und ist trotzdem höchst umstritten: Leni Riefenstahls "Olympia" über Berlin 1936 – Hitlers Propaganda-Spiele. Als Teil eines historischen Schwerpunktes zu den Olympischen Spielen, die in Rio starten, zeigt ORFIII am Samstag - ab etwa 21.35 Uhr (genaue Zeit noch nicht bekannt) - eine restaurierte Fassung – etwas, das es so im Fernsehen noch nicht gegeben hat, "zumindest haben wir bei unseren Recherchen keine Hinweise darauf gefunden", so ORFIII-Chef Peter Schöber.

Das Vier-Stunden-Werk hat zwei Teile: "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit". Schöber: "Es geht uns um die Darstellung der Olympischen Spiele im Spannungsfeld zwischen Politik, Kultur und Gesellschaft und, natürlich, den Sport." Zuvor gibt es ein 30-minütiges Experten-Gespräch mit Regisseur Robert Dornhelm (Bild), Historikerin Karin Moser und Publizistikprofessor Fritz Hausjell.

Politikum

"Wir stehen auf dem Standpunkt, man kann diesen Film nicht unkommentiert senden. Er vereinigt so viele Facetten – vom Propaganda-Aspekt bis zur Film-Ästhetik und -Technik –, dass das vorab erläutert gehört", meint Schöber.

Trotzdem regt sich Kritik. ORF-Publikumsrätin und Uni-Professorin Eva Blimlinger ist das zu wenig. Sie hat in einem Schreiben an den ORF ihre "große Verwunderung und auch Irritation" deponiert und verlangte mehr Aufbereitung. ORFIII verlängerte daraufhin die Diskussion, an ausgewählten Stellen wird für Experten-Statements unterbrochen werden.

Der Film, das Werk und Leben Riefenstahls sind seit jeher ein Politikum. Wie sich beim Oscar 2004 zeigte, als eine Debatte darauf folgte, dass im "In Memoriam"-Tribut auch Riefenstahl gedacht wurde, die 2003 mit 101 Jahren verstorben war. Ein abendfüllender Film war Bestandteil der Vergabebedingungen des Internationalen Olympischen Komitees. Dafür qualifiziert hatte sich Riefenstahl mit ihrer filmischen Inszenierung des NSDAP-Parteitags in "Triumph des Willens" (1934). Das Budget kam von Goebbels. Künstlerisch zeichnete Riefenstahl verantwortlich. Der Aufwand, der auch in technischer Hinsicht getrieben wurde, war enorm.

"Olympia" wurde nach der Premiere am 49. Geburtstag Hitlers in 19 europäischen Ländern gezeigt und über Nazi-Deutschland hinaus gefeiert – und führte nach 1945 mit zum Ende Riefenstahls als Film-Regisseurin.
Die Film-Rechte hat das IOC 2002 von Riefenstahl und Deutschland gekauft. Dass ORFIII ihn zeigen kann, hat man dem ÖOC zu verdanken, "allen voran Generalsekretär Peter Mennel und Präsident Karl Stoss, die sehr interessiert sind, auch diese Zeit zu beleuchten", so Schöber. Neben vielen Längen hat der Film auch Erstaunliches zu bieten, etwa, wer beim Einmarsch der Delegationen die Hand zum Hitler-Gruß hob.
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