Konkurrenz statt Miteinander: Alexander Wrabetz und Richard Grasl

© APA/HERBERT NEUBAUER

Angespannt
05/30/2016

ORF: Zankereien und Eiszeit zwischen Grasl und Wrabetz

Vor der Generalswahl: Stimmungstief zwischen den beiden Rivalen.

von Philipp Wilhelmer

Zwischen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und Finanzdirektor Richard Grasl sinkt die Herzlichkeit mit heranschreitendem ORF-Wahltermin im August rapide ab. Grasl hat sich immer noch nicht festgelegt, ob er gegen Wrabetz bei der Generaldirektorenwahl im August antreten will – der amtierende General lohnt es ihm mit spitzen Bemerkungen.

Die jüngsten waren am Wochenende in der Kleinen Zeitung zu lesen. Darin richtete Wrabetz seinem möglichen Konkurrenten in gönnerhafter Wortwahl aus, es nur ja nicht zu probieren: Er hoffe, "dass er sich nicht in etwas hineinreiten lassen wird – ich mache mir dabei keine Sorgen über den Ausgang, sondern die Diskussionen darüber", sagt der Generaldirektor über seinen Finanzdirektor. Darüber hinaus erklärte Wrabetz, "mehr als zwei Drittel der Stiftungsräte von allen Seiten" hätten ihm zu verstehen gegeben, "dass eine Verlängerung meiner Geschäftsführung gut wäre". Sollte das stimmen, wäre er im Herbst fix wieder ORF-General.

Was Grasl, der hinter den Kulissen selbst eifrig eine Allianz schmieden soll, über soviel freundliche Herablassung seines Chefs denkt, war am Montag nicht in Erfahrung zu bringen. Übrig bleibt: Die einst unzertrennlichen Großkoalitionäre am Küniglberg wirken wie am Ende einer dysfunktionalen Ehe.

Offener Streit

Intern mündet das bereits in offene Auseinandersetzungen vor Publikum. Etwa bei einer Sitzung, in der Wrabetz und Grasl wegen Detailplänen zum ORF-Newsroom aneinandergeraten sind, wie mehrere Quellen zu berichten wissen. Als Grasl dafür plädierte, die Onlineabteilung näher ins räumliche Zentrum zu rücken, habe Wrabetz die Debatte abgewürgt: "Wenn du es (Generaldirektor, Anm.) bist, kannst du es bestimmen. Jetzt bin ich es."

Grasl hat sich immer noch nicht deklariert, soll aber demnächst die Karten auf den Tisch legen. Im Stiftungsrat herrscht ein denkbar knappes Stimmenverhältnis zwischen SPÖ und ÖVP.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.