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Kultur
03/26/2021

ORF-Wissenschaftschef Günther Mayr: "Jetzt reicht es dann aber bald“

Der ROMY-nominierte Corona-Erklärer über Kässpätzle, gefährliche Flüsse und Zawinuls Mercy, Mercy, Mercy.

von Susanne Mauthner-Weber

Wie nähert man sich jemandem, mit dem man den Hausberg, diverse Lehrer und die Profession teilt? Günther Mayr, ZiB-Wissenschaftschef, seit einem Jahr omnipräsenter Corona-Erklärer der Nation sowie für die ROMY nominiert, und die Autorin dieser Zeilen sind etwa 500 Meter Luftlinie voneinander entfernt aufgewachsen.

Sich unvoreingenommen-unwissend nähern, funktioniert also nicht. Der geneigte Leser möge mir verzeihen.

Und Günther ebenso. Dass ich ihn nämlich gleich zu Beginn frage, ob er vor seiner Nominierung überhaupt wusste, was die ROMY ist. Er lacht: Voll überrascht sei er gewesen. „Ich bin heuer ja schon einiges gewöhnt, aber das ...“

Unbekanntes Wesen

Erst dachte Mayr, der Anrufer wolle ihn in irgendeine Jury einladen. „Als Wissenschaftsjournalist rechnet man mit vielem, aber für die ROMY nominiert zu werden, damit eher nicht.“ Sagt er und schiebt ein „ich hab schon gewusst, was das ist und immer diese Gala vor meinem inneren Auge, zu der die Leute – kampelt und g’schnäutzt, würde man bei uns in der Steiermark sagen – hingehen. Und dass die Kollegen im ORF sehr stolz darauf sind, wenn sie dabei sind.“ Leise weiter: „Ich bin ja nicht der große Partytiger.“ Womit wir bei der Frage wären, wer der Mann dann ist, der uns fast täglich im Wohnzimmer besucht?

Geboren in Vorarlberg – das Sandwich-Kind zwischen zwei weiteren Buben; aufgewachsen auf einem Bauernhof mitten im Wald bei Murau in der Steiermark, einem 2000-Seelenort, der für seinen Fürsten (Schwarzenberg), sein Bier (Murauer, seit 1495) und den Ex-Pressesprecher eines Kärntner Ex-Landeshauptmanns (Petzner) bekannt ist.

Ansonsten gibt es dort vor allem eines – Natur. Oder wie es Mayr ausdrückt: „Die Berge sind groß, die Seen tief, die Flüsse schnell und manchmal auch gefährlich. Das hat Einfluss darauf, wofür man sich interessiert, weil man die Natur anders wahrnimmt, und erkennt, dass man ganz schnell sehr klein sein kann. Und dass alles viel komplexer ist, als man sich das manchmal vorstellt. Da sind diese Zusammenhänge ständig vorhanden, die auch die Wissenschaft versucht, herzustellen.“

Weil der kleine Günther gleichzeitig auch neugierig war, erkannte er, dass die Welt groß ist und er sie sehen wollte: „Wenn man seit Kindheitstagen journalistisch interessiert ist, fragt man sich – was ist denn da draußen?“

„Draußen“ war zuerst Wien und das Publizistikstudium. Er sei – von der Stadt heillos überfordert – wie der sprichwörtliche Bauernbub durch die Gegend gestolpert, erzählt er entwaffnend ehrlich: „Ich bin nach Wien gekommen und hatte Gott sei Dank Freunde, die wussten, welche U-Bahn man nehmen muss. Gleichzeitig war die große Stadt faszinierend.“

Mit weiteren 20.000 Publizistikstudenten ritterte er um 20 Volontariate, verfasste ein vorwitziges Bewerbungsschreiben und dachte: „Der, der das versteht, mit dem verstehe ich mich dann auch. Der kann einen Verrückten wie mich brauchen.“ Tatsächlich bekam er die Zusage von der Kleinen Zeitung in Graz. Das war 1986.

Stationen beim Landesstudio Kärnten („idealer Sommerjob: Geldverdienen und im See baden“) und Profil führten ihn schließlich zum ORF auf den Küniglberg. Seine erste Wissenschaftsgeschichte, an die er sich erinnern kann? „Ich glaube ein Tankerunglück für die ZiB. Und ein Unterseekabel, das rund um die Welt verlegt wurde.“

Mehr als 20 Jahre später im Gefolge der Corona-Krise in der Kategorie Information, die sich normalerweise Innenpolitik-Redakteure untereinander ausmachen, für die ROMY nominiert zu sein, „ist eine große Ehre“. Seine Nominierung sieht er „stellvertretend für die Wissenschaftsredaktion des ORF, ja aller Wissenschaftsressorts des Landes, die im vergangenen Jahr wirklich viel leisten mussten. Und das wird noch so weiter gehen. Die Corona-Krise ist auch der Beweis dafür, dass Fachressorts wichtig sind.“

Nicht fad, aber müde

Apropos „Fach-“: „Ich muss unglaublich viel Fachliteratur lesen“, sagt Mayr auf die Frage, was er gerade liest. Fad wird ihm mit dem Virus trotzdem nicht. Es gehe ihm nicht anders als anderen. „Man denkt sich vielleicht: Jetzt reicht es dann aber bald. Nimmt das überhaupt kein Ende? Eine gewisse Müdigkeit macht sich breit.“

Die bekämpft er am Berg, am Wasser, beim Fliegenfischen, mit Murauer Bier und „Kässpätzle von der Mama, einer Vorarlbergerin. Daran könnte ich mich deppert fressen und tue es auch hin und wieder. Wobei ich nicht wählerisch bin. Wenn man mich fragt, was ich nicht esse, sage ich: ,Das Besteck, denn irgendwas muss übrig bleiben.“

Nicht zu vergessen seine Leidenschaft fürs Saxofon. Das hat er zum 35er auf einer Berghütte geschenkt bekommen, wie die Autorin bezeugen kann. Jetzt übt er wieder mehr, natürlich Jazz, erzählt er. Will er doch, wenn „das“ vorbei ist, mit seinen Profimusikerfreunden einen Auftritt absolvieren und „Mercy, Mercy, Mercy von Joe Zawinul zum Besten geben. Auf diesen Tag freue ich mich schon sehr.“

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