Online-Chef Thomas Prantner spitzt auf einen Platz im ORF-Direktorium.

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FPÖ
06/26/2016

ORF-Wahl: Eine Ansage für die Chefetage

Online-Chef Prantner, einziger Blauer im ORF-Management, hat Ambitionen.

von Christoph Silber

Das Buhlen um Stimmen für die anstehenden ORF-Wahlen treibt seltsame Blüten. Zur Präsentation einer Subseite des TVthek-Videoarchivs zur Geschichte der Steiermark in Graz reiste am Freitag ein Großaufgebot von ORF-Persönlichkeiten an: Neben Fernsehdirektorin Kathrin Zechner auch Finanzchef Richard Grasl und, mit halbstündiger Verspätung, Generaldirektor Alexander Wrabetz. Der SPÖ-unterstützte Wrabetz ging auch hier auf größtmögliche örtliche Distanz zu seinem von der ÖVP forcierten Konkurrenten bei der ORF-Chef-Wahl am 9. August, Grasl.

Für die beiden Kontrahenten geht es derzeit um jede Stimme. 13:13 steht es aktuell im Stiftungsrat, 18 braucht es für die Mehrheit - die steirische Stimme gilt allerdings als fix an Grasl vergeben. Beide brauchen also auch Oppositions-Vertreter und Unabhängige für den Sieg.

Blaue Hoffnung

Mitten drin im Grazer Treiben und dabei bester Laune war TVthek-Erfinder Thomas Prantner, derzeit ORF-Online-Chef und (einziger) stellvertretender Direktor im ORF, nämlich in der Technik. Er gilt als einziger in oberen ORF-Regionen als FPÖ-nahe und könnte von der aktuellen, engen Stimmenkonstellation profitieren. Und der 51-Jährige, seit Jahrzehnten in verschiedenen Funktionen im ORF tätig, ist gewillt, die Gelegenheit zu nutzen. Prantner zum KURIER: „Nach der entsprechenden Ausschreibung werde ich mich um eine Funktion im neuen ORF-Direktorium bewerben.“

Die TVthek dient Prantner etwa mit den Bundesländer-Video-Archiven und der Aktion „ORF-TVthek goes school“ als Lobbying-Mittel in eigener Sache. Mit dem früheren ÖBB-Chef und nunmehrigen Bundeskanzler Christian Kern konnte man einen Deal fixieren: Die TVthek gibt es jetzt in Railjets und einer von diesen fährt nun mit deren Logo durch die Gegend.

Die TVthek funktioniert aber ebenso beim Publikum, wie Prantner stolz verkündet. „Im 1.Halbjahr 2016 hat die ORF-TVthek die höchsten Zugriffe seit ihrer Gründung vor 6 ½ Jahren erzielen können." Bis zu 32 Mio. Videoabrufe, mehr als 1 Mio. User und rund 6 Mio. Visits im Schnitt pro Monat sind neue Rekordwerte. Dafür sorgten TV-Großereignisse wie Bundespräsidentenwahl, Fußball-EM und Unterhaltungs-Highlights. Dazu gibt es 220 ORF-Sendungen aus allen Genres sowie mehr als 25 historische Video-Archive, die unbefristet abrufbar sind. 87 Prozent der Zugriffe entfallen auf die Video-on-Demand-Angebote, immerhin 13 Prozent auf die Livestreams. Vor allem die mobile Nutzung steigt rasant.

Rekord als Problem

Das bringt aber auch Probleme, wie Prantner einräumt. „Wir haben eine derart gewaltige Steigerung an Zugriffen, dass unsere technischen Kapazitäten inklusive Bandbreiten derzeit massiv überlastet sind, wie etwa bei der Fußball-EM.“ Die aus dem Jahr 2009 stammende technische Infrastruktur und das Content-Management-System gehörten dringend erneuert. Zumal auch noch ein neues, personalisiertes, themenbezogene Services, „MyTVthek“, implementiert wird. Im Zuge dessen soll auch auch das Layout modernisiert werden.

Die jüngste Errungenschaft der TVthek ist die Restart-Funktion, mit der Sendungen und Übertragungen, die bereits begonnen haben, nochmals gestartet werden können. Gut möglich, dass es Prantner, der schon einmal Online-Direktor war, in diesen Wochen gelingt, auch bei seiner Karriere den Restart-Knopf zu betätigen.

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